F: Wann wurde dieses Buch verfasst?
Die Gelehrten sind sich nicht sicher, daher wollen wir einige Hinweise zusammenführen.
Außerhalb des Zeitrahmens: Im Buch Hiob wurde der Reichtum in Vieh gemessen, nicht in Geld oder Gold. Im Nahen Osten gab es bis etwa 500 v. Chr. keine Münzen; diese wurden hauptsächlich von den Persern eingeführt, die sie von den Lydern übernommen hatten. In Hesekiel 14,14 wird Hiob erwähnt, und Jesaja 19,5 ist fast identisch mit Hiob 14,11; wenn Jesaja diesen Gedanken von Hiob übernommen hat, dann muss Hiob offensichtlich vor (oder lange vor) Jesaja und Hesekiel verfasst worden sein.
Zuvor: Da Hiob ein Mann Gottes war, würde man sich fragen, warum nirgendwo auch nur die geringste Erwähnung des Gesetzes des Mose zu finden ist – es sei denn, dieses Buch wurde geschrieben, bevor die Israeliten das Gelobte Land betraten und Nichtjuden noch nichts über das Gesetz des Mose wissen konnten.
Im Anschluss daran: Im Buch Hiob war Bildad ein Shuhiter und Elifas ein Temaniter. Shuah war laut Genesis 25,2 ein Sohn Abrahams und Keturas. Teman war ein Enkel Esaus. (Genesis 36,11,15,42; 1. Chronik 1,36,45,53). Somit wurde es deutlich nach der Zeit Jakobs und Esaus verfasst. Der Stil des Buches Hiob ist „klassisches Hebräisch“, was auf eine Entstehung nach 1500 v. Chr. hindeuten würde. Da jedoch in Hiob 1–2; 12,9; 38; 40 und 42 Gott als Jahwe bezeichnet wird, wurde das Buch wahrscheinlich erst verfasst, nachdem Gott diesen Namen Mose offenbart hatte, also nach 1447 v. Chr.
Fazit: Wir wissen es nicht mit Sicherheit, doch höchstwahrscheinlich lebte Hiob irgendwann zwischen 1800 und 1447 v. Chr., mit anderen Worten: zu der Zeit, als sich die Israeliten in Ägypten aufhielten oder durch die Wüste wanderten.
F: Wie lässt sich das Buch Hiob grob gliedern?
A: Hier ist eine einfache Übersicht, die den Aufbau veranschaulicht. Die Kapitel sind in Klammern angegeben.
Einleitung (1–2)
Hiob (3)
Drei Zyklen:
Elifas (4–5) Elifas (15) Elifas (22)
Hiob (6–7) Hiob (16–17) Hiob (23–24)
Bildad (8) Bildad (18) Bildad (25)
Hiob (9–10) Hiob (19) Hiob (26–27,12)
Zophar (11) Zophar (20) ? (27:13–23)
Hiob (12–14) Hiob (21) Hiob (28–31)
Elihu (32–37)
Der Herr (38–41)
Hiob (42)
Einige sind der Ansicht, dass in Hiob 27,13–23 Zophar spricht, während andere glauben, es sei Hiob gewesen.
F: Stammt das Buch Hiob aus alten sumerischen und babylonischen Legenden?
A: Es gibt keine Belege dafür, da Ähnlichkeiten nicht zwangsläufig bedeuten, dass das eine vom anderen übernommen wurde. Im Gegenteil, es wäre überraschend, wenn es keine andere Literatur gäbe, die sich mit diesem Thema befasst. Es gibt zwei mesopotamische Werke, die sich mit dem Problem des Leidens auseinandersetzen.
„Ich will den Herrn der Weisheit preisen“, ein akkadisches Werk, wird manchmal als der „babylonische Hiob“ bezeichnet.
Der „Dialog über das menschliche Elend“ (auch als „babylonische Theodizee“ bezeichnet) fragt, warum es Leid im Allgemeinen gibt, während Hiob fragt, warum er selbst leidet. Der „Dialog über das menschliche Elend“ antwortet darauf, dass die Götter die Menschen böse gemacht hätten. Das Buch Hiob entgegnet dem, dass dies nicht auf Hiobs Sünde zurückzuführen sei. Vielmehr sei Gott so viel größer als wir, dass Er manchmal Gründe habe, die wir nicht erkennen können, warum Er zulässt, dass Seine gehorsamen Diener leiden. Im konkreten Fall Hiobs habe dessen bewiesene Treue Gott Ehre gebracht.
In der heutigen Zeit bietet das Buch „Das Problem des Leidens“ von C. S. Lewis sehr aufschlussreiche Einblicke.
F: War Hiob eine tatsächliche, historische Person?
A: Gewiss. Hiob selbst deutet darauf hin; auch in Hesekiel 14,14.20 wird Hiob neben Daniel und Noah als gerechter Mensch aufgeführt. Auch in Jakobus 5,11 wird Hiob als Person erwähnt. Es gibt keine Hinweise, die auf etwas anderes hindeuten. Hiob 1 stellt Hiob ebenso sachlich vor, wie 1. Samuel Elkana und Lukas Zacharias vorstellt.
F: War Hiob Jude, Israelit oder ein Nichtjude?
A: Hiob kann wohl niemals Jude gewesen sein, da das „jüdische“ Volk aus den Überresten der Israeliten bestand, die nach dem Exil in das Land zurückkehrten, und das Buch Hiob höchstwahrscheinlich bereits vor dieser Zeit verfasst wurde.
Manche sind der Ansicht, Hiob sei ein Israelit gewesen, da im Buch Hiob der Name Gottes insgesamt 23 Mal verwendet wird. Mit Ausnahme von zwei Fällen wird der Name Gottes jedoch jedes Mal vom Erzähler des Buches verwendet und nicht von Hiob oder einem seiner Freunde.
Manche sind der Ansicht, dass das Buch Hiob zu den frühesten Büchern der Bibel gehören könnte. Wir wissen nicht, wann das Buch Hiob verfasst wurde, doch da in Hiob 1,17 die Chaldäer erwähnt werden und die Sumerer erst um 1500 v. Chr. in Chaldäa assimiliert wurden, muss es nach dieser Zeit entstanden sein. (Die Israeliten verließen Ägypten um 1447 v. Chr.)
Hiob könnte durchaus ein Israelit gewesen sein, doch gibt es keinen Grund, dieser Interpretation den Vorzug zu geben, und es wurden zahlreiche Nicht-Israeliten mit dem Namen Hiob gefunden. Das Buch Hiob hätte dies sicherlich erwähnen können, doch es schweigt sich über Hiobs ethnische Herkunft aus. Vielleicht liegt der Grund darin, dass Hiobs ethnische Herkunft nicht von Bedeutung war.
F: Wer trug in dem Buch Hiob noch die Namen Hiob und Bildad?
A: W. F. Albright fand den Namen „Iyyob“ bereits vor der Zeit Moses’ belegt. Die Berliner Verfluchungstexte erwähnen einen „Iyyob“ als syrischen Prinzen in der Nähe von Damaskus. „Ayyabum“ findet sich in den Mari-Texten. Die Tell-el-Amarna-Briefe aus den Jahren 1400–1370 v. Chr. erwähnen Ayab als Fürsten von Pella. W. F. Albright identifizierte den Namen Bildad im zweiten Jahrtausend als Kurzform von „Yabil-Dadum“.
F: Da die Ansichten der Redner im Buch Hiob voneinander abwichen, wie konnten sie alle inspiriert sein?
A: Gott entschied sich dafür, uns wahrheitsgetreu wiederzugeben, was sie sagten, ohne ihre Ansichten als Wahrheit zu bestätigen. Tatsächlich erklärte Gott am Ende des Buches Hiob die Ansichten der drei Freunde für falsch.
F: Da Gott uns liebt, warum lässt er dann im Buch Hiob so viel Leid in der Welt zu?
A: Bei der Beantwortung sind fünf Punkte zu berücksichtigen.
1. Seit dem Sündenfall steht die Welt unter der Herrschaft des Bösen (1. Johannes 5,19). Wir befinden uns in feindlich besetztem Gebiet.
2. Dies ist nicht die bestmögliche Welt; wir sollten es uns hier nicht zu bequem machen. Die bestmögliche Welt ist jene, in der die Menschen die Freiheit haben, Gott zu lieben, und in der jeder Gott lieben wird. Die bestmögliche Welt ist der Himmel, und dies ist der Weg hin zur bestmöglichen aller Welten.
3. Dies ist keine gerechte Welt, in der Babys leiden und manche böse Menschen ein langes, wohlhabendes Leben führen. Gerechtigkeit wird kommen, und am Tag des Gerichts wird Gott alles in Ordnung bringen.
4. Gottes ewige Sichtweise unterscheidet sich manchmal von der unseren. Wir betrachten den Tod als das Ende und das Leiden als extrem lang. Gott betrachtet tausend unserer Jahre als nur eine Wache in der Nacht (Psalm 90,4). Vielleicht sollten wir eine langfristigere Sichtweise einnehmen, so wie Gott es tut.
5. Wir verstehen vielleicht nicht, warum wir das Leid ertragen müssen, das uns widerfährt, doch in Römer 8,28 heißt es, dass Gott alle Dinge – nicht nur die guten – dazu nutzen kann, dass sie zum Guten für diejenigen zusammenwirken, die ihn lieben. Wir verstehen unser Leid vielleicht nicht, doch Gott versteht es, denn Jesus selbst kam, litt und wurde zu Unrecht getötet, und er versteht unseren Schmerz.
Frage: Warum widerfahren in Hiob frommen Menschen schlimme Dinge?
A: Manchmal lassen sich Gründe für das Eintreten von Unglück bei Christen erkennen. Paulus predigte den Galatern zunächst aufgrund einer Krankheit (Galater 4,13). Paulus wurde in 2. Korinther 12,7–10 eine Art Dorn auferlegt, um ihn davor zu bewahren, hochmütig zu werden. Christen, die den Kelch des Herrn auf die leichte Schulter nahmen, wurden in 1. Korinther 11,29–32 durch Krankheit und Tod gezüchtigt. Christen wie Paulus (2. Timotheus 3,10–12) und Johannes (Offenbarung 1,9) erlitten um des Evangeliums willen Verfolgung. Ein Teil von Hiobs Prüfung bestand darin, nicht zu wissen, was vor sich ging.
Dennoch können wir die meisten Male die Gründe für die Prüfungen der Frommen nicht erkennen. Wir müssen uns damit begnügen, bis zum Himmel zu warten, um die Gründe für viele Dinge zu erfahren. Generell lässt sich jedoch sagen, dass Prüfungen Ausdauer entwickeln (Jakobus 1,2–4). Alle Dinge, selbst die bösen, wirken zum Guten für diejenigen, die Ihn lieben (Römer 8,28).
Das Buch Hiob setzt sich mit dieser Frage auseinander. Wenn wir die vielen subtilen Wahrheiten in Hiob einmal außer Acht lassen, können wir Folgendes sagen:
1. Während Satan das Leiden ausgelöst hat, hat Gott es zugelassen und zu Seiner Ehre genutzt.
2. Nachdem dies vorbei war, war ein Nebeneffekt, dass Hiob Gott auf eine viel persönlichere und innigere Weise kennenlernte.
3. Während der gesamten Prüfung hatte Hiob keine Ahnung, warum dies geschah. In gewisser Weise war auch dies Teil der Prüfung.
4. Hiobs drei Freunde hatten alle Antworten für Hiob parat; leider waren es die falschen Antworten.
5. Die Antwort, die Hiob gegeben wurde, lautete nicht: „Satan durfte Hiob quälen, um ihn auf die Probe zu stellen.“ Vielmehr lautete die Antwort: „Auf Erden teilt Gott uns oft nicht die Gründe für das Leiden mit.“
Zusammenfassend lässt sich sagen: Gott kann zulassen, was immer Er will. Heute gibt es viele Dinge, die nicht in Ordnung sind, und es kommt eine Zeit – der Tag des Gerichts –, an dem alles wieder in Ordnung gebracht wird. Weitere Informationen zum Leiden aufgrund von Krankheit finden Sie in der Erörterung zu Galater 4,13.
F: Bart Ehrman schreibt: „Und sobald man das Alte Testament mit einbezieht, gerät alles völlig durcheinander. … Das Buch Amos beharrt darauf, dass das Volk Gottes leidet, weil Gott es für seine Sünden bestraft; das Buch Hiob beharrt darauf, dass auch Unschuldige leiden können; und das Buch Daniel deutet an, dass Unschuldige tatsächlich leiden werden. All diese Bücher unterscheiden sich voneinander, …“ (Jesus, Interrupted, S. 12. Siehe auch „Lost Christianities“, S. 117–118)
A: Ehrman hat offenbar ein echtes Problem mit sich ergänzenden Aussagen. Wenn jemand wie Daniel zu einem bestimmten Zeitpunkt verfolgt wird, weil er Gott gehorcht hat, fällt es Ehrman schwer zu akzeptieren, dass Menschen zu anderen Zeiten leiden, weil Gott sie bestraft. Amos hat nie gesagt, dass Menschen nur wegen ihrer Sünden leiden; Amos sprach von einer konkreten Situation zu seiner Zeit. Hiob zeigt tatsächlich, dass Menschen manchmal aus Gründen leiden, die nichts mit ihren eigenen Sünden oder denen ihrer Mitmenschen zu tun haben, und Daniel zeigt tatsächlich, dass Gottes Volk manchmal unter Ungläubigen leidet, gerade weil es Gott nachfolgt. Sie sagen zwar unterschiedliche Dinge, aber sie sind nicht unvereinbar. Verschiedene Seiten einer Skulptur sehen unterschiedlich aus, aber es ist dieselbe Skulptur. Ebenso hat die Wahrheit je nach Blickwinkel unterschiedliche Facetten, aber diese Facetten ergänzen sich, sie sind nicht unvereinbar.
F: Warum hat Gott in der Geschichte von Hiob zugelassen, dass Hiob leiden musste?
A: Bei der Beantwortung sind fünf Punkte zu berücksichtigen.
Da alle Menschen eine sündige Natur haben (Römer 3,23), leben wir in einer gefallenen Welt (Römer 8,20–22) unter der Herrschaft des Bösen (1. Johannes 5,19), sodass alle Menschen dem Leiden ausgesetzt sind.
Hiob litt nicht wegen einer bestimmten Sünde, die er begangen hatte, und das Leiden eines Menschen ist nicht zwangsläufig darauf zurückzuführen, dass dieser Mensch sündiger ist als andere. Jesus lehrte dasselbe in Lukas 13,4. Tatsächlich suchte Hiob in sich selbst und konnte in Hiob 6,24.29.30 keine Sünde finden, die rechtfertigen würde, dass er diese Behandlung erdulden musste, während andere davon verschont blieben. Manchmal ist Leiden Gottes Züchtigung, um uns zur Umkehr von unseren Sünden zu bewegen, doch hier war dies nicht der Fall.
Im Allgemeinen können wir zwar die Ursachen und das Ergebnis im Buch Hiob nachlesen, Hiob selbst jedoch nicht. Daraus können wir lernen, dass gehorsame Gläubige manchmal leiden müssen, ohne den Grund dafür zu kennen.
Insbesondere im Fall Hiobs verherrlichte sein Leiden Gott, indem es dessen Treue selbst dann bewies, als er die Hoffnung bereits verloren hatte. Selbst ein schwacher, sterblicher Gläubiger wie Hiob konnte dem Schlimmsten standhalten, was Satan ihm entgegenwerfen konnte. Gott hat stets Seine Gründe, und alle Gründe lassen sich letztendlich entweder auf Züchtigung oder auf die Verherrlichung Gottes zurückführen. Oft kennen wir die Gründe zu diesem Zeitpunkt nicht, doch wir werden sie nach unserem Tod erfahren.
Am Ende wird Gott eine Welt schaffen, in der es weder Leid noch Versuchung gibt, und doch wird sich jeder an diesem Ort frei dafür entscheiden, Ihn zu lieben. Das sind der neue Himmel und die neue Erde. Wir warten sehnsüchtig auf jene Zeit, in der „‚Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen‘, und es wird keinen Tod mehr geben, keine Trauer, kein Weinen und keinen Schmerz, denn das Frühere ist vergangen.“ (Offenbarung 21,4) Komm, Herr Jesus!
F: In Hiob 1,1, Hiob 1,8 und Hiob 2,3 – inwiefern war Hiob gerecht, da in Römer 3,10 steht, dass niemand gerecht ist?
A: Hiob war ein gottesfürchtiger Mann. Diese Verse behaupten nicht, dass Hiob sündlos und vollkommen war, aber Hiob gehorchte Gott gewissenhaft, und Hiob sagte, er würde alles bereuen, was er falsch getan hatte.
F: Wo befand sich Uz, wie in Hiob 1,1 kurz erwähnt?
A: Uz war gemäß Genesis 10,23 und 1. Chronik 1,17 ein Sohn Arams. Die Aramäer lebten vorwiegend in Syrien in einem Gebiet, das sie Ussai nannten. Erschwerend kommt hinzu, dass der arabische Name für Esau „is“ lautet und es in 1. Chronik 1,42 einen weiteren Ort namens Uz gab, der von Edom abstammte. In Jeremia 25,20 wird Uz erwähnt, und in Klagelieder 4,21 heißt es, dass Edom in Uz wohnte.
Ebenso fragt man sich, ob Menschen in anderen Teilen der Welt durch die Existenz eines Bundesstaates Washington und eines Washington, D.C. verwirrt sind. Für Amerikaner ist dies nicht verwirrend, und die Existenz zweier Länder namens Uz war wahrscheinlich auch für die Verfasser der Bibel nicht verwirrend.
F: Welche Bedeutung haben die sieben Söhne und drei Töchter in Hiob 1,2?
A: Es gibt drei Möglichkeiten:
1. Es könnte sich einfach um die tatsächlichen Zahlen handeln.
2. Diese Zahlen stehen in anderen Passagen für Vollkommenheit und Vollständigkeit, und dies könnte hier lediglich widergespiegelt werden.
3. Es könnte beides sein. Gott hat diese Zahlen einfügen lassen, um Vollkommenheit und Vollständigkeit darzustellen, und Gott hat in der Geschichte so gewirkt, dass dies auch die tatsächlichen Zahlen sind.
F: Hätten Juden gemäß Hiob 1,5 wie Hiob Opfer für andere darbringen sollen?
A: Nein, denn das Alte Testament hat dies niemals geboten. Darüber hinaus zeigt die Bibel, dass ein (gefallener) Mensch keine Sühne für einen anderen Menschen leisten kann. Nebenbei bemerkt: Nichts in der Bibel besagt, dass Hiob ein Israelit war.
F: Stützt die Tatsache, dass Hiob in Hiob 1,5 Opfer für seine Kinder darbringt, die römisch-katholische Lehre von den Ablässen, wie ein katholischer Autor (Ludwig Ott) behauptete?
A: Nein. Die katholische Lehre von den Ablässen besagt, dass eine Person eine Handlung vollziehen kann – beispielsweise Geld an die Kirche zu zahlen –, um die Strafe im Fegefeuer entweder für ihre eigenen Sünden oder für die Sünden eines anderen Katholiken, der bereits verstorben ist, zu tilgen.
Von einem „Verdienstschatz“, durch den ein verstorbener Heiliger jemandem auf Erden helfen könnte, ist keine Rede.
Noch am Leben: Hiobs Kinder waren noch am Leben.
In der Bibel nicht vorgeschrieben: Auch wenn Hiobs Absichten gut waren, gibt es in der Bibel keinen Hinweis darauf, dass Gott dies von uns erwartet hätte – weder in den Zeiten des Alten Testaments noch im Neuen Testament. Nichts deutet darauf hin, dass Gott Hiobs Opfer für irgendjemanden außer Hiob selbst angenommen hätte.
Weder im Buch Hiob noch an irgendeiner anderen Stelle in der Bibel wird das Fegefeuer erwähnt.
Der Zweck dieser Passage besteht darin, zu zeigen, wie gerecht Hiob war, und nicht darin, eine neue Lehre einzuführen (die von niemandem sonst in der Bibel befolgt wurde).
F: Wer waren hier in Hiob 1,6 die Söhne Gottes?
A: Es handelte sich um Engel, sowohl um gute Engel als auch um gefallene Dämonen.
F: Warum durfte Satan in Hiob 1,6 vor Gott treten, während wir nicht direkt vor Ihn treten können?
A: Die Bibel gibt zwar keine direkte Antwort darauf, doch lassen sich hier einige Beobachtungen anstellen.
a) Gott ist überall gegenwärtig (Psalm 139,7–12; Jeremia 23,24).
b) Gott hat zudem eine besondere, örtlich begrenzte Gegenwart im Thronsaal des Himmels, wie Offenbarung 4 zeigt.
c) Auch in Sacharja 3,1 trat Satan vor Gott, um zu versuchen, den Hohepriester anzuklagen. In der „Encyclopedia of Bible Difficulties“ (S. 238–239) heißt es, dies deute darauf hin, dass Satan gelegentlich Zugang zu mindestens einem Teil des Himmels hat, um Anklagen zu erheben.
d) Hiob 1,6 gibt nicht genau an, in welchem Sinne sich Satan vor Gott präsentierte, doch Hiob 1,6 deutet darauf hin, dass Satan sich in einer Gruppe befand, zu der er nicht gehörte.
F: Wurde Hiob in Hiob 1,6 als „Schachfigur“ in Gottes „Schachpartie“ mit dem Teufel benutzt?
A: Hiob war weder eine Schachfigur noch war er ein Einzelfall. Hiob verherrlichte Gott durch sein Leben; nun würde er Gott durch sein Leben angesichts starker Widerstände verherrlichen. Auch wir existieren, um Gott zu dienen und Ihn zu verherrlichen, selbst angesichts der Widerstände, denen wir ausgesetzt sind. Wir mögen in diesem Leben leiden, doch die Leiden, die wir ertragen, sind so gering im Vergleich zu den Reichtümern des Himmels (1. Petrus 1,6–7; 1. Korinther 2,9–10), die wir für immer mit Gott genießen werden.
F: Was genau war in Hiob 1,9–12 die Anklage Satans gegen Hiob?
A: Satan konnte nicht leugnen, dass Hiob ein gerechter Mann war, und sprach dies auch nicht an. Vielmehr stellte Satan Hiobs Motive in Frage, indem er behauptete, Hiob diene Gott nur zu seinem eigenen Vorteil.
F: Sollte das hebräische Wort in Hiob 1,11 hier mit „segnen“ oder mit „verfluchen“ übersetzt werden?
A: Das Wort kann hier „segnen“ bedeuten, wie in einem Abschiedssegen. Im Englischen sagen wir „good-bye“, was eine Verkürzung von „God be with you“ ist. Sowohl hier als auch in Psalm 10,3 hat das Wort einen ironischen Sinn. Somit lässt sich Hiob 1,11 übersetzen mit: „… und er wird sich vor Ihren Augen verabschieden.“ Ebenso lässt sich Psalm 10,3 übersetzen mit: „… verabschieden Sie sich und verleugnen Sie den Herrn.“
F: Warum hasste Satan Hiob in Hiob 1,13–19; 2,7 so sehr?
A: Satan hasste die Tatsache, dass Hiob Gott verherrlichte. Abgesehen davon interessierte sich Satan überhaupt nicht für Hiob, außer um Gott und das Zeugnis eines seiner Diener in Verruf zu bringen.
F: Wie würde sich ein Christ in Hiob 1,14–20 fühlen, wenn er Gott aufopferungsvoll diente (Hiob 1,5) und dennoch Unglück über ihn hereinbrach?
A: Manche Christen würden so reagieren wie Hiob in Hiob 1,20–22: Sie wären traurig, würden diese Trauer jedoch nutzen, um Gott zu verehren. Andere, die Gott vielleicht nur wegen der gegenwärtigen Segnungen in diesem Leben dienen, könnten sich von Gott abwenden. Genau darin besteht die Herausforderung Satans. Satan warf Hiob vor Gott vor, den zweiten Weg einzuschlagen, und diese Prüfung sollte zeigen, was für ein Gläubiger Hiob war. Bei all dem sündigte Hiob weder in seinen Gedanken noch in seiner Haltung – zumindest noch nicht.
Wenn Sie in Ihrem Leben von einem Unglück heimgesucht wurden, während Sie Gott treu dienten, stehen Sie vielleicht vor einer ähnlichen Prüfung, wenn auch vielleicht nicht in so schwerwiegender Form. Werden Sie die Ungerechtigkeit und den Kummer nutzen, um Gott dennoch anzubeten – und zwar in noch größerer Weise als zuvor –, oder werden Sie verzweifeln?
F: Wer waren in Hiob 1,15 die Sabäer?
A: Es könnte sich um dasselbe Volk handeln, das in Joel 3,8 erwähnt wird und im heutigen Jemen im Südwesten der Arabischen Halbinsel lebte. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass es sich um eine Volksgruppe handelte, die die Assyrer „Saba“ nannten und die in Nordarabien lebte. Natürlich könnten die Sabeer aus Nordarabien auch mit den Sabeern aus dem Südwesten Arabiens verwandt sein.
F: Was war in Hiob 1,16 das Feuer Gottes?
A: Ein Blitz. Dies war wahrscheinlich eine umgangssprachliche Bezeichnung für Feuer, das nicht auf dieser Erde entstanden war. Mit anderen Worten: Der Blitz schlug vom Himmel herab.
F: Lehrt Hiob 1,20–21 die Reinkarnation?
A: Nein. Manchmal greifen Anhänger der New-Age-Bewegung Bibelverse auf, die vom Leben nach dem Tod oder von der Auferstehung handeln, und da der Vers vom Leben nach dem Tod spricht, muss es sich ihrer Meinung nach um ein Leben nach dem Tod durch Reinkarnation handeln. Dieser Vers lehrt jedoch gar nicht erst das Leben nach dem Tod. Vielmehr stellt Hiob lediglich fest, dass er mit nichts (nackt) in diese Welt gekommen ist und dass er diese Welt ebenfalls mit nichts wieder verlassen wird. Tatsächlich spricht Hiob in Hiob 10,21 vom Tod als einem „für immer endgültigen Weggang“.
F: Was bedeutet das hebräische Wort „tiplah“, das in Hiob 1,22 mit „Unrecht“ übersetzt wird, genau?
A: Das Wort steht im Zusammenhang mit „geschmacklos“. Ein verwandtes Wort wird in Klagelieder 2,14 mit „wertlos“ übersetzt. Hiob glaubte zu diesem Zeitpunkt, dass Gott einen höheren Zweck für das Geschehene hatte; daher warf Hiob Gott nicht vor, etwas Wertloses oder Sinnloses zu tun.
F: In Hiob 1,22: Inwiefern werfen manche Menschen Gott Unrecht vor?
A: Manche sagen aus verschiedenen Gründen ausdrücklich: „Gott ist ungerecht.“ Manche gläubige Menschen sagen, Gott sei gerecht, aber Seine Gerechtigkeit sei unergründlich. Darin liegt ein Funken Wahrheit, da Gottes Gerechtigkeit und Liebe unser vollständiges Verständnis übersteigen. Zu sagen, dass wir, da Gott unendlich ist, Gottes Gerechtigkeit nicht verstehen können und es sinnlos ist, dies zu versuchen, ist jedoch vergleichbar mit der Behauptung, dass wir, da Gottes Liebe unendlich ist, Gottes Liebe nicht verstehen können und es sinnlos ist, dies zu versuchen.
Manche Menschen halten Gott für ungerecht, weil sie feststellen, dass die Bestrafung der Gottlosen nicht sofort erfolgt. Andere halten Gott aus dem gegenteiligen Grund für ungerecht: Die Frommen erfahren nicht immer Gutes. Wieder andere sehen Gott als ungerecht an, weil die Gerechten nicht immer Besseres erfahren als die Gottlosen – zumindest nicht in diesem Leben. Wir können verstehen, was Gott über Gerechtigkeit offenbart hat, doch wir müssen im Glauben darauf vertrauen, dass Gerechtigkeit kommen wird.
F: Wie ging Gott in Hiob 2,3 gegen Hiob vor?
A: Gott handelte auf bedeutende Weise, indem Er Seinen Schutz über Hiob teilweise aufhob.
F: Wie kann ein Mensch auf Erden in Hiob 2,3 und Hiob 1,8 „tadellos und aufrichtig“ sein, obwohl wir gesündigt haben?
A: Gott sprach hier nicht von sündloser Vollkommenheit. Doch Hiob folgte Gott treu, und obwohl niemand ohne Sünde ist, gefiel Hiobs Untadeligkeit Gott außerordentlich. Zwar haben Menschen eine sündige Natur (mit Ausnahme Jesu), doch kann ein Mensch in diesem Leben frei von chronischer, hartnäckiger Sünde sein und die vorsätzlichen Sünden, die er begeht, bereuen. Es geht nicht darum, dass ein Mensch auf dieser Erde einen Zustand erreichen kann, in dem er nicht mehr sündigt (weder absichtlich noch unabsichtlich), sondern darum, dass er, sobald er sich dessen bewusst wird, schnell Buße tut.
F: Warum sagte Satan in Hiob 2,4: „Haut um Haut“?
A: Satan behauptete, dass jeder Mensch alles tun würde, um seine Haut zu retten. Satan deutete an, dass Hiob den Tod seiner Diener und Kinder hinnehmen könnte, aber nicht akzeptieren würde, dass seine eigene Gesundheit beeinträchtigt würde. Doch Hiob bewies, dass Satan Unrecht hatte. Nebenbei bemerkt: Ein Dermatologe (Hautarzt) zitierte dies einmal in seiner Fachliteratur, um zu belegen, dass die Bibel lehrt, wie wichtig die Haut ist. Das Problem ist jedoch, dass er bei der Zitierung dieses Verses (in der King-James-Bibel) die ersten drei Wörter weggelassen hat; wenn man den Anfang eines Verses oder Satzes nicht zitiert, sollte man Auslassungspunkte (…) setzen, was er jedoch nicht tat. Die fehlenden Wörter lauteten: „Und Satan antwortete“.
F: Welche Art von Krankheit hatte Hiob genau in Hiob 2,7?
A: Die Heilige Schrift gibt keine genaue Angabe, aber es könnten verschiedene Ursachen gewesen sein. Möglicherweise handelte es sich um Lepra; allerdings kannten die Menschen damals Lepra und bezeichneten sie auch als solche (2. Chronik 26,16–20), und hier wurde die Krankheit nicht als Lepra bezeichnet. Das hebräische Wort für Geschwüre wurde hier auch im Zusammenhang mit einer der Plagen Ägyptens in 2. Mose 9,8–11 und 5. Mose 28,27 sowie für die Krankheit Hiskias in 2. Könige 20,7 verwendet. Es könnte sich um Elephantiasis gehandelt haben, bei der große gutartige Tumore den gesamten Körper bedecken können. Diese Krankheit lässt einen Menschen abscheulich aussehen, andere meiden ihn, und es gibt keine Heilung.
Es könnte sich auch um eine andere Hautkrankheit gehandelt haben, wie beispielsweise Pemphigus foliaceus. Diese geht mit Wunden (Hiob 2,7), Juckreiz (Hiob 2,8) und Veränderungen der Gesichtshaut (Hiob 2,7.12) einher; Appetitlosigkeit (Hiob 3,24), Kraftverlust (Hiob 6,11); Würmer in den Geschwüren (Hiob 7,5), nässende Wunden (Hiob 7,5), Atembeschwerden (Hiob 9,18), dunkle Ringe unter den Augen (Hiob 16,16); Mundgeruch (Hiob 19,17), Gewichtsverlust (Hiob 19,20; 33,21), geschwärzte und schuppige Haut (Hiob 30,30) sowie Fieber (Hiob 30,30).
Zudem war es leicht, sich eine Staphylokokkeninfektion zuzuziehen, die ohne Antibiotika schwer zu behandeln ist und letztendlich tödlich verläuft.
Ungeachtet dessen könnte Hiob sich mit Tonscherben gekratzt haben, um den Juckreiz zu lindern und zu versuchen, den Eiter zu entfernen. Man könnte auf Asche sitzen wollen, nicht nur aus Trauer, sondern auch, weil frisch verbrannte Asche steril ist und das Infektionsrisiko verringert. Auch wenn seine Gefährten später im Buch möglicherweise fehlgeleitet waren, muss man ihnen dennoch zugutehalten, dass sie bereit waren, in der Nähe ihres schrecklich aussehenden Freundes zu sein. Sie fingen an zu weinen, als sie sahen, wie schlecht Hiob aussah, aber sie kamen dennoch und setzten sich zu ihm.
F: Warum sollte jemand, dessen Haut überall mit Wunden übersät ist, in Hülle und Asche sitzen (Hiob 2,8)?
A: Diese Praxis ist tatsächlich durchaus sinnvoll. Frische (aber kalte) Asche wäre wohl der sterilste Ort, auf dem sich ein Mensch hinsetzen könnte.
F: Warum hat Satan in Hiob 2,9–10 nicht auch Hiobs Frau und seine Kinder getötet?
A: Vielleicht beobachtete Satan ihre Haltung und erkannte, dass sie ein nützliches Werkzeug sein könnte – als jemand, der Hiob nahestand und ihn in Versuchung führen könnte. Satan nutzte sie als sechste Versuchung, die zur Verzweiflung führen sollte. Johannes Chrysostomos erwähnte dies.
F: Warum sagte Hiobs Frau in Hiob 2,9: „Verfluche Gott und stirb“?
A: Hiob und seine Frau waren beide verwirrt angesichts dessen, was mit ihm, seinem Besitz und seinen Kindern geschah. Wie Hiob erkannte, handelte es sich hierbei um eine boshafte Äußerung einer verzweifelten Frau. Man kann dies als Aufforderung zum Selbstmord interpretieren. Im Hebräischen gibt es eine Reihe von Wörtern für „Narren“, und dies ist das Wort für einen verstockten Narren, wie es beispielsweise in Psalm 14,1 vorkommt. Sie forderte Hiob auf, genau das zu tun, was Satan Gott prophezeit hatte, dass Hiob tun würde. Vielleicht liebte sie Hiob und würde ihn lieber sterben sehen, als dass er all dies durchmachen müsse. Denken Sie daran, dass zwar Gott Hiob prüfte, Hiobs Frau jedoch ebenfalls zehn Kinder begraben hatte. In gewisser Weise war dies auch eine Prüfung für Hiobs Frau, und sie versagte gänzlich. Der Tod ihrer Kinder bedeutete nicht, dass Hiobs Frau schlechter war als andere Ehefrauen, sondern dass Menschen in diesem Leben ungleiche Schicksale widerfahren können.
F: Was bedeutet das Wort „Böses“ hier in Hiob 2,10?
A: Damit ist nicht moralisches Übel gemeint, sondern körperliches Unglück. Man kann dies mit „Leid“ oder „Widrigkeiten“ übersetzen.
F: Wer waren in Hiob 2,11 die Temaniter, die Schuhiter und die Maamathiter/Naamathiter?
A: Die ersten beiden Völker waren den Hebräern bekannt, auch wenn hinsichtlich ihrer heutigen Lage eine gewisse Unklarheit oder Ungewissheit besteht.
Teman war eine bekannte Oase in Nordarabien. Es handelte sich um eine der wasserreichsten Oasen auf der Arabischen Halbinsel. Teman war auch der Name einer Stadt in Edom, die in Jeremia 49,7.20 für ihre Weisen bekannt war. In 1. Chronik 1,36 heißt es, dass Teman ein Nachkomme von Elifas aus Edom war; daher könnte der Elifas im Buch Hiob nach seinem Vorfahren benannt worden sein.
Shuah war ein Bruder Midians, der im Osten lebte, wie aus Genesis 25,2.6 und 1. Chronik 1,32 hervorgeht. Auch in assyrischen Aufzeichnungen wird ein Volk namens „Suhu“ erwähnt.
Über die Maamathiter/Naamathiter ist außer in Hiob 2,11 und Hiob 20,1; 42,9 nichts bekannt.
„Hiob“ war ein recht gebräuchlicher Name, wie aus den Tell-el-Amarna-Briefen (1400–1370 v. Chr.) und ägyptischen Verfluchungstexten sowie Aufzeichnungen aus Mari und Alalakh hervorgeht.
F: Wann ist es am besten, nichts zu sagen, wenn man jemanden tröstet, wie in Hiob 2,13 beschrieben?
A: Es dürfte einige Zeit gedauert haben, bis Hiobs Freunde davon erfuhren und sich alle versammeln und gemeinsam zu ihm kommen konnten. Als sie jedoch ankamen, waren sie von Hiobs Leid so überwältigt, dass sie zunächst nicht wussten, was sie sagen sollten. Generell sollte man jedoch nicht das Gefühl haben, unüberlegt etwas sagen zu müssen. Der beste Trost kann manchmal eine stille Anwesenheit sein. Ihre Worte sollten hilfreich und wohlüberlegt sein. Es besteht keine Eile, einfach irgendetwas zu sagen – auch keine unhilfreichen Dinge, die Sie nicht mehr zurücknehmen können.
F: Hat Hiob in Hiob 3,1–7 gesündigt, als er den Tag verfluchte, an dem er geboren wurde?
A: Hiob hat nicht gegen das verstoßen, was Gott im Gesetz offenbart hat. Hiob hat weder Gott noch sich selbst noch irgendjemanden anderen verflucht, sondern lediglich den Tag, an dem er geboren wurde. Auch Jeremia verfluchte in Jeremia 20,14–18 den Tag seiner Geburt. Diese Haltung war jedoch weder für sie noch für uns gut, denn Gott sagt in Psalm 139,14, dass wir wunderbar und einzigartig geschaffen sind. Viele sehen darin den Ausgangspunkt, an dem Hiob zu sündigen begann. Hiob gibt einen wirklich schlechten Rat, indem er sagt, das Beste für einen Gläubigen wäre, wenn er nie geboren worden wäre, und das Zweitbeste, dass er sofort sterben würde. Hiob hat an dieser Stelle vergessen, dass wir nach unserem Tod bei Gott sein werden, auch wenn er sich später wieder daran erinnert.
Gläubige können heute, genau wie Hiob, Phasen des Zweifels durchleben und Gottes Güte in Frage stellen. Dennoch sollten wir treu bleiben, so wie es Hiob war.
F: Was sind einige grundlegende Merkmale von Hiobs Rede in Hiob 3?
A: Es handelt sich um einen Monolog, der gewissermaßen an Gott gerichtet ist, und er scheint fast gar nicht zu bemerken, dass seine Freunde anwesend sind. Oftmals beginnen Reden mit höflichen und zuvorkommenden Einleitungen, doch diese Rede weist nichts dergleichen auf.
Manchmal haben Menschen, die unter Depressionen leiden, das Gefühl, dass ihre Welt um sie herum zusammengebrochen ist und sehr klein geworden ist, und sie nehmen die Menschen um sich herum, die ihnen helfen wollen, nicht ohne Weiteres wahr.
F: Was dachte Hiob in Hiob 3,16–22 über das Leben nach dem Tod?
A: Diese Passage zeigt, dass Hiob eine ewige Perspektive hatte und an ein Leben nach dem Tod glaubte. Die Toten finden Ruhe (Hiob 3,13; 17–19), da ihre Körper nicht mehr mühen müssen. Doch so ruhevoll es für Hiob und die Gerechten auch sein mag, die Gottlosen leiden nach dem Tod weiterhin.
Der Vers, der Hiobs Sichtweise am deutlichsten zum Ausdruck bringt, ist Hiob 19,26–27. Natürlich waren Konzepte wie das Millennium, die Wiederkunft des Messias, das Zeitalter der Kirche usw. den Gläubigen zu Hiobs Zeiten noch nicht offenbart worden.
Die frühen Christen verstanden Hiob so, dass er sich auf die Auferstehung bezog. Clemens von Rom schreibt: „Und wieder sagt Hiob: ‚Du wirst dieses mein Fleisch auferwecken, das all diese Dinge erlitten hat.‘“ 1. Clemens, Kap. 26, S. 12
F: Was lehrt uns Hiob 3,16–22 über das Leben nach dem Tod?
A: Zunächst einmal gibt diese Passage lediglich wieder, was Hiob dachte, ohne alles, was Hiob sagte, als wahr zu bestätigen. Alles, was Hiob hier sagte, war wahr, mit folgender Ausnahme:
a) Vers 22 bezieht sich nur auf die Frommen, während die Verse 17–19 für jeden gelten (im Tod wird er von seinem Herrn befreit usw.), und
b) im Gegensatz zu dem, worüber Hiob sich beklagte, gibt es eine Strafe für diejenigen, die Gott ablehnen.
F: Kann sich ein Mensch, der in Hiob 3,1–26 von Glauben und Geduld in Hoffnungslosigkeit und Depression verfällt, jemals wieder erholen?
A: Ja, so wie es Hiob am Ende des Buches tat. Auch wenn es zu diesem Zeitpunkt so aussieht, als stünde Satan kurz davor, seine Wette mit Gott zu gewinnen, hält Hiob dennoch durch – wenn auch nicht ohne Sünde.
F: Was ist in Hiob 4,1–5,27 die grundlegende Geisteshaltung von Elifas?
A: Elifas erkannte, dass Hiob ein gerechter Mann gewesen war, der vielen geholfen hatte. Es stellte sich jedoch die Frage, ob Hiob das, was er in Hiob 4,4 predigte, auch selbst lebte. Elifas’ Argumentation geht auf Hiob 4,8 zurück: Ein Mensch erntet, was er sät. Elifas versucht, Hiob zu helfen und seinen geliebten Freund zu stärken. Für Elifas und die anderen scheint es sehr wichtig zu sein, Hiob dabei zu helfen, den gerechten Grund für sein besonderes Leiden zu entdecken, denn für Elifas bewies Hiobs Leiden, dass Hiob etwas Falsches getan haben musste. Elifas vertrat die falsche Ansicht, dass Gottes Gerechtigkeit immer unmittelbar sei. Wenn niemandem etwas – weder Gutes noch Schlechtes – widerfiele, wäre das lediglich aufgeschobene Gerechtigkeit, doch dahinter steckt mehr. Nicht nur, dass gottlose Menschen oft nicht sofort die Konsequenzen für ihre Bosheit tragen müssen, sondern auch: Warum widerfahren den Frommen schlimme Dinge, wenn doch die Gottlosen es eher verdienen? Somit ist Gottes Gerechtigkeit oft nicht unmittelbar, während ungerechte Ungerechtigkeiten oft unmittelbar eintreten.
Gott wird nicht nur am Ende Seine Gerechtigkeit walten lassen, sondern Er wird auch alle Ungerechtigkeiten, denen wir ausgesetzt sind, rückgängig machen. Im konkreten Fall Hiobs litt er ungerecht durch die Hand Satans. Es war nicht nur sein Leiden, sondern sein ungerechtes Leiden, das Gott verherrlichte.
F: Heißt es in Hiob 4,1–5,27; Ps 34,12–16; Mk 4,24 und Gal 6,7 nicht, dass ein Mensch immer erntet, was er sät?
A: Ja, diese Verse besagen, dass man erntet, was man sät, doch geschieht dies nicht immer unmittelbar. Zudem besagen diese Verse nicht, dass alles, was man erntet, allein auf das zurückzuführen ist, was man sät. Psalm 73 liefert ein Beispiel dafür, dass böse Menschen reich werden und Wohlstand erlangen.
F: Wie kann jemand heute, wie in Hiob 4–5 beschrieben, wie Elifas sein, indem er zwar im Grunde eine korrekte Theologie vertritt, aber kein Mitgefühl zeigt?
A: Elifas sprach nur die Wahrheit, aber nur einen Teil der Wahrheit. Auch wenn es Hiob vielleicht mitleidslos erschien, versuchte Elifas, Hiob Hoffnung zu geben. Auch wenn die Lage derzeit schlecht ist, sagt Elifas in Hiob 5,17–27, dass Gott am Ende die Wunden verbinden und heilen kann.
F: Da ein Teil von Elifaz’ Argumentation in Hiob 4,7 als „Ursache und Wirkung“ bezeichnet werden könnte: Stimmt es oder nicht, dass ein gottesfürchtiges Leben gute Ergebnisse hervorbringt und ein gottloses Leben schlechte Ergebnisse?
A: In diesem Leben trifft dies im Allgemeinen zu. Es gibt jedoch zahlreiche Ausnahmen in beide Richtungen, und man sollte sich nicht darauf verlassen. Vielmehr wird Gott am Ende, nach unserem Tod, alles in Ordnung bringen. Jesus sagte in Lukas 13,1–5, dass diejenigen, auf die der Turm von Siloah fiel, nicht unbedingt größere Sünder waren.
F: Wie ist der Aufbau von Elifaz’ Argumentation in Hiob 4,5–5,27?
A: Es handelt sich um einen Chiasmus, wie er in der hebräischen Dichtung häufig vorkommt.
— Einleitung (4,2)
— — Ermahnung (4,3–6)
— — — Gottes Handeln mit den Menschen (4,7–11)
— — — — Die Offenbarung der Wahrheit (4,12–21)
— — — Gottes Handeln mit den Menschen (5,1–16)
— — Ermahnung (5,17–26)
— Schlusswort (5,27)
F: Gibt es in Hiob 4–5 Situationen, in denen Sie vielleicht versuchen, einer depressiven Person zu helfen, und es Ihnen – wie den drei Freunden Hiobs – völlig falsch geht?
A: Sie kamen, um Antworten zu finden und sie Hiob zu geben; vielleicht suchte Hiob zu diesem Zeitpunkt gar keine Antworten. Hoffentlich gibt es, wenn Sie versuchen, jemandem zu helfen, zumindest eine gewisse Übereinstimmung zwischen dem, was die Person sich wünscht, und dem, was sie von Ihnen erhält. Manchmal ist alles, was sie zunächst möchte, eine liebevolle Präsenz an ihrer Seite.
Wenn Sie versuchen, einer depressiven Person zu helfen, handeln Sie nicht einfach so, wie Sie glauben, dass die Person Ihre Hilfe annehmen sollte. Reagieren Sie auf die Situation und beobachten Sie, wie die Person Ihre Hilfe tatsächlich aufnimmt. Vielleicht ist es für die Person stressig, wenn Sie für sie aufräumen; sie muss sich nun Gedanken darüber machen, was Sie weggeworfen haben. Bedeutet der Kauf von Kleidung oder anderen Dingen, dass Sie nicht gutheißen, was die Person bisher getragen hat? Vielleicht ist das alles in Ordnung, aber vergewissern Sie sich doppelt, dass Ihre Liebesbekundungen so ankommen, wie Sie es beabsichtigt haben.
F: Was ist Elifaz’ Argumentation in Hiob 4,5–5,27?
A: Es besteht aus zwei Teilen.
Vertrauen Sie auf Ihre eigene Gerechtigkeit, Hiob, da Sie vielen gute Unterweisung gegeben haben. Elifas hat gesehen, wie die Gottlosen bestraft und die Gerechten belohnt wurden.
Allerdings ist niemand im Vergleich zu Gott gerecht, daher kann niemand Ungerechtigkeit in Frage stellen oder Gott vorwurfsvoll beschuldigen. Ich würde mich an Gott wenden, denn Er rettet stets die Gerechten. Selbst wenn Sie gesündigt haben, wird Gott Sie züchtigen, aber Er wird Sie dennoch retten.
Diese beiden Teile scheinen unvereinbar zu sein. Eine Sichtweise ist, dass Elifas einfach nur Argumente vorbrachte und sich nicht bewusst war, dass diese im Widerspruch zueinander standen. Aber vielleicht war Elifas absichtlich widersprüchlich. Er sprach ironisch, als er Hiob aufforderte, auf seine eigene Gerechtigkeit zu vertrauen – angesichts der Lage, in der sich Hiob befand. Wenn Sie, Hiob, das, was Sie gepredigt haben, in der Praxis nicht umgesetzt haben, dann übernehmen Sie die Verantwortung für das, was Sie ernten, stählen Sie sich unter dieser Züchtigung und ändern Sie Ihr Verhalten in Zukunft. Elifas sagt damit, dass Gott gut ist, dass Er gerecht züchtigt und dass Sie auch nach der Züchtigung noch Glück erfahren können (Hebräer 12,5–11).
Ungeachtet dessen lag Elifas in vier Punkten falsch:
a) Gottes Gerechtigkeit erfolgt oft nicht sofort
b) Gerechtigkeit kann für manche unmittelbar sein, für andere jedoch nicht
c) Die Tatsache, dass Gott so heilig ist, rechtfertigt in keiner Weise Hiobs Leiden und das Ausbleiben von Leiden bei anderen.
d) Am wichtigsten ist: Hiobs größeres Leiden im Vergleich zu anderen Menschen war nicht auf Sünde zurückzuführen.
Eliphaz’ Rede ist mehr oder weniger wahr, nur dass Ursache und Wirkung der Wahrheit völlig vertauscht sind.
F: Was lernte Hiob in Hiob 4,6 über die Hoffnung?
A: Hiobs Bedrängnis war keine Strafe für Sünde, keine Züchtigung, um die Fehler seines Handelns zu erkennen, und auch kein Mittel, um Hiobs Charakter zu läutern. Doch sie führte dazu, dass Hiob eine engere Beziehung zu Gott gewann. In Sprüche 3,26 heißt es, dass der Herr unsere Zuversicht sein wird.
Hiob sagt nicht einfach nur, dass sein Leben derzeit miserabel ist. Vielmehr sagt er, dass die Gesamtheit all der guten Dinge, die er jemals im Leben erhalten hat, nicht so viel wiegt wie all die Qualen und das Leid, das er erdulden musste, auch wenn dies erst vor kurzem begonnen hat.
Manchmal verzweifeln wir, weil wir nicht genug Hoffnung haben. Häufiger jedoch haben wir zu viel Hoffnung – aber auf die falschen Dinge. Wir haben Hoffnung auf unser Heil, weil Christus für uns gestorben ist, UND wir haben Hoffnung aufgrund unseres Bankkontos, UND wir haben Hoffnung aufgrund unserer Altersvorsorge, UND wir haben Hoffnung aufgrund unserer Familie, UND unserer Gesundheit, UND … Aber was wäre, wenn uns diese anderen Dinge genommen würden, so wie es bei Hiob der Fall war? Haben wir dann noch genügend Hoffnung?
F: Was halten Sie in Hiob 4,12–21 von der Ansicht, dass wir alle Sünde haben und sich daher alles Leiden der Gläubigen dadurch erklären lässt, dass alle Gläubigen eine Züchtigung für ihre Sünden benötigen?
A: Das ist ein Teil von Elifaz’ Argumentation, und oberflächlich betrachtet erscheint es logisch. Die Kapitel 1 und 2 des Buches Hiob zeigen jedoch, dass dies damals keineswegs der Grund für Hiobs Leiden war – und im weiteren Sinne auch nicht für manche Leiden der Gläubigen heute.
F: Könnte Elifas in Hiob 4,12–21 Recht gehabt haben, dass seine Worte auf einer göttlichen Offenbarung beruhten?
A: Viele haben dies in Frage gestellt, da seine Offenbarung einen Gott zeigt, dem die Menschen gleichgültig sind. Seine Worte enthielten einen theologischen Irrtum: Er erkannte nicht, dass nicht jedes Leiden direkt auf die Sünde des Leidenden zurückzuführen ist, wie Jesus in Lukas 13,1–5 lehrt.
Auch heute noch glauben manche Gläubige fälschlicherweise, eine göttliche Offenbarung empfangen zu haben.
F: Welchen stichhaltigen Punkt bringt Elifas in Hiob 4,20–21 zum Ausdruck?
A: Elifas weist darauf hin, wie zerbrechlich unser Leben ist und dass manche Menschen ihr ganzes Leben lang leben, ohne jemals Weisheit zu erlangen. Zwar ist auch unser Leben kurz und vergänglich, doch das ist nicht der Punkt, den Elifas hier ansprechen möchte.
F: Sollte Hiob 5,7 mit „Der Mensch wird in das Unglück hineingeboren“ oder mit „Der Mensch bringt Unglück hervor“ übersetzt werden?
A: Anhand der Konsonanten wäre beides möglich. Mit den hinzugefügten Vokalen lautet der hebräische Text: „Der Mensch wird in das Unglück hineingeboren“. Eine einzige Vokaländerung wandelt den Satz jedoch vom Passiv in das Aktiv um, sodass er dann bedeuten würde: „Der Mensch bringt Unglück hervor/verursacht Unglück“.
F: Warum zitierte Paulus in 1. Korinther 3,19 Elifas aus Hiob 5,13, obwohl Gott Elifas später zurechtwies?
A: In Hiob 42,7 sagte Gott nicht, dass alles, was Elifas sprach, falsch war, sondern nur einige Dinge. Elifas hatte Recht, als er sagte, dass Gott die Weisen in ihrer List fangen würde, aber Elifas lag in all den Aussagen falsch, in denen er meinte, Gott würde in diesem Leben kein Unglück über die Unschuldigen kommen lassen.
F: In Hiob 5,25–27: Inwiefern zeigte sich Elifas hier als sehr unsensibel?
A: Elifas versichert Hiob, dass sein Zelt sicher sei, wenn er fromm sei; Hiobs Haus war jedoch gerade zerstört worden. Elifas sagt Hiob, dass ein Gerechter viele Kinder haben werde. Hiob hatte tatsächlich viele Kinder, und sie alle waren ums Leben gekommen. Diese Bemerkungen dürften Hiob zutiefst verletzt haben.
F: Was ist in Hiob 6,1–7,21 an Hiobs Antwort so falsch?
A: Zwar finden sich hier und da kurze Formulierungen, in denen Hiob sich nicht besonders konstruktiv äußerte, doch verfehlt dies den viel wichtigeren Kernpunkt. Bei allem, was Hiob sagt, dreht sich alles um ihn selbst oder um sein Leiden. Hiob scheint sowohl auf Gott als auch auf seine mitleidslosen Ratgeber wütend zu sein, und er ist darauf bedacht, seine Gefühle zu rechtfertigen. Elifas gab in Hiob 5,8–17 einige gute Ratschläge, im Wesentlichen, zu Gott und seiner Herrlichkeit aufzublicken. Doch Hiob ignoriert diesen Teil von Elifaz’ Antwort völlig, um sich ausschließlich auf sich selbst zu konzentrieren. Hiob „war untadelig und rechtschaffen“ vor Gott (Hiob 1,1), aber warum? War Hiob untadelig und rechtschaffen zu seinem eigenen Vorteil, um Wohlstand für sich und seine Familie zu erlangen, oder bestand Hiobs vorrangige Motivation darin, Gott zu verherrlichen? Hiobs Reaktion zeigte, dass er Gott auch dann noch treu blieb, als ihm sein Wohlstand, seine Familie und seine Gesundheit genommen wurden. Doch war es wirklich Hiobs vorrangiges Ziel, Gott zu verherrlichen? In Hiob 6 scheint es, als hätte Hiob nicht daran gedacht, Gott zu verherrlichen; am Ende des Buches scheint dies jedoch der Fall zu sein.
F: Was lässt sich in Hiob 6,1–7,21 über Hiobs Reaktion sagen?
A: Menschen, die eine Katastrophe durchleben, durchlaufen oft verschiedene Phasen. Die erste Phase könnte „Verleugnung und Isolation“ sein, gefolgt von „Wut“, dann „Verhandeln“, anschließend „Depression“ und schließlich „Akzeptanz“. Diese Phasen wurden von Elisabeth Kübler-Ross bei unheilbar kranken Patienten beobachtet. Auch Colin Murray Parkes hat sich damit befasst und in seinem Buch *Bereavement* eine andere Liste erstellt. Seine Liste lautet: „Betäubung und Schock, dann Hinterfragen, Depression, Wut und schließlich Versöhnung.“
Ein Teil der Trauerbegleitung besteht darin, jemandem zur Seite zu stehen, während er seine eigenen Phasen durchläuft.
F: Wie wichtig ist es bei der Seelsorge, die Gefühle des anderen anzuerkennen, wenn man Hiob 6,1–7,21 betrachtet?
A: Sie sollten zeigen, dass Sie dem Gegenüber zuhören und zumindest einen Teil dessen, was er empfindet, nachvollziehen können – das heißt, wenn Sie möchten, dass er Ihnen zuhört. Manchmal, wie im Fall von Hiob, können Sie bestätigen, dass seine Gefühle natürlich sind und dass Sie keine Antwort darauf haben, warum gerade ihm diese Dinge widerfahren sind. Doch sofern Sie nicht genau dasselbe durchgemacht haben, versuchen Sie nicht, ihm zu sagen: „Ich weiß genau, wie Sie sich fühlen“, denn das tun Sie nicht.
In anderen Fällen kann es jedoch sein, dass jemand wissentlich etwas Böses getan hat und wütend auf Gott ist, weil er erwischt wurde. Sie können dennoch zeigen, dass Sie einiges von dem, was er empfindet, nachvollziehen können, und ihm wiedergeben, was er sagt, aber tun Sie dies so, dass er erkennt, dass die Folgen möglicherweise in seiner eigenen Verantwortung liegen. In gewisser Weise versuchten Hiobs Freunde genau das bei Hiob, nur dass sie versuchten, Hiobs Unglück auf eine bestimmte Sünde Hiobs zurückzuführen – und damit lagen sie falsch.
F: Was wird in Hiob 6,6 beschrieben?
A: Es besteht eine gewisse Ungewissheit, aber es handelt sich wahrscheinlich um das Eiweiß eines Eies. Alternativ könnte es sich um das Innere eines unbekannten Gemüses handeln.
Doch unabhängig vom Wort bedeutet dies hier, dass die Freuden des Lebens für Hiob nun ihren Reiz verloren haben.
F: Wie lässt sich Hiobs Reaktion in Hiob 6–7 zusammenfassen?
A: Hiob erklärt, seine unüberlegten Worte seien auf die große Qual zurückzuführen, die Gott ihm zugefügt habe. Er wünscht sich, Gott würde ihn jetzt töten, damit er zumindest sterben könne, ohne jemals die Worte Gottes geleugnet zu haben.
Hiob hat keine Hoffnung, keine verlässlichen Freunde, und deren Argumente haben bisher nichts bewiesen; daher fordert er sie auf, ihn zu belehren und ihm zu zeigen, wo er Unrecht hatte.
Kapitel 7 ist eine Betrachtung über die Menschen im Allgemeinen. Der Mensch kämpft um seine kurze Zeit auf Erden. Jede Nacht fragt sich Hiob, wann er wieder aufstehen wird, und jeder Tag vergeht schnell, ohne Hoffnung und ohne Sinn. Zumindest ist sein Leben kurz, denn so möchte er nicht lange leben.
Gott, warum kümmern Sie sich so sehr um den Menschen, dass Sie ihn jeden Augenblick prüfen und auf die Probe stellen? Sagen Sie mir, was ich falsch gemacht habe, und warum Sie mir nicht vergeben können, was auch immer ich Unbekanntes getan haben mag?
Wie seine Freunde geht auch Hiob davon aus, dass sein großes Leiden auf eine Sünde seinerseits zurückzuführen ist, doch Hiob kann nicht herausfinden, um welche Sünde es sich handelt.
Frage: Sollte es in Hiob 7,20 heißen: „Bin ich Ihnen zur Last geworden?“ (LXX) oder „Ich bin mir selbst zur Last geworden“ (MT)?
A: Es ist höchstwahrscheinlich die erste Variante, die Lesart der Septuaginta. An einigen Stellen im Buch Hiob scheint es, als hätten hebräische Schreiber den Sinn geglättet, damit Hiobs Zorn nicht blasphemisch wirkt.
F: Bedeutet das hebräische Wort in Hiob 7,6 „ohne Hoffnung“ oder „ohne Faden“?
A: Beides, denn es handelt sich um ein Wortspiel. Hiob vergleicht seine schnell vergehenden Tage mit dem Weberschiffchen eines Webers; das Weben endet, wenn der Faden ausgeht. Ibn Esra war ein früher jüdischer Schriftsteller, dem dieses Wortspiel auffiel.
F: Leugnen Hiob 7,9 und Hiob 14,12 eine leibliche Auferstehung?
A: Nein. In Hiob 7,9 sagt Hiob lediglich, dass alle, die sterben, nicht wieder zurückkehren. In Hiob 14,12 sagt er dasselbe, nur dass er es hier dahingehend einschränkt, dass die Menschen erst dann zurückkehren, wenn die Himmel nicht mehr sind.
Übrigens: Auch wenn die Bibel uns wahrheitsgemäß alles wiedergibt, was Hiob gesagt hat, ist nicht alles, was Hiob gesagt hat, notwendigerweise wahr. In Hiob 7,7 sagt Hiob beispielsweise, dass seine Augen niemals wieder Glück sehen werden.
F: In Hiob 6,14–27 hat Hiob das Gefühl, dass seine Freunde ihn im Stich gelassen haben, als sie kamen, um ihn zu trösten. Hatte Hiob Recht?
A: Hiobs Freunde hatten gute Absichten, aber in gewisser Weise haben sie ihn tatsächlich im Stich gelassen. Zwar nahmen sich seine Freunde die Zeit, zu ihm zu kommen, und saßen bei ihm, weil sie sich um ihn sorgten, doch sehen wir nicht, dass sie Hiobs Gefühle anerkannten oder ihn trösteten. Zu Elifaz’ Ehren muss gesagt werden, dass er Hiob in Hiob 5,8–16 tatsächlich nahelegte, sich an Gott zu wenden. Doch Hiob nahm diese Botschaft nicht wirklich auf, als Elifaz in Hiob 5,27 andeutete, dass Hiobs Leiden eine Züchtigung für seine Sünde seien.
Hiob 6,14–15 vergleicht seine Freunde mit einem Wadi, also einem saisonalen Bach, der während der Regenzeit voller Wasser ist, das vorbeirauscht, und dann in der Trockenzeit, wenn man es wirklich braucht, ausgetrocknet ist. Hiobs Reaktion mag angesichts der besonnenen Worte Eliphaz’ übertrieben erscheinen, doch ein Teil davon richtete sich gegen den Trost, den sie ihm NICHT gegeben hatten. Außerdem könnte ein großer Teil von Hiobs Wutausbruch auf seine allgemeine Verärgerung zurückzuführen sein.
F: Was steht wörtlich in Hiob 7,19?
A: Während einige Übersetzungen „auch nur für einen Augenblick“ wiedergeben, heißt es im Hebräischen wörtlich: „lange genug, um meinen Speichel zu schlucken“, was die BSB mit „meinen Speichel hinunterzuschlucken“ wiedergibt. Dieser umgangssprachliche Ausdruck wird auch heute noch im Arabischen verwendet.
F: In Hiob 7,20: Inwiefern ist Gott ein Beobachter der Menschen?
A: Dies ist ein Aspekt Gottes, der manchen Menschen zu schaffen macht. Ganz gleich, wie sehr Sie versuchen, allein zu sein – Gott wacht über Sie. Ein Freund von mir aus Festlandchina sagte, als er sich entschloss, Christ zu werden, dass er viel über folgende Frage nachgedacht habe: „Wenn es keinen Gott gäbe, warum sollte dann jemand gut sein, wenn niemand zusieht?“
F: In Hiob 8,1–10: Inwiefern ist Bildad hier kein guter Tröster?
A: Nach Hiobs Worten nimmt Bildad die Herausforderung an, auf Hiobs Worte zurückzuschlagen. Bildad hat dabei völlig vergessen, Hiob zu trösten, und beschlossen, dass sein Zweck darin bestand, Hiob zu tadeln. Leider beginnt Bildad seinen „Trost“ damit, dass er Hiob in Hiob 6,26 zustimmt, indem er dessen Worte als Geschwätz abtut. In Hiob 8,4 stellt Bildad als Tatsache fest, dass der Grund für den Tod von Hiobs Kindern zweifellos in deren Sünden liege; wenn Hiob jedoch unschuldig sei, werde er nicht sterben. Stellen Sie sich vor, wie jemand, der sein Bestes für seine Kinder getan hat und der den Anschein erweckte, an einer unheilbaren, tödlichen Krankheit zu leiden, dies aufnehmen würde.
Nebenbei bemerkt sollten Sie zuversichtlich sein, dass Sie unter der Führung des Heiligen Geistes einen Dienst ausüben können, der den Verletzten und Sterbenden Trost spendet. Sie könnten es mit Sicherheit besser machen als diese Männer! Vielleicht wird Bildad daraus lernen und seine nächsten Reden werden besser werden, oder vielleicht auch nicht – wir werden sehen.
F: Was ist in Hiob 8 der Kern von Bildads Argumentation?
A: Das Leben ist niemals willkürlich; können Schilfpflanzen ohne Wasser gedeihen? Es ist ganz einfach: Wenn man die Heilige Schrift sowie Ursache und Wirkung betrachtet, kann man alles verstehen. Man kann die Auswirkungen betrachten und daraus die Ursache ableiten; genauso wie man den Papyrus sieht und weiß, dass es dort einen Sumpf gibt. Bildad ist empört darüber, dass Hiob das nicht erkennen kann und stattdessen Gott die Schuld gibt.
Zum Beispiel ging Bildad davon aus, dass Hiobs Kinder gesündigt hätten und Gott sie deshalb getötet habe.
Gott verzerrt die Gerechtigkeit nicht.
Gott bestraft Sünder, hilft aber den Gerechten.
Wäre Hiob wirklich rechtschaffen, würde Gott ihm helfen.
Da Gott ihm derzeit nicht hilft, ist Hiob nicht rechtschaffen.
Deshalb, Hiob, müssen Sie umkehren und alles bereuen, was Sie falsch gemacht haben.
Bildad hörte zwar mit seinen Ohren, doch er hörte nicht mit seinem Herzen, wie die Herzlosigkeit seiner Antwort zeigt.
Frage: Wie würden Sie in Hiob 8 kurz auf Bildads Argumentation antworten?
A: Das Leben unter der Sonne ist nicht immer gerecht und wird es auch erst nach dem Tod sein. Wie es im Keil-Delitzsch-Kommentar zum Alten Testament auf Seite 141 heißt: „Es ist wahr, dass nichts, was Gott dem Menschen schickt, aus Ungerechtigkeit hervorgeht, aber es ist nicht wahr, dass alles, was Er ihm schickt, aus Seiner Gerechtigkeit stammt.“
F: Was ist der zentrale Punkt in Hiob 8–10?
A: Es hat keinen Sinn, zu versuchen, sich zu verteidigen, „vor Gericht zu gehen“ und Gott zu fragen, warum Er etwas zugelassen hat. Wir wissen nichts über die Vergangenheit anderer Menschen. Wir haben keinen klaren Überblick über alle Dinge in der Gegenwart. Und wir wissen sicherlich nicht viel über die Zukunft oder darüber, was hätte sein können. Hiob war zunächst bestrebt, mit Gott zu streiten und Ihm seine Argumente bezüglich Gottes Widersprüchlichkeit vorzutragen. Doch schließlich erkennt auch Hiob, dass es sinnlos ist, mit Gott zu streiten; wir werden die Antwort vielleicht nicht erfahren, solange wir auf dieser Erde leben. Zu dieser Erkenntnis zu gelangen, ist ein wichtiger Schritt für Hiob.
F: Wie lässt sich Hiobs Reaktion in Hiob 9–10 zusammenfassen?
A: Hier ist eine Zusammenfassung in fünf Punkten.
1. Gottes Wege sind so unermesslich und Seine Weisheit so groß, dass es für Hiob keinen Sinn macht, irgendetwas in Frage zu stellen, was Er tut. Gott könnte Hiob vernichten, wenn er sich zu Wort meldet; daher wird er schweigen.
2. Selbst wenn Gott einen völlig unschuldigen Menschen zu Unrecht bestrafen würde, hätte es keinen Sinn, dies vor Gott (oder vor Hiobs Freunden) zu erörtern.
3. (Und hier nahm Hiobs Haltung eine unschöne Wendung:) Hiob wünscht sich, es gäbe einen Dritten, der zwischen ihm und Gott schlichten könnte, denn Gott spricht Menschen schuldig, ohne dass es ein Berufungsrecht gibt, ohne Rechenschaftspflicht und ohne dass der Schuldige überhaupt weiß, was er falsch gemacht hat.
4. Am schlimmsten ist jedoch, dass Gott einen völlig Unschuldigen für schuldig erklären kann, und niemand darf sagen, Gott sei ungerecht. Hiob sagt: „Ich bin untadelig und nicht schuldig!“ (Hiob 9,21; 10,6.7.14)
5. Hiob verabscheut sein Leben unter einem ungerechten Gott. Eine Frage lässt Hiob jedoch nach wie vor nicht los: Warum hat Gott sich so große Mühe gegeben, ihn zu erschaffen, und ihm solche Güte erwiesen, wenn es doch von Anfang an in Gottes Herzen lag, seinen untadeligen Diener zu verfolgen?
Zusammenfassend lässt sich sagen: Gerechtigkeit, die sich Hiobs Verständnis entzieht, ist für Hiob Ungerechtigkeit. Wir sollten jedoch sorgfältig unterscheiden zwischen der Aussage „Wir verstehen es jetzt nicht, also werden wir es niemals verstehen, weil wir es nicht verstehen können, da es keine Gerechtigkeit gibt, die wir verstehen könnten“ und der Aussage „Wir verstehen es jetzt nicht, weil wir noch keinen Überblick über das Gesamtbild haben, den wir in diesem Leben vielleicht gar nicht erlangen werden.“ Tatsächlich erkannte Hiob am Ende des Buches Hiob einen Umriss des Gesamtbildes.
F: Was zeichnet die Passage in Hiob 9,5–10 besonders aus?
A: Möglicherweise handelte es sich hierbei um Worte, die Hiob hier zum ersten Mal verwendete, oder aber um ein bereits bestehendes Loblied, das beide kannten.
F: Wie würden Sie sich in Hiob 9,17; 10,2–3 fühlen, wenn jemand ohne Grund wütend auf Sie zu sein scheint?
A: Sie würden möglicherweise verschiedene Phasen durchlaufen, und dies kann in gewisser Weise dem Trauerprozess ähneln. Zunächst könnten Sie denken, dass die andere Person vielleicht einen guten Grund hat, den Sie jedoch noch nicht erkannt haben. Sobald Sie jedoch zu dem Schluss kommen, dass dies nicht zutrifft, würden Sie möglicherweise überlegen, ob es noch andere äußere Faktoren gibt. Drittens könnten Sie die „Unparteilichkeit“ der Person in Frage stellen, die wütend auf Sie ist. Schließlich könnten Sie an einen Punkt gelangen, an dem es Ihnen egal ist, weil Sie zu dem Schluss kommen, dass es unmöglich zu erkennen ist, warum die Person wütend ist, und dass Sie nicht wissen, was Sie dagegen tun können.
F: Warum sind manche Menschen in Hiob 9,18 anderen gegenüber, dem Leben gegenüber oder Gott gegenüber verbittert?
A: Bitterkeit ist ein chronischer Groll. Sie kann eines oder mehrere der folgenden Gefühle umfassen: Traurigkeit, Wut, Ekel und Enttäuschung. Verbitterte Menschen neigen dazu, häufiger Meinungsverschiedenheiten zu haben und schlechtere Beziehungen zu anderen zu pflegen. Ein verbitterter Mensch hat das Gefühl, ungerechtfertigt zu leiden – vielleicht wegen etwas, das er nicht getan hat, von dem er glaubt, es nicht getan zu haben, oder wegen etwas, von dem er weiß, dass er es getan hat, bei dem er jedoch der Meinung ist, die Strafe dürfe nicht so streng ausfallen. Er klammert sich an zwei Dinge: Er wird ungerecht behandelt, und das Leben sowie andere Menschen sollten gerecht sein. Es ist wahr, dass andere Menschen gerecht sein sollten, und oft sind sie es nicht. Ebenso sollten wir unser Bestes tun, um andere gerecht zu behandeln. Doch das Leben und andere Menschen behandeln uns nicht fair, und wenn unser Denken „in diesem Leben feststeckt“, können wir selbst als Gläubige verbittert werden. Unser Denken sollte jedoch nicht auf dieses Leben gerichtet sein, sondern auf himmlische Dinge (Philipper 3,19–20), und in Epheser 4,31 sowie Hebräer 12,15 wird uns geboten, jegliche Bitterkeit abzulegen. Das bedeutet mindestens zwei Dinge. Erstens: Finden Sie jeden Ort in Ihrem Herzen, an dem sich Bitterkeit verstecken könnte. Zweitens: Beten Sie darum, sie loszuwerden, und vergeben Sie den Menschen – einschließlich sich selbst. Vergeben Sie anderen, auch wenn sie keine Reue zeigen und Sie nicht um Vergebung gebeten haben. Bitterkeit ist wie das Trinken von Gift in der Hoffnung, dass es dem anderen wehtut. Vergeben ist etwas, das Sie auch um Ihrer selbst willen tun, nicht nur um des anderen willen.
F: Was sagt Hiob in Hiob 9,30 über das „Waschen“?
A: In einigen Übersetzungen heißt es, man werde mit „Schneewasser“ gewaschen. M. H. Pope zeigt jedoch in seinem Werk „Hiob“ (Anchor Bible, Band 15), S. 75, dass „seleg“ „Seife“ bedeutet und nicht „Schnee“.
F: Warum äußert sich Hiob in Hiob 9,21–24 hier so extrem?
A: Das sind keine guten Worte. Aber manchmal, wenn ein Mensch depressiv und verzweifelt ist, sagt er vielleicht unüberlegte Dinge.
F: In Hiob 9,25–31: Inwiefern beschreiben ein Läufer, schnelle Schiffe und Adler unser Leben auf Erden?
A: Hiob sagt damit, dass keiner von uns ohnehin wirklich viel Zeit auf Erden hat. Indem er die drei Gleichnisse eines Läufers, von Schiffen und eines Adlers verwendet, vergleicht er drei der schnellsten Wesen zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Das Wort für „Adler“ kann hier einen Adler, einen Geier, einen Falken oder einen Habicht bezeichnen. Wanderfalken können Geschwindigkeiten von 186 Meilen pro Stunde (300 km/h) erreichen. Der einzige kleine Trost, den Hiob hier sieht, besteht also darin, dass sein Leben ohnehin nicht sehr lange dauern würde.
F: Welche Hoffnungslosigkeit kommt in Hiob 9,29 zum Ausdruck?
A: Hiob fragt ironischerweise, welchen Sinn es hat, Gutes zu tun, wenn es Gott gleichgültig ist und er ihn bereits verurteilt hat. Auch heute empfinden manche Menschen so. Da sie bereits Böses getan haben, glauben sie, dass es für sie zu spät ist und Gott ihnen niemals vergeben wird.
F: Was räumt Hiob in Hiob 10,1–7 hier ein?
A: In Hiob 9,2 sagt Hiob, dass zumindest ein Teil dessen, was Bildad sagt, wahr ist. Hiob scheint sich allmählich von Elifas und Bildad überzeugen zu lassen. Er beginnt, an seinem Leben zu zweifeln und zu glauben, dass seine Unglücksfälle zeigen, dass er vor Gott gottlos ist. Dennoch kann Hiob nicht verstehen, wie das sein kann.
F: Was könnten Sie in Hiob 10,18–22 zu jemandem sagen, der sich gefangen und hoffnungslos fühlt?
A: Diese Person muss zumindest einen Funken Hoffnung erkennen. Bildad hat trotz all seiner Fehler dennoch den Nagel auf den Kopf getroffen, als er in Hiob 8,21 voraussagte, dass Gott „deinen Mund noch mit Lachen erfüllen wird“.
F: Was für ein Mensch war Zophar Ihrer Meinung nach in Hiob 11,1–20?
A: Zophar sprach als Letzter; wahrscheinlich war er der Jüngste der drei und daher der Härteste. Wie Bildad ist auch Zophar Hiob gegenüber nicht besonders höflich. Doch während Bildad glaubt, dass alles leicht zu durchschauen sei, ist Zophar anders; er sagt, es gebe vieles, was wir über Gott nicht wissen. Zophar vertritt seine Ansichten dogmatisch und hat keinerlei Mitgefühl für Hiob. Zophar stellt niemals in Frage, ob Hiob sich einer großen Sünde schuldig gemacht hat oder nicht; das ist eine Selbstverständlichkeit, von der Zophar einfach ausgeht. Wie kann Hiob es wagen, etwas anderes zu behaupten!
Elifas untermauerte seine Aussagen mit seinen Beobachtungen. Bildad untermauerte seine Aussagen mit historischen Beispielen. Zophar untermauerte seine Aussagen überhaupt nicht.
Frage: Könnte ein Christ heute – oder sogar wir selbst – in Hiob 11,1–20 jemals ein unbeabsichtigter Gegner Gottes sein?
A: Zophar ist die männliche Form des weiblichen Namens Zippora. Sowohl Zophar als auch Zippora, die Frau des Mose, waren Gläubige, die unbeabsichtigt Gegner Gottes waren. Petrus widersetzte sich in Matthäus 16,22–23 unbeabsichtigt Gott und wurde von Satan dazu benutzt, Jesus in Versuchung zu führen. Wenn Petrus dies sein konnte, dann können wir es auch. Wenn wir glauben, wir müssten Gott sagen, dass Er etwas tun muss, dann befinden wir uns auf sehr unsicherem Boden. Man könnte argumentieren, dass Petrus zu jener Zeit nicht vom Heiligen Geist erfüllt war, doch heute können Christen sich dafür entscheiden, ohne Gebet zu handeln oder nicht auf Gott zu hören. Sollten Sie sich Ihrer Worte und Taten jemals so sicher sein, dass Sie meinen, Sie müssten sie nicht mit der Heiligen Schrift abgleichen, könnten Sie ein unbeabsichtigter Gegner Gottes sein. Doch die gute Nachricht ist: Für Petrus, die Freunde Hiobs und für uns Christen gilt: Wenn wir Gott nachfolgen, die Bibel lesen und beten, kann Gott uns korrigieren.
F: Was ist in Hiob 11,1–20 der Kern von Zophars Argumentation?
A: Zophar ging nicht auf Hiobs Argumente ein. Vielmehr brachte er eine strengere Botschaft zum Ausdruck: „Wir können die Geheimnisse Gottes nicht ergründen, also wenden Sie sich einfach an Gott, tun Sie Buße und denken Sie nicht weiter darüber nach.“ Konkret sagte Zophar in scharfen Worten:
1. Hiob, Sie sollten dafür getadelt werden, dass Sie so etwas über Gott sagen.
2. Du sagst Gott, du seist untadelig, aber wer kann schon wirklich etwas über Gott oder Seine Gerechtigkeit wissen?
3. Erforschen Sie also Ihr Gewissen, widmen Sie sich Gott und legen Sie Ihre [nicht näher bezeichnete] Sünde ab.
4. Dann wird Gott Sie retten, anstatt Sie wie die Gottlosen fallen zu lassen.
Zophar und Hiob sind sich einig, dass wir nichts über Gott wissen können und dass Gott die Gottlosen bestraft und die Gerechten belohnt. Doch Zophar verlangt von Hiob, dass er seine eigene Gottlosigkeit eingesteht.
F: Wie sprechen Sie in Hiob 11 mit jemandem, der Ihnen widerspricht, weil er von einer falschen Annahme ausgeht, die er nicht hinterfragen will?
A: Das kann schwierig sein, aber vielleicht können Sie die Person zumindest dazu bringen, sich bewusst zu machen, dass es einen Punkt gibt, den sie nicht hinterfragt, während andere dies tun. Es gibt mindestens vier Ansätze, die Sie anwenden können. Die letzten drei sind wie „Bumerangs“: Man fragt nach jemand anderem, und dann kommt es auf die Person selbst zurück.
a) Rein hypothetisch: Einmal unterhielt ich mich mit einem Hausleiter in Reverend Moons Vereinigungskirche, und nachdem wir verschiedene Dinge besprochen hatten, fragte ich ihn: „Rein hypothetisch: Wenn Sie wüssten, dass Reverend Moon nicht wirklich von Gott stammt, was würden Sie tun? Würden Sie gehen oder bleiben?“ Nachdem ich ihn ein paar Mal behutsam an die Frage erinnert hatte, sagte er schließlich: „Es ist unehrenhaft und respektlos, Reverend Moon überhaupt in Frage zu stellen.“ Dann bat er mich zu gehen und erklärte, ich sei nicht mehr willkommen. Diese Frage machte unter anderem deutlich, dass die Barriere nicht intellektueller Natur war, sondern eine Frage des Willens. Ich habe anderen Menschen ähnliche Fragen gestellt, und manchmal stellen sie mir dieselbe Frage zurück. Ich antworte dann, dass ich weiß, dass Jesus wirklich von Gott kommt, aber rein hypothetisch gesprochen: Wenn ich herausfinden würde, dass dies nicht wahr ist, würde ich der Wahrheit folgen, komme, was wolle.
b) Eine hypothetische Situation, wie sie Nathan gegenüber David in 2. Samuel 12,1–13 darlegte, als er einen hypothetischen Rechtsfall vorbrachte.
c) Ein weiterer Ansatz besteht darin, einen „hypothetischen Beobachter“ heranzuziehen. Wenn jemand nicht einmal bereit ist, die Möglichkeit einzuräumen, dass er sich irren könnte, fragen Sie ihn, wie ein unbeteiligter Beobachter seine Antwort beurteilen würde.
d) Fragen Sie sie, wie man jemanden dazu bringen kann, einzusehen, dass er sich irren könnte. Das ist etwas schwer zu erklären, daher hier ein Beispiel mit einem Buddhisten und einem Muslim – dies ließe sich jedoch mit zwei beliebigen Religionen veranschaulichen. Nehmen wir an, ein Buddhist ist nicht wirklich bereit, in Betracht zu ziehen, dass der Buddhismus falsch sein könnte. Sie könnten ihn fragen: Wenn er einem Muslim begegnen würde, der der Meinung ist, der Dschihad sei eine gute Sache, dem immer beigebracht wurde, dass Frauen weniger intelligent seien als Männer und ihre Aussage vor Gericht nur halb so viel wie die eines Mannes zähle, und dass es in Ordnung sei, Frauen zu vergewaltigen, die man im Kampf gefangen genommen hat – fragen Sie den Buddhisten, was er dem Muslim sagen könnte, um ihm zu zeigen, dass diese Ansichten falsch sind. Gehen Sie auf seine Antwort ein und erwähnen Sie, dass der Muslim diese Dinge sein ganzes Leben lang gelernt habe und niemand, den er respektiere, diese Dinge jemals in Frage gestellt habe. Weisen Sie nach einer Weile darauf hin, dass nicht nur ein Muslim an falsche Dinge glauben könnte, ohne sie jemals zu hinterfragen; auch ein Buddhist oder sogar ein Christ könnte dies potenziell tun. Woher würden Sie wissen, dass Sie nicht selbst an einige sehr falsche Dinge glauben, nur weil Sie noch nie etwas anderes gehört haben? Seien Sie jedoch darauf vorbereitet, dass man Ihnen dieselbe Frage stellt (was durchaus berechtigt ist). Sie können aus der Apologetik und Ihrem persönlichen Zeugnis heraus antworten. Stellen Sie dann unbedingt noch einmal die Frage.
In diesem konkreten Fall hätte Hiob Zophar fragen können: „Halten Sie es für möglich, dass einem Menschen etwas Schlimmes widerfahren könnte, ohne dass dies eine direkte Folge seiner Sünde ist? Würden Sie das Eltern sagen, die ein Kind verloren haben, jedem einzelnen älteren Menschen, der gesundheitliche Probleme hat, oder jemandem, dessen Angehörige an einer Hungersnot gestorben sind – insbesondere, wenn Sie diesen Menschen hätten helfen können, anstatt anderen zu helfen?“ Wenn Ihnen also jemals etwas Schlimmes widerfährt oder Ihrer Familie, kann ich mit Sicherheit wissen, dass es an Ihrer eigenen Sünde oder der ihrer Angehörigen liegt – ist das richtig? Vielleicht funktioniert Gott so nicht. Vielleicht lässt Gott zu, dass Seinem gehorsamen Volk ungerechtfertigterweise Schlimmes widerfährt, und Gott wird uns im Himmel viel mehr geben, als wir jemals verloren haben.
F: Hat Gott in Hiob 11,6 wirklich einige unserer Sünden vergessen, wie Zophar sagte?
A: Nein. Nicht alles, was Hiobs Freunde sagten, ist zwangsläufig richtig. Zophar hat in seiner Antwort zu stark vereinfacht, genauso wie er in seiner Analyse zu stark vereinfacht und voreilige Schlüsse gezogen hat. Zophar drückte poetisch aus, dass Gott Hiob nicht so streng bestrafte, wie Hiob es verdient hätte. Tatsächlich wurde Hiob am Ende des Buches Hiob aufgefordert, ein Opfer für seine Freunde zu bringen, um deren falsche Worte zu sühnen. Zophar hat in einer stark vereinfachten Weise Recht. Gott weiß alles, daher vergisst Er die Tatsachen nicht. Gott wird jede Sünde bestrafen, doch Er hat alle vergebenen Sünden bestraft, indem Er Jesus die Strafe am Kreuz auf sich nehmen ließ. Zophar hat jedoch Recht damit, dass für diejenigen, deren Sünden vergeben sind, „so weit der Osten vom Westen entfernt ist, so weit hat Er unsere Übertretungen von uns entfernt.“ (Psalm 103,12).
F: Können Menschen in Hiob 11,7–8 Gott erkennen?
A: Ja und nein, wenn man es richtig versteht. Auch wenn Zophar nicht in allem, was er sagte, Recht hatte, war seine Ansicht über das Erkennen Gottes im Wesentlichen richtig. Zophar selbst behauptet implizit, vieles über Gott zu wissen, wenn man all das betrachtet, was er über Gott aussagte. Dennoch erkannte Zophar, dass er nicht alles über Gott wusste und auch nicht alles wissen konnte. Er sagt, wir sollten nicht so tun, als könnten wir alles über Gott wissen, wie zum Beispiel Seine Geheimnisse und die Tiefen des göttlichen Wissens.
Jede Theologie, die behauptet, Gott sei ein einziges Geheimnis oder gänzlich unerkennbar, liegt daneben. Ebenso hat jede Theologie, die behauptet, Gott habe kein Geheimnis und könne mit unserem begrenzten, sterblichen Verstand vollständig erfasst werden, einen Gott, der zu klein ist.
F: Was ist Hiobs Kernaussage in Hiob 12–14?
A: Dies ist Hiobs zweitlängste Rede. Hiob sagt im Grunde: Setzen Sie mich nicht herab, indem Sie versuchen, mir etwas beizubringen, was ich bereits erkenne. Weisheit und Macht gehören Gott, der über die Natur, die Menschen und die Völker steht. Warum gerade ich? Ich, Hiob, ein gottesfürchtiger Mensch, bin zur Lachnummer geworden, und Gott hat dies getan, während Gott die Plünderer ungestört lässt. Gott besitzt Weisheit und Macht über Tiere, Menschen, die Natur und die Völker.
Ich wünschte, ich könnte meine Sache vor Gott vertreten, denn Sie alle sind wertlos. Ich weiß, dass ich mein Handeln verteidigen könnte. Ich würde Gott bitten, aufzuhören, mir Angst einzujagen, und mir zu zeigen, was ich – wenn überhaupt – falsch gemacht habe. Unser Leben ist so kurz, und anders als eine Pflanze leben und sterben wir nur einmal. So wie die Dinge stehen, wünschte ich mir, Gott würde sich beeilen und mich töten.
F: Wie antwortete Gott Hiob in Hiob 12,4?
A: Gott antwortete Hiob nicht in diesem Moment, sondern Er hatte Hiob bereits geantwortet, bevor all diese Unglücksfälle eintraten. Er hatte Hiob gelehrt, dass er, was auch immer in diesem Leben geschieht, auf Gott vertrauen solle, der ewiges Leben schenkt.
F: Wie tragen manche Menschen in Hiob 12,6 ihren Gott in ihren Händen?
A: Dieser Ausdruck beschreibt treffend Menschen, die ein Götzenbild anbeten, das ihre eigenen Hände tragen können. Auch heute verehren Menschen im Westen Götter, die sie tragen können, wenn sie Geld, materielle Dinge und sich selbst anbeten.
F: Was ist Hiobs Kernaussage in Hiob 12,13–25?
A: Während Hiobs Freunde behaupten, so weise zu sein, und Hiob sagt, er sei ebenso weise wie sie (Hiob 12,3), ist letztlich niemand im Vergleich zu Gott weise. Hiob 12,13–25 betont zudem, dass auch niemand im Vergleich zu Gott mächtig ist.
F: In Hiob 13,4–5 konnten Hiobs Freunde ihm keine große Sünde vorwerfen, dennoch taten sie alle so, als hätten sie es getan, um ihre Weltanschauung zu untermauern. Wie könnten Menschen heute Dinge erfinden, für die es keine Grundlage gibt, um ihre Weltanschauung zu stützen?
A: Man erkennt, wann dies geschieht, wenn man einfach fragt: „Zeigen Sie mir Ihre Beweise.“ Für gefallene Menschen ist es viel zu leicht, von „Ich wünschte, das wäre wahr“ über „Es ist wahrscheinlich wahr“ zu „Ich weiß, dass das wahr ist“ zu gelangen. Dies kann in jedem Kontext geschehen, auch in Politik und Religion. Ein Grund dafür ist, wenn es für einen selbst wichtiger wird, die „Erzählung“ der Schlussfolgerungen zu stützen, die man bei jemandem erreichen möchte, als die Frage: „Was ist die wahre Wahrheit?“
F: Sollte der hebräische Text in Hiob 13,15 mit „Ich werde auf ihn hoffen“ oder mit „Ich habe keine Hoffnung“ übersetzt werden?
A: Die hebräischen Wörter lassen sich in beide Richtungen übersetzen. Die Antwort hängt davon ab, ob man zu dem Schluss kommt, dass Hiob hier optimistisch oder pessimistisch ist. Die Mehrdeutigkeit liegt in dem hebräischen Wort, das mit „warten“, „zögern“ oder „zittern“ übersetzt werden kann. Da das Wort in beide Richtungen ausgelegt werden kann, muss man den Kontext betrachten, und der Kontext ist hier das Ende von Hiobs zweitlängster Rede. Da Hiob sagt, dass er weiß, dass er am Ende als gerechter Anhänger Gottes gerechtfertigt werden wird, lautet die Übersetzung „Ich werde auf ihn hoffen“, denn dies drückt Hiobs Glauben aus, nicht seinen Zweifel.
F: Wann sollten wir Gott in Hiob 13,23 bitten, uns unsere Sünden zu zeigen?
A: Es ist lobenswert, dass Hiob zumindest endlich dazu kommt, Gott zu bitten, ihm seine Sünden zu zeigen, die möglicherweise der Grund dafür sind, dass er so schwer bestraft wird. Wir müssen nicht warten, bis uns so etwas widerfährt; wir können und sollten Gott bitten, uns unsere verborgenen Fehler und Sünden zu zeigen. Sie sind vor Gott nicht verborgen, und vielleicht sind sie auch vor anderen nicht verborgen, aber sie können vor uns verborgen sein.
F: Leugnet Hiob in Hiob 14,13–22 ein Leben nach dem Tod?
A: Hiob wirft in Hiob 14 die Frage nach einem Leben nach dem Tod auf, beantwortet sie aber anschließend selbst. Hiob bejaht ein Leben nach dem Tod aus mindestens vier Gründen.
1. Hätte Hiob in Hiob 14,16–17 keine Sorge darüber, dass Gott seine Sünden verdeckt, wenn seine Sünden ohnehin verschwunden wären, sobald er gestorben wäre, da er dann nicht mehr da wäre.
2. In Hiob 14,13 heißt es, dass Hiob im Grab verborgen bleiben möchte, bis Gottes Zorn vorüber ist.
3. In Hiob 13,15 zeigt Hiob die Zuversicht, dass er gerechtfertigt vor Gott stehen wird, selbst wenn dies erst nach seinem Tod geschieht. Weitere Informationen finden Sie in der Erörterung zu Hiob 13,15.
4. Im gesamten Buch Hiob wird Hiob als ein Mann dargestellt, der langfristig denkt, und nicht als jemand, der nur an dieses irdische Leben denkt.
So heißt es beispielsweise in Hiob 19,26–27, dass er selbst dann, wenn seine Haut zerfällt, weiß, dass er Gott sehen wird.
F: Was lässt sich in Hiob 15 über diesen zweiten Zyklus aus drei Reden und drei Antworten Hiobs sagen?
A: Zwar haben sich die Ansichten der drei sogenannten Tröster ebenso wenig geändert wie die von Hiob, doch es ist eine Verhärtung ihrer Standpunkte und eine Verhärtung der Haltung Hiobs zu beobachten. Elifas ist weitaus weniger höflich als in seiner ersten Rede, aber er ist immer noch höflicher als die beiden anderen.
F: Wie lässt sich die Rede des Elifas in Hiob 15 kurz zusammenfassen?
A: Elifas beginnt hier mit einem stichhaltigen Argument. Er sagt Hiob, dass seine bitteren Antworten eines weisen Mannes Gottes unwürdig seien. Es sei in Ordnung, zu antworten und seine Gefühle zu äußern, doch solle man mit nützlichen Worten sprechen, nicht mit leeren Worten, die nichts bewirken. Die Rede besteht aus drei Hauptteilen.
(15:1–13) Hören Sie, Hiob, Sie sind weise, also beurteilen Sie Ihre eigenen Worte. Ihre sündigen Worte sind nicht nur nutzlos, sondern untergraben auch die Frömmigkeit, wenn Sie behaupten, mehr zu wissen als Gott, und gegen Gott toben, anstatt Trost in Ihm zu finden. Sie behaupten, gerechter zu sein als Gott.
(15:14–16) Da nichts im Universum im Vergleich zu Gott heilig ist, steht es Ihnen nicht zu, zu versuchen, sich zu rechtfertigen. Da die Menschen böse sind, schweigen Sie einfach, hören Sie auf zu hinterfragen und akzeptieren Sie Ihren Zustand als unvermeidliche Folge von Gottes geheimnisvoller Gerechtigkeit.
(15:17-35) Die Gottlosen werden mit Sicherheit bestraft werden. Auch wenn sie jetzt reich und wohlgenährt sein mögen, wird ihr Untergang kommen.
F: In Hiob 15,7–8: Inwiefern glauben Nichtchristen manchmal, sie seien weiser als Gott?
A: Manche Muslime halten es für lächerlich, dass Christen die andere Wange hinhalten sollen. Objektivisten sagen, es sei töricht, Fremden selbstlos zu helfen. Die Gierigen halten es für altmodisch, zu versuchen, das Geld nicht zu lieben. Ein Mormone sagte mir einmal, er glaube, dass Gott bei der Schöpfung vieler Dinge viele Fehler gemacht habe; und wenn er selbst einmal ein Gott werde, werde er es besser machen.
F: In Hiob 15,7–8: Inwiefern glauben Christen manchmal, sie seien weiser als Gott, ohne dies ausdrücklich zu sagen?
A: Wenn Gott etwas gebietet und wir Gott und anderen sagen, dass wir einen besseren Weg kennen. Wenn wir keinen Grund für Gottes Gebot erkennen und im Grunde sagen, dass wir Gottes Anweisungen nur dann befolgen werden, wenn wir den Grund dafür erkennen. In 1. Timotheus 2,11–12 heißt es beispielsweise, dass eine Frau nicht lehren oder Autorität über einen Mann ausüben soll. Es geht nicht darum, dass eine Frau keine gottesfürchtige und weise Führungspersönlichkeit sein kann, wie es die Richterin Debora war; vielmehr liegt der Grund letztendlich darin, dass Gott es so will. Wir können vergeblich über die Gründe diskutieren, warum Gott dies so gewollt hat, oder versuchen, alles aus der Perspektive des allwissenden Gottes zu betrachten, doch die eigentliche Frage, die wir uns stellen sollten, lautet: Wenn der Herr uns auffordert, etwas zu tun, das im Einklang mit Seinen früheren Aussagen steht, und wir den Grund dafür nicht verstehen – werden wir dann trotzdem gehorchen oder nicht?
F: In Hiob 15,16: Auf welche Weise trinken Menschen Ungerechtigkeit wie Wasser, oder trinken sie Spott wie Wasser in Hiob 34,7?
A: So wie wir das Gefühl haben, Wasser zum Leben zu brauchen, verspürt ein böser Mensch den Durst nach seinem Bösen, um zu leben, weil er davon abhängig ist. So wie wir Freude am Trinken haben, wird manches Böse nicht aus einer vermeintlichen Notwendigkeit heraus begangen, sondern weil es ihnen Freude bereitet. Böse Menschen „trinken Wasser in Hülle und Fülle“, weil sie glauben, Gott beobachte sie nicht oder wisse nicht, was sie tun, wie es in Psalm 73,10–11 heißt.
F: Welche besseren Möglichkeiten gibt es, jemandem in Hiob 15,1–35 Rat zu erteilen?
A: Hier ein Zitat von Martyn Lloyd-Jones: „Ich erinnere mich an den Fall einer Dame, die eine dieser Phasen der Trockenheit und geistlichen Dürre durchlebte und sich in großer Not befand. Es handelte sich zum Teil um körperliche Beschwerden, und viele ihrer Freunde hatten sie aufgesucht – darunter auch einige Prediger des Wortes –, und sie alle hatten ihr auf dieselbe Weise zugesprochen. Sie alle versuchten, sie aufzurütteln, sprachen alle auf theoretische Weise zu ihr und sagten, dass Gefühle keine Rolle spielten, dass in der Tat nichts zähle außer der Wahrheit der Rechtfertigung durch den Glauben. Sie wusste das genauso gut wie sie, ja sogar besser als viele von ihnen, doch das half ihr nicht, denn ihr Problem bestand darin, dass sie die Seligkeit nicht mehr kannte, die sie einst erfahren hatte. „Wo ist die Glückseligkeit, die ich empfand, als ich den Herrn zum ersten Mal sah?“ Das war ihr Zustand, der Zustand, den der Dichter William Cowper beschrieb.
Der Rat ihrer Freunde half ihr nicht, denn es hilft solchen Menschen niemals, wenn man ihnen sagt, sie sollen sich zusammenreißen und sich aufraffen. Genau das können sie nun einmal nicht … Der Weg, einem solchen Menschen zu helfen – so wie der bestimmten Person, von der ich spreche, geholfen wurde –, besteht darin, zu sagen: „Ach ja, wissen Sie, es gibt solche Phasen im Leben der Heiligen. Manchmal verbirgt Gott aus seinen eigenen unergründlichen Gründen sein Antlitz vor uns.“ Sie sah mich erstaunt an und fragte: „Ist das wahr?“ „Natürlich ist es wahr“, antwortete ich und führte ihr daraufhin zahlreiche Beispiele und Veranschaulichungen dafür an. Sofort war ihr Problem gelöst, denn nun hatte sie eine Erklärung …“ M. Lloyd-Jones, Römer: Eine Auslegung der Kapitel 8,17–39: Die endgültige Beharrlichkeit der Heiligen (Banner of Truth, 1975, S. 176), zitiert aus David Atkinsons „The Message of Job“, S. 47–48.
F: Was sagt Elifas hier in Hiob 15,21.34?
A: Elifas hatte zuvor in allgemeinen Begriffen gesprochen, doch es schien, als hätte Hiob die Botschaft nicht verstanden. Daher wird Elifas nun konkreter. Er erklärt in Hiob 15,21 (vgl. Hiob 1,17), dass der Zerstörer plötzlich über den Gottlosen hereinbricht und ihm mitten in seinem Wohlstand seinen Besitz wegnimmt. Sabäer und Chaldäer fielen plötzlich über seine Herden und Viehbestände her. In Hiob 15,28 (vgl. Hiob 1,19) stürzen Häuser ein oder fallen zusammen. Daher muss Hiob ein Gottloser sein. In Hiob 15,30.34 heißt es, dass Feuer den Gottlosen verzehrt, wie bereits in Hiob 1,16 beschrieben. In Hiob 15,34 wird gesagt, dass der Gottlose unfruchtbar sein wird; daher hat Hiob seine Kinder verloren.
F: Wie kommen manche Menschen, wie beispielsweise Elifas, in Hiob 15,27–31 zu der Annahme, dass jemand, der Geld besitzt, böse ist, weil er auf seinen Reichtum vertraut?
A: Es ist zwar falsch, auf Geld zu vertrauen, doch nicht alle reichen Menschen vertrauen auf ihren Reichtum. Die Tatsache, dass sie Unglück erlitten haben, ist kein Beweis dafür, dass sie unter Gottes Züchtigung oder Gericht stehen, weil sie auf Geld vertrauen. Es ist allzu leicht für Menschen, so zu tun, als wüssten sie genau, was Gott denkt, wie Gott wirkt und somit, wie man andere beurteilen soll. Ein wichtiger Punkt, den Sie aus dem Buch Hiob lernen können – selbst wenn Sie sonst nichts lernen –, ist, dass Sie nicht anmaßen dürfen, Gottes Urteile zu kennen und zu wissen, wie Er mit anderen umgeht.
Zwar vertreten auch die anderen Freunde dieselbe Ansicht, doch Elifas drückt dies in diesen drei Versen am deutlichsten aus. Er ist ein Beispiel für einen Gläubigen, der in wesentlichen Dingen an die Wahrheit glaubt und dies mit theologisch falschen Annahmen verbindet. Es ist möglich, dass ein Christ heute errettet ist, an die grundlegenden Wahrheiten der Heiligen Schrift glaubt und dies gleichzeitig mit falschen Überzeugungen in anderen Bereichen verbindet. Beispiele hierfür sind Rassismus, Sexismus, chauvinistischer Nationalismus oder die Befürwortung von Gewalt gegen andere aufgrund ihrer Weltanschauung. Augustinus von Hippo, römisch-katholische Führer, Martin Luther und Johannes Calvin versagten alle in der letztgenannten Kategorie. Und wenn selbst sie die Wahrheiten der Heiligen Schrift mit schwerwiegenden Lügen verbinden konnten, sollten wir nicht glauben, dass wir uns davor nicht ebenfalls hüten müssten.
F: Wie lässt sich Hiobs Rede in Hiob 16–17 zusammenfassen?
A: Was ist los mit Ihnen, dass Sie immer weiter streiten, anstatt mich zu ermutigen und zu trösten? Gott hat meine Familie, meine Gesundheit, Spötter und die Gottlosen gegen mich eingesetzt. Möge mein Schrei niemals verstummen. Ich [Hiob] werde bald ins Grab gehen. Es ist gut, dass ich auf das Grab hoffe, sonst hätte ich überhaupt keine Hoffnung!
F: Wie fühlen Sie sich in Hiob 16,2, wenn Freunde, auf die Sie sich Ihrer Meinung nach verlassen können, Ihnen gegenüber offenbar keinerlei Mitgefühl zeigen?
A: Es ist ganz natürlich, enttäuscht, ja sogar wütend und vielleicht desillusioniert zu sein. Wenn Sie auf Ihre Freunde vertraut haben und diese Sie im Stich gelassen haben, wem können Sie dann noch vertrauen? Gott. Wenn Ihr Vertrauen auf Gott gerichtet ist, sind Sie vielleicht immer noch enttäuscht und wütend auf Ihre Freunde, aber Sie können auch darüber hinausblicken und erkennen, dass Gott tatsächlich unsere einzige Hoffnung und unser einziger Fels ist.
F: Warum bittet Hiob in Hiob 16,18–19 die Erde auf poetische Weise, sein Blut nicht zu bedecken?
A: Dies ist eine sehr für den Nahen Osten typische Denkweise. Hiob möchte nicht, dass seine Leiden in Vergessenheit geraten, ähnlich wie Gott in Genesis 4,10 sagt, dass Abels Blut metaphorisch „von der Erde zu mir schreit“. An diesem Tiefpunkt möchte Hiob, dass die Welt erfährt, wie ungerecht er behandelt wurde. Hiob hat das Gefühl, wegen eines nicht näher bezeichneten Übels verspottet zu werden, und er möchte rehabilitiert werden, nicht einfach im Stich gelassen und dann vergessen. An diesem Punkt ist sein Wunsch, seinen Namen reinzuwaschen und zu zeigen, dass er gottesfürchtig ist, größer als sein Wunsch, Gott zu verherrlichen. Ein ähnlicher Ausdruck findet sich in Jesaja 26,21, wo prophezeit wird, dass die Erde das Blut und die in ihr Getöteten offenbaren wird.
F: Was bedeutet Hiob 17,3?
A: Hiob bittet Gott, ihm mitzuteilen, was er bezahlen (oder tun) soll, da er glaubt, nicht über das zu verfügen, was Gott auf mysteriöse Weise von ihm verlangt.
F: In Hiob 17,11–16 akzeptiert Hiob die Tatsache, dass es so aussieht, als würde er bald sterben. Wie verhalten sich Menschen heute, wenn sie ihren bevorstehenden Tod erkennen, und wie sollten Christen sich fühlen?
A: Die Menschen von heute können mit Depressionen, Verzweiflung und entweder mit Antriebslosigkeit oder mit der Bereitschaft reagieren, törichte und riskante Dinge zu tun. Ein Christ sollte sich jedoch darüber freuen, dass er bald nach Hause geht, und sein Leben auf Erden kraftvoll zu Ende bringen wollen.
F: Was ist Bildads Kernaussage in Hiob 18,1–21?
A: Bildad sagt Hiob, er solle nicht so weitschweifig sein und sie nicht herabsetzen. Dann hält Bildad eine Rede über die vielen Wege, auf denen Gott die reuelosen Gottlosen streng und dauerhaft bestraft. Wie David Atkinson in „The Message of Job“ (S. 53–54) schreibt, hält Bildad eine wohlklingende Rede, geht jedoch nicht auf Hiobs Situation ein.
Bildads Satz bedeutet wörtlich: „Wie lange willst du noch nach Worten suchen?“ Bildad wirft Hiob vor, nach Worten zu suchen, um die Lücke zu füllen, obwohl er eigentlich nichts zu sagen hat. Bildads Vorwurf enthält ein Körnchen Wahrheit. In unseren Äußerungen sollten wir sagen, was wir zu sagen haben, und dann aufhören. Zu viele Worte bedeuten nicht, dass wir unserer Sache damit dienen. Als Hiob in Hiob 12,7–9 sagte, dass stumme Tiere mehr Verstand hätten als seine Freunde, konnte er wahrscheinlich mit ähnlichen Reaktionen rechnen.
Es gibt mindestens sechs verschiedene hebräische Wörter für Fallen (Netz, Maschen, Erdfall, Schlinge usw.), und Bildad verwendet hier alle sechs. Schlingen konnten aus unterschiedlichen Materialien hergestellt werden und unterschiedlich aussehen, doch allen ist gemeinsam, dass sie das Schicksal derer besiegeln, die in ihnen gefangen sind.
F: In Hiob 18,1–21: Wurden Sie jemals zu Unrecht der Arroganz bezichtigt, und wie sollten Sie darauf reagieren?
A: Zunächst einmal müssen wir verstehen, was Arroganz ist. Manche Menschen definieren Arroganz als die Überzeugung, dass man in etwas wirklich gut ist oder in etwas besser als jemand anderes. Was aber, wenn ich den Weltmeister im Gewichtheben treffe und er glaubt, er sei ein besserer Gewichtheber als ich? Ist er dann einfach nur arrogant? Oder hat er lediglich eine zutreffende Einschätzung der Tatsachen? Das ist eine miserable Definition von Arroganz.
Andere verstehen unter Arroganz das Gefühl, in gewisser Weise wichtiger zu sein als andere. In allen Unternehmen, für die ich als Softwareentwickler gearbeitet habe, bin ich mir sicher, dass der Geschäftsführer der Firma das Gefühl hatte, er könne die Rentabilität des Unternehmens weitaus stärker beeinflussen als ich. Ist also jeder Geschäftsführer arrogant? Oder hätten all diese Geschäftsführer in dieser Hinsicht vollkommen Recht?
Es kommt sehr häufig vor, dass jemand glaubt, für den Erfolg einer Sache wichtiger zu sein, als er es tatsächlich ist. Manchmal sind gerade diejenigen, die am stärksten reagieren, wenn jemand anderes arrogant wirkt (sei es nun vermeintlich oder tatsächlich), selbst arrogant.
In einem Unternehmen, für das ich tätig war, fand ein Vorstellungsgespräch für eine Stelle als leitender Frontend-Entwickler statt. Ich war nicht am Vorstellungsgespräch beteiligt, saß jedoch ganz in der Nähe der Verantwortlichen und konnte ihre Diskussion mitverfolgen. Sie waren sich einig, dass der Bewerber sehr gut war, fragten sich jedoch, ob sie ihn einstellen sollten, da sie ihn für arrogant hielten. (Ich hatte den Bewerber nicht kennengelernt, daher hatte ich keine Meinung dazu.) Letztendlich stellten sie ihn doch ein, und ich saß schließlich relativ nah bei ihm und arbeitete auch ein wenig mit ihm zusammen. Er beherrschte sein technisches Fachgebiet zweifellos sehr gut, war aber keineswegs arrogant. Andere wandten sich regelmäßig an ihn, um sich von ihm beraten zu lassen. Es gab noch einen zweiten Kollegen, der ebenfalls gut in demselben Fachgebiet war, und die beiden arbeiteten gut zusammen. Später wurde eine jüngere Mitarbeiterin eingestellt, die sich ebenfalls in demselben Fachgebiet auskannte. Nachdem er eine Zeit lang mit ihr zusammengearbeitet hatte, erzählte er anderen ganz offen, dass sie mehr wisse als er und besser sei als er. Er war also das genaue Gegenteil von arrogant. Doch die anfängliche Befürchtung, er sei arrogant, war lediglich eine Verwechslung zwischen Arroganz und der Tatsache, dass jemand gut in seinem Fachgebiet war und sich dessen bewusst war.
Was muss man tun, um arrogant zu wirken? Manchmal gar nichts! Ein Product Owner und ich waren die einzigen beiden Personen, die an einem Projekt arbeiteten, das laut der Betriebsabteilung pro Quartal etwa eine Million Dollar einsparte. Er erhielt eine Auszeichnung als „Nicht-technischer Mitarbeiter des Quartals“, und ich erhielt eine Auszeichnung als „Technischer Mitarbeiter des Quartals“. Wenn der CEO zu den Mitarbeitern sprach, schwärmte er häufig davon, wie großartig es sei, dass wir dieses Produkt hätten. Zusätzlich zu einem regulären Bonus erhielt ich auch einen Bonus in Höhe von 5.000 Dollar direkt vom CEO. Später, als COVID ausbrach, musste ich das Produkt grundlegend überarbeiten, um den neuen Arbeitsweisen gerecht zu werden. Ich schaffte dies in etwa einer Woche. Der CEO erklärte später allen, wie wichtig es sei, dass wir flexibel seien und dazu in der Lage seien. Ich habe nicht mit dem geprahlt, was ich geleistet hatte, sondern einfach „meine Hände sprechen lassen“, indem ich programmierte, was erforderlich war. Obwohl ich für diese Leistung nie befördert wurde – während mein Vorgesetzter für dieselbe Leistung eine Beförderung erhielt –, erntete ich den unerbittlichen Groll meines Vorgesetzten, der sagte, ich hätte „ihn schlecht dastehen lassen“. (Ich weiß nicht mehr, ob das vor oder nach seiner Beförderung war.) Das war das erste und einzige Mal, dass ich erlebt habe, wie ein Vorgesetzter – zwei Monate vor Jahresende – Leistungsziele strich, die ich bereits erfüllt hatte (einschließlich der Überarbeitung der Software für COVID), und ein paar neue Ziele hinzufügte, obwohl ich in diesen zwei Monaten auch noch Urlaub hatte. Er sagte mir, ich könne niemals Teamleiter werden, da die anderen Teamleiter mich nicht akzeptieren würden. (Vielleicht stimmte das ja, wenn man bedenkt, was er den anderen Teamleitern möglicherweise über meine Arroganz erzählt hatte.) Mit gutem Gewissen kann ich sagen, dass ich nichts Arrogantes getan habe, außer zu versuchen, meine Arbeit gut zu machen. Letztendlich habe ich mir eine andere Stelle gesucht und gekündigt, und ich habe gehört, dass er einige Monate später entlassen wurde.
Es geht also darum, sich bewusst zu machen, dass man manchmal als arrogant angesehen werden kann. Es mag sich um einen falschen Vorwurf handeln, doch prüfen Sie dennoch Ihr Gewissen, um sicherzugehen, dass Sie es nicht sind. Andererseits sollten Sie nicht denken, dass jemand anderes arrogant ist, nur weil er in etwas wirklich gut ist oder zu Recht der Ansicht ist, eine wichtigere Rolle zu spielen.
Bislang haben wir jedoch noch nicht wirklich definiert, was Arroganz ist. Arroganz bedeutet, zu glauben, man sei ein wichtigerer Mensch als andere, dabei zu vergessen, dass wir alle nach dem Ebenbild Gottes geschaffen sind, und nicht daran zu denken, dass wir jeden mit Respekt behandeln sollten. Sie können die Beiträge anderer nicht nur stillschweigend, sondern auch verbal und öffentlich würdigen, ohne sich selbst bedroht zu fühlen, da Ihr Selbstwert nicht von ihnen abhängt. Ihr Selbstwert ist Ihnen bereits von Gott gegeben.
Zu den Gegenmitteln gegen Arroganz gehören, ein Diener zu sein (siehe Römer 15,16; Galater 5,13), sich daran zu erinnern, dass die Letzten die Ersten sein werden (Matthäus 19,30; 20,16; Markus 10,31; Lukas 13,30), und andere für wichtiger zu halten als sich selbst (Philipper 2,3f).
F: Was bedeutet es in Hiob 18,16, keine Wurzel und keinen Zweig zu haben?
A: Eine Wurzel ist eine Metapher für diejenigen, die vor Ihnen da waren und Sie stützen. Ein Zweig ist eine Metapher für diejenigen, die nach Ihnen kommen und Nachkommen zeugen, um Ihren Namen weiterzutragen. Wenn Sie weder das eine noch das andere haben, wird Ihr Andenken gänzlich in Vergessenheit geraten.
Dies ist eine Redewendung aus dem Nahen Osten; auf dem Sarkophag von Eshmunazar steht laut dem Keil-Delitzsch-Kommentar zum Alten Testament, Band 4, S. 328–329: „Er soll keine Wurzel unten und keinen Zweig oben haben.“
F: Was möchte Hiob in Hiob 19,1–29 hier zum Ausdruck bringen?
A: Dieses Kapitel stellt wahrscheinlich Hiobs tiefsten Tiefpunkt dar. Doch paradoxerweise entsteht ausmitten dieser Verzweiflung über das irdische Leben auch Hiobs höchster Höhepunkt. Hiobs Antwort besteht aus fünf Teilen.
(19,1–6) Ihr solltet euch für eure Worte schämen. Auch wenn ihr, meine drei Freunde, mich mit Worten quält, braucht ihr euch nicht über mich zu erheben. Gott hat mir Unrecht getan.
(19:7–12) Obwohl ich „Gewalt“ rufe, schweigt Gott. Schlimmer noch: Er ist es, der mir meine Ehre nimmt und mich angreift.
(19:13–20) Gott hat meine Familie von mir entfremdet, kleine Kinder verspotten mich, und ich bin nur knapp dem Tod entkommen.
(19:21-22) Habt also Erbarmen mit mir. Verfolgt mich nicht so, wie Gott es tut.
(19:23–29) Ich, Hiob, weiß, dass ich Gott am Ende doch noch sehen werde, und ich sehne mich nach wie vor danach, Gott zu sehen. Hören Sie also auf, mich zu bedrängen, oder denken Sie selbst über Gottes Gericht nach.
Hiob wünschte sich hier Freunde, doch alles, was er hatte, waren drei Ankläger. Gott wartete hinter den Kulissen, um Hiob zu trösten, doch Hiob warf Gott Unrecht vor und beschuldigte Ihn, dies getan zu haben. Hiob sah keinen Unterschied zwischen dem, dass Gott dies tat, und dem, dass Gott dies zuließ. Hiob kam zu dem Schluss, dass sein Leiden sinnlos sei, da er den Sinn darin nicht erkannte. Hiobs Leiden ging von Satan aus, doch Gott nutzte es zu Seiner Ehre. Trotz alledem – obwohl Hiob fälschlicherweise glaubte, Gott habe es auf ihn abgesehen – sehnte sich Hiob dennoch danach, in den Himmel zu kommen und bei Gott zu sein. Trotz der schlimmstmöglichen Umstände blieb Hiob unerschütterlich in seiner Gewissheit der Erlösung und in der Überzeugung, wo er sein wollte.
F: Was würden Sie in Hiob 19,3 denken, wenn Sie das Gefühl hätten, Gott habe Ihnen sozusagen „Unrecht getan“?
A: Zunächst einmal ist Hiobs Reaktion kein Vorbild, dem wir nacheifern sollten. Es ist in Ordnung, zu klagen. Hiob jedoch beklagte sich, beschuldigte Gott, beklagte sich weiter, hatte Schwierigkeiten, über seine unmittelbare Situation hinauszublicken, und beklagte sich noch mehr. Das Buch Hiob schweigt darüber, wie hilfreich Hiob sein Klagen letztendlich fand – zumindest bis Gott Hiob am Ende zurechtwies.
Wenn wir die guten Aspekte der Ratschläge seiner Freunde berücksichtigen, müssen wir uns bewusst machen, dass wir nicht wissen, was in den geistlichen Bereichen und im Rat Gottes vor sich geht. Wir wissen nicht, was geschehen wäre, wenn diese Katastrophe nicht eingetreten wäre. Wir müssen aufhören, Gott vorzuschreiben, was er tun soll, und stattdessen um seine Hilfe und um Gottes Weisheit bitten, damit wir erkennen, was er in dieser Situation von uns erwartet. Wir müssen uns bewusst machen, dass es im christlichen Leben darum geht, Gott zu verherrlichen, und nicht um unser eigenes Wohlbefinden.
F: Wie können wir, ähnlich wie Hiob in Hiob 19,13–27, in einer hoffnungslosen Situation dennoch Hoffnung bewahren?
A: Schauen Sie nach oben, schauen Sie nicht auf die Umstände. Denken Sie an 1. Petrus 1,3–9 und 1. Korinther 2,9. Selbst in seiner Lage war Hiob in der Lage, nach oben zu schauen. Selbst dann erinnerte sich Hiob an seine Hoffnung, dass Gott ihn letztendlich retten und rechtfertigen wird. Hiob geht es hier nicht nur um eine, sondern um zwei Dinge. Er wünscht sich Linderung und Heilung von seinen Leiden, aber Hiob möchte auch, dass sein guter Ruf wiederhergestellt wird.
F: Wie konnte in Hiob 19,17 Hiobs Atem seinen eigenen Kindern widerwärtig sein, da seine Kinder doch alle in Hiob 1,2,18–19 getötet wurden?
A: Der Ausdruck kann sich auf seine Brüder beziehen, die nicht getötet wurden; die BSB übersetzt ihn mit „meine eigene Familie“. In Vers 18 heißt es „kleine Jungen“, nicht „seine Jungen“. In „When Critics Ask“, S. 228–229, wird zudem hinzugefügt, dass mit „Kindern“ hier Nachkommen gemeint sind, einschließlich Enkelkinder.
F: Wie konnten kleine Kinder in Hiob 19,18 Hiob verachten?
A: Hiobs Krankheit verursachte ihm laut Hiob 19,17 einen sehr üblen Mundgeruch. Das könnte bedeuten, dass sich sogar Kinder über Hiob lustig machten. Während G. R. Driver angibt, dass dies im altbabylonischen und in den Amarna-Glossen „fliehen“ bedeutet, kommt diese Redewendung auch in Psalm 78,19 vor und bedeutet dort „sich gegen jemanden aussprechen“.
F: Bedeutet dies in Hiob 19,20, dass Hiob keine Zähne mehr hat?
A: Der Ausdruck „Haut meiner Zähne“ bezieht sich möglicherweise auf Hiobs Zahnfleisch. Dies könnte bedeuten, dass seine Zähne nicht mehr vorhanden waren, allerdings enthält das Hebräische kein „nur“, das manche Übersetzungen hinzufügen. Unabhängig davon empfand Hiob dies als eine knappe Rettung.
F: Was genau ist hier in Hiob 19,25 ein „Erlöser“?
A: Das hebräische Wort „go’el“ ist dasselbe Wort, das in Rut für den „Verwandten-Erlöser“ verwendet wird. Ein „go’el“ hatte zwei Aufgaben.
Bluträcher: Wenn jemand aus der Familie ermordet wurde – selbst wenn dies vielleicht unbeabsichtigt geschah –, bestand die Aufgabe des „go’el“ darin, Gerechtigkeit zu üben: den Mörder aufzuspüren, ihn oder sie vor Gericht zu bringen und hinrichten zu lassen. Die einzige Ausnahme bestand darin, dass der Täter einen unbeabsichtigten Mord begangen hatte und in eine Freistadt geflohen war. Bleibte er in der Freistadt, bis der amtierende Hohepriester starb, so konnte der „go’el“ ihn nicht vor Gericht stellen. Nach dem Tod des Hohepriesters durfte der Go’el niemanden wegen unbeabsichtigten Mordes verfolgen.
Verfechter der Unterdrückten: Der zweite Zweck des Go’el – der hier im Mittelpunkt stehende – bestand darin, dass der Go’el, falls ein Familienmitglied in die Sklaverei verkauft worden war, den Preis für dessen Freilassung aufbringen konnte. Auch wenn die Ehefrau eines Familienmitglieds Witwe wurde, heiratete der Go’el sie, und die Kinder führten den Namen des verstorbenen Ehemanns weiter.
Dies scheinen sehr unterschiedliche Aufgaben zu sein, doch der rote Faden, der sie verbindet, war, dass der Go’el ein Fürsprecher für die Lebenden und ein Fürsprecher für die Ermordeten war.
F: Was sagt Hiob hier in Hiob 19,25?
A: Es gibt drei Punkte: vom Allgemeinen zum Spezifischen. Erstens weiß Hiob, dass Gott lebt. Zweitens lebt Gott für immer als Erlöser. Gott wird niemals von Seiner Rolle als Erlöser abweichen. Drittens hat Hiob weiterhin das Vertrauen, dass der ewige Erlöser ihn erlösen wird. Hiob mag zwar nicht genau wissen, wie er Gott im Fleisch sehen wird (denken Sie daran, dass der Rest der Heiligen Schrift noch nicht geschrieben war), doch Hiob weiß, dass der allmächtige Gott dies auf irgendeine Weise mit Sicherheit bewirken wird.
Wir könnten der Versuchung erliegen, für immer auf Erden leben zu wollen, wenn alles gut und reibungslos läuft. Hiob hatte zu diesem Zeitpunkt keinerlei Versuchung in dieser Hinsicht. Auch wenn es für Hiob leicht und für uns schwer war, müssen wir uns daran erinnern, dass diese Welt nicht unsere Heimat ist; es wartet etwas viel, viel Besseres auf uns. Doch das Schönste am Himmel ist nicht, die anderen Heiligen zu sehen, nicht unsere Belohnungen und Kronen, sondern Gott von Angesicht zu Angesicht im Himmel zu sehen.
F: Welche weiteren Auslegungen gibt es zu diesem Vers in Hiob 19,26?
A: Eine Auslegung lautet laut dem „New International Bible Commentary“ (S. 533) „Gott an meiner Seite sehen“ anstelle von „Gott mit eigenen Augen sehen“. Kein früherer Kommentator hat den hebräischen Text oder die griechische Septuaginta jedoch auf diese Weise ausgelegt. Unabhängig davon glaubte Hiob jedoch, dass er in gewisser Weise „Gott sehen“ würde, sei es in seinem eigenen auferstandenen physischen Körper oder in einer anderen Gestalt.
F: Zeigt Hiob 19,26, dass auferstandene Körper weiterhin aus Fleisch bestehen werden?
A: Es gibt zwei mögliche Antworten. Es könnte „abgesehen von meinem Fleisch“ oder „in meinem Fleisch“ heißen. Es ist nicht klar, was Hiob damit meinte, und Hiob könnte sich mehrdeutig ausgedrückt haben, falls er selbst nicht wusste, welche der beiden Möglichkeiten zutraf. Wie jedoch 1. Korinther 15,35–55 und 1. Thessalonicher 4,16–17 zeigen, wird das Fleisch, das wir derzeit haben, Gott nicht sehen, sondern wir werden Ihn in neuem Fleisch sehen, das heißt in neuen leiblichen Körpern.
F: In Hiob 20,1–14: Inwiefern hat Zophar hier seine Argumentation geändert?
A: Vermutlich hat jeder von Hiobs Freunden die anderen gehört. Zophar stellt fest, dass von den fünf bisher gehörten Reden keine Hiob dazu bewegt hat, eine große verborgene Sünde zu bekennen und Buße zu tun. Daher versucht Zophar einen anderen Ansatz, und theoretisch ist es ein guter Ansatz.
Zophar kann es in Hiob 20,1–14.20–21 nicht länger abwarten, die Zeit zu betonen, insbesondere die Kürze der Zeit der Sünde. Gottes Gerechtigkeit mag sich verzögern, doch die unvermeidlichen Folgen lassen tatsächlich nicht allzu lange auf sich warten.
Zwar ist dies ein guter Einwand gegenüber einem hartgesottenen Sünder, doch Zophar missversteht, wie auch die übrigen Freunde Hiobs, dessen Situation völlig.
Zophars Rede ist poetisch und inhaltlich völlig korrekt. Allerdings hat Zophar den wichtigsten Punkt übersehen, da er sich ausschließlich auf dieses irdische Leben konzentrierte. Zophar hat nicht erkannt, dass Gottes Gerechtigkeit gegenüber den Gottlosen zwar nicht immer unmittelbar erfolgt, Gottes Gerechtigkeit gegenüber den Gerechten sich jedoch manchmal ebenfalls verzögert.
F: Welche guten Einsichten hatte Zophar in Hiob 20,1–14 zum Thema Sünde?
A: Zophar betrachtet die Sünde hier auf eine andere, ergänzende Weise. Wann immer Sie etwas tun möchten, das Ihnen jetzt Freude bereitet, halten Sie inne und überlegen Sie, wie Sie sich darüber in der Zukunft oder sogar schon morgen fühlen werden; welche Freude werden Sie dann noch daran haben? Wenn man viele Sünden aus der Perspektive der Zukunft betrachtet, erscheint es bestenfalls sinnlos, sie jetzt zu begehen. Es gibt keine Freude, die Sie jetzt hätten, die Sie in der Zukunft nicht bereuen oder schnell vergessen würden.
F: Welche zwei gravierenden Fehler hat Zophar in Hiob 20,1–14 begangen?
A: Zwar wies Zophar zu Recht darauf hin, dass das Gericht über böse Menschen oft aufgeschoben wird, doch versäumte er es, den nächsten Schritt zu gehen und zu erkennen, dass Gerechtigkeit den Gottlosen oft erst nach dem Tod widerfährt. Dies geht hervor aus Psalm 9,17; Jesaja 5,14–15; 30,33; Hesekiel 32,22–25; Matthäus 7,13; 2. Thessalonicher 1,8–9, obwohl diese Bücher natürlich noch nicht geschrieben waren.
Zweitens: Könnte ein Mensch jemals Leid erfahren, ohne dass dies auf seine Sünden zurückzuführen wäre? Dieser Gedanke kam Zophar offenbar nie in den Sinn. Zophar dachte nicht darüber nach, dass auch die Belohnung für die Gerechten möglicherweise erst nach dem Tod erfolgt.
F: Hat Zophar in Hiob 20,1–29 gesündigt?
A: Nach späteren Maßstäben ja. Zophar und die anderen Redner maßen sich an, Gottes geheimnisvolle Wege und die Gründe für Gottes Handeln zu erklären, obwohl Gott Zophar dies nicht mitgeteilt hatte, und Zophar lag damit falsch. Hiob hatte sie gewarnt, Gott nicht falsch zu interpretieren und sich damit dem Gericht auszusetzen. Zophar ignoriert hier unbekümmert Hiobs Worte. Hiob hatte gesagt, ihre Gedanken seien für das Verständnis verschlossen, doch Zophar entgegnete, sein Verstand zwinge ihn, zu antworten. Zophar ist aufgebracht und ungeduldig gegenüber Hiob, wie Hiob 20,23 zeigt. Hiob sagt in Hiob 19,3, dass die drei Redner sich schämen sollten, und Zophar gibt eine schroffe Erwiderung, anstatt Dinge zu sagen, die wirklich helfen könnten.
Hiob kritisierte seine drei Freunde in Hiob 16,1–5, und Zophar scheint sich dadurch verletzt zu fühlen. Zophar versteht zu Recht, dass Gerechtigkeit für die Gottlosen nicht immer sofort eintritt. Manchmal geht es ihnen eine Zeit lang gut, bevor sie ihre Strafe erhalten.
F: In Hiob 20,19 beschuldigte Zophar Hiob fälschlicherweise, die Armen zu unterdrücken und Häuser gewaltsam an sich zu reißen. Wie gehen Sie damit um, wenn Menschen einfach aus heiterem Himmel Dinge erfinden?
A: Das sind sehr schwerwiegende Vorwürfe – sofern sie wahr sind. Tatsächlich sind es jedoch schwerwiegende Vorwürfe, unabhängig davon, ob sie wahr sind oder nicht, da sie den Ruf einer Person zerstören, und Zophar hat gesündigt, wenn er diese Dinge über Hiob ernst gemeint hat. Und wenn nicht, warum hat er sie dann zur Sprache gebracht?
Wie sollten Sie also reagieren, wenn Menschen Sie direkt oder indirekt etwas vorwerfen? Wenn Sie nichts sagen, werden manche Zuhörer dies so interpretieren, dass der Sprecher Recht hat, da Sie keine Antwort hatten. Selbst wenn Sie sagen, dass Sie es nicht getan haben, und man Ihnen nicht glaubt, bekräftigen Sie dennoch Ihre Unschuld, da manche Schweigen als Schuldeingeständnis auffassen könnten. Bestreiten Sie nicht nur, dass Sie dies getan haben, sondern fragen Sie auch nach Beweisen oder Zeugen. Erinnern Sie sie daran, dass es eine Lüge und Verleumdung ist, Anschuldigungen zu erheben, für die Sie selbst wissen, dass Sie keine Beweise haben.
In den Nachrichten wurde vor einigen Jahren als Tatsache dargestellt, dass Donald Trump antisemitisch sei; tatsächlich ist sein Schwiegersohn jüdisch, und er hat dazu beigetragen, Frieden zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten zu stiften. Hoppla! Es ist nicht nur so, dass sie sich geirrt haben; vielmehr haben sie sich die Geschichte komplett aus der Luft gegriffen. Menschen und Medien sollten den Erfindern solcher Verleumdungen dafür keinen Freifahrtschein erteilen. Wir sollten dafür sorgen, dass andere sich daran erinnern, dass diese Personen künftig keine Glaubwürdigkeit mehr genießen – nicht etwa, weil sie unbegründete Behauptungen aufstellen, sondern weil sie Behauptungen aufstellen, von denen sie wussten, dass sie unbegründet waren.
F: Wie lässt sich Hiobs Argumentation in Hiob 21,1–30 zusammenfassen?
A: Hiob wiederholt, was er zuvor gesagt hat. Man kann diese Rede mit Vers 2 zusammenfassen: „Hört genau auf meine Worte“. Hiob sagt sogar, dass er nun etwas Trost finden werde, wenn er sie nur endlich dazu bringen könne, ihm zuzuhören. Manchmal scheint es, als könne man nichts anderes tun, als Dinge immer wieder zu wiederholen und zu hoffen, dass die Zuhörer es irgendwann verstehen.
Vor vielen Jahren war ich bei einer christlichen Missionsorganisation tätig, die Mormonen evangelisierte, und etwa die Hälfte der Gruppe bestand aus ehemaligen Mormonen. Abends fragte ich manchmal, was sie dazu bewogen hatte, den Mormonismus zu verlassen, in der Hoffnung, einen gemeinsamen Nenner zu entdecken. Ich hörte kein einziges gemeinsames Thema, aber was ich als Gemeinsamkeit feststellte, war, dass jene Tatsache oder jene „historische Peinlichkeit“, die sie schließlich aus dem Mormonismus herausführte, beim ersten Hören keinerlei Wirkung auf sie hatte. Sie mussten es neun oder zehn Mal hören, bevor es ihnen endlich unter die Haut ging. Dann beschlossen sie oft, Nachforschungen anzustellen – nur um diesen Christen das Gegenteil zu beweisen. Doch als sie recherchierten, stießen sie auf Dinge, mit denen sie nicht gerechnet hatten, und schließlich führte Gott sie aus der geistlichen Fälschung des Mormonismus heraus.
F: Wie fühlen Sie sich in Hiob 21,7–15, wenn Menschen, die betrogen haben und Betrüger sind, am Ende mehr Wohlstand erlangen als Sie?
A: Sind sie wirklich „letztendlich“ wohlhabender als Sie? Das hängt davon ab, ob Sie einen Tunnelblick auf dieses Leben haben oder ob Sie den Blick auf die Ewigkeit richten. Wenn Sie kurzsichtig nur auf dieses Leben blicken, erscheint es bedauerlich, dass es Ihnen finanziell schlechter geht. Der Psalmist Asaph sagt in Psalm 73,2–17, dass er beinahe in diese Sünde des Neides verfallen wäre. Auch in Sprüche 24,1 wird dies erwähnt. Wenn Sie jedoch langfristig und im Hinblick auf die Ewigkeit blicken, erkennen Sie, dass a) sich letztendlich alles zum Guten wenden wird und b) dieses Leben auf Erden ohnehin sehr kurz und vergänglich ist, wie 1. Petrus 1,5–6 lehrt. Lassen Sie sie also ihre unrechtmäßig erworbenen Gewinne genießen, denn im Vergleich zur Ewigkeit wird es nur eine sehr, sehr kurze Zeitspanne sein, in der sie alles bereuen werden.
F: Wie verkünden Sie in Hiob 21,14–15 jemandem das Evangelium, der sagt: „Mein Leben ist jetzt gut, warum brauche ich also Gott“?
A: Auch wenn Zophar in einer völlig falschen Situation die richtigen Worte fand, ist dies eine gute Gelegenheit, Zophars Ansatz anzuwenden. Fragen Sie ihn: „Haben Sie Frieden in Ihrem Leben?“ Nur wenige Ungläubige glauben, dass dies der Fall ist. Fragen Sie ihn außerdem: „Was werden Sie am Ende tun, wenn Sie vor Gott stehen und Rechenschaft über Ihr Leben ablegen müssen?“ Glauben Sie, dass Stalin, Idi Amin und andere Massenmörder nach dem Tod irgendwelche Konsequenzen zu erwarten haben? Wenn ja, warum dann nicht jeder, der sich auf seine eigene Güte verlassen will?
F: Was ist Elifaz’ Argument in Hiob 22,1–30?
A: Elifas erinnert Hiob daran, dass Gott uns nicht braucht. Wie schon zuvor fordert Elifas Hiob auf, Buße zu tun, woraufhin Gott ihn durch Hiobs Gerechtigkeit erretten werde – nur dass Elifas hier noch weiter geht. Die Gerechtigkeit und die Sünde des Menschen nützen Gott nichts. Elifas sündigt, wenn er behauptet, dass es Gott gleichgültig sei. Es liegt vielleicht gar nicht an Ihrer Bosheit, dass Gott Sie leiden lässt.
Dann geht Elifas noch weiter und zählt Hiob all die falschen Dinge auf, von denen Elifas annimmt, dass Hiob sie begangen haben muss. Zophar hatte ursprünglich in Hiob 11,5 ff. gesagt, Hiob sei ein heimlicher Sünder, doch Elifas hat dies aufgegriffen. Elifaz scheint hier zunehmend die Geduld mit Hiob zu verlieren, und er überschreitet die schmale Grenze zwischen unbegründeten Behauptungen und offensichtlichen Lügen. Selbst wenn Hiob diese Dinge nicht direkt begangen hat, macht Elifaz all die schlimmen Folgen dafür verantwortlich, dass Hiob es versäumt hat, mehr Gutes zu tun. Sicherlich kann Elifas Hiob auf die eine oder andere Weise dazu bringen, zuzugeben, dass er ein großer Sünder ist. Nach all dem sollte Hiob zusammenbrechen und all die schlimmen Dinge bekennen, die er getan hat. Da Hiob dies jedoch nicht tut, versucht Elifas, ihm dabei zu helfen. Beachten Sie Elifas’ Unsensibilität; er hat sich nicht einmal die Mühe gemacht, auf die Fragen einzugehen, die Hiob zuvor aufgeworfen hat.
Theologisch gesehen gelangt Elifas zu dieser Haltung, weil in seiner Theologie kein Platz für Satan oder Dämonen ist. Wir müssen bedenken, dass Elifas hier versucht, etwas Gutes zu tun: einen Sünder zurück zu Gott zu führen. Tatsächlich wirkt Elifas dem jedoch entgegen, indem er Lügen über Hiob und auch über Gott verbreitet.
Vielleicht ist Elifas an dieser Stelle wirklich verärgert, denn dies ist die letzte Rede, die er an Hiob richtet. Und vielleicht ist das auch gut so. Wenn ein Ratsuchender weiß, dass ein Seelsorger ihn belügt, wird er ihm ohnehin kaum zuhören oder ihm vertrauen.
F: Was würden Sie in Hiob 22,1–30 einem Christen oder jemand anderem sagen, der der Meinung ist, dass der Wohlstand oder das Unglück eines Menschen eine Folge dessen sind, wie gerecht er gerade ist?
A: Die Heilige Schrift, die Erfahrung und die Logik zeigen, dass diese Person Unrecht hat.
Bibelstelle: Abgesehen von Hiobs Leiden wurde Jeremia verfolgt, in einen leeren Brunnen geworfen und dem Tod überlassen – und Jeremia hatte das nicht verdient. Denken Sie an die Propheten, die Isebel zu Elias Zeiten tötete.
Erfahrung: Einige böse Könige und Päpste lebten sehr lange. Einige der einfachen Menschen, die unter ihnen litten, wurden ermordet. Wollen Sie damit sagen, dass Pol Pot, Idi Amin und Stalin gerechter waren, weil sie länger lebten als die Menschen, die sie ermordet hatten?
Logik: Hugh Hefner, der Gründer des „Playboy“, starb im Alter von 91 Jahren. Sind also ein Pastor oder ein christlicher Missionar, die vor ihrem 91. Lebensjahr starben, gottloser?
Frage: Wann, wenn überhaupt, sollte ein Seelsorger gemäß Hiob 22,1–30 die Person, die er betreut, belügen?
A: Selbstverständlich würde kein Berater lügen, wenn er der Meinung wäre, dass dies wahrscheinlich Schaden anrichten, das Vertrauen zerstören und nichts Gutes bewirken würde. Aber wie sieht es aus, wenn der Berater glaubt, dass es etwas Gutes bewirken könnte?
Um diese Frage zu beantworten, muss sich ein christlicher Seelsorger über seinen wichtigsten Grund für sein Handeln im Klaren sein. Ist es a) die Person nach bestem Wissen und Gewissen zu beraten und dabei das zu tun, was er für richtig hält, oder b) Gott zu verherrlichen und ein wahres Zeugnis für Gott zu sein, wobei die Seelsorge an zweiter Stelle steht? Wenn Sie vergessen haben, dass die Verherrlichung Gottes Ihr höchstes Ziel ist, dann sollten Sie vielleicht aufhören zu beraten oder irgendeinen anderen Dienst auszuüben, bis Sie Ihre Integrität wiedererlangen, indem Sie sich daran erinnern, wozu wir hier sind. Ein Problem beim Einsatz von Lügen besteht – abgesehen davon, dass man Gott ungehorsam ist und ihm missfällt – darin, dass Menschen sich offenbar immer verrechnen. Gerade wenn Sie glauben, es werde keine negativen Folgen geben, weil niemand erfahren wird, dass Sie sündige Methoden anwenden, um Gottes Willen zu tun, findet es unerwartet jemand heraus. Wie es in Sprüche 16,25 heißt: „Es gibt einen Weg, der einem Menschen richtig erscheint, doch sein Ende ist der Weg des Todes.“
Deshalb sollten wir Gott zuallererst mit wahrhaftigen Lippen verherrlichen, wie es in Sprüche 16,13 heißt.
F: Fallen Ihnen in Hiob 22,1–30 weitere Beispiele wie Elifas ein, bei denen Menschen es für wichtiger hielten, ihren Standpunkt zu beweisen, als einem Menschen beizustehen oder wahrhaftig zu sein?
A: Stolz gegenüber anderen, der sich als Sorge um den eigenen Ruf tarnt, kann oft unerwartet sein hässliches Gesicht zeigen. Manchmal erscheint es in den Augen anderer geradezu lächerlich, wie sehr sich jemand Dinge ausdenkt, um nicht zugeben zu müssen, dass seine Ansicht falsch war. Die Person, die dies tut, erkennt jedoch oft nicht, dass dies für andere offensichtlich ist.
Jeder irrt sich in irgendeiner Hinsicht, genauso wie jeder das Bedürfnis hat, sich weiterzuentwickeln. Wie jemand oft zu sagen pflegte: „Ich behalte mir das Recht vor, klüger zu werden.“
F: Sollte es in Hiob 22,30 „Insel der Unschuldigen“ heißen?
A: Sprachwissenschaftliche Untersuchungen des Hebräischen und Phönizischen zeigen, dass es „jemand, der nicht unschuldig ist“ oder „jemand, der schuldig ist“ heißen sollte. Die griechische Septuaginta-Übersetzung weicht davon ab und lautet: „die Unschuldigen“.
F: Was will Hiob hier in Hiob 23 zum Ausdruck bringen?
A: Hiob hat hier aufgehört, seine drei Freunde zu kritisieren. Nun erhebt Hiob Vorwürfe gegen Gott. Hiob wirft Gott hier nicht wirklich vor, ihm zu Unrecht Schaden zugefügt zu haben. Hiob wirft Gott vor, ein abwesender Richter zu sein.
F: Was ist Hiobs neue Erkenntnis in Hiob 24?
A: Hiob erkennt, dass es nicht nur ihn betrifft; auch andere, die nicht gottloser sind als andere, leiden mehr als andere. Hiob erkennt zwei Dinge: Das Problem, das er und seine Freunde haben, besteht darin, dass sie den Zeitrahmen nicht verstehen, in dem Gott sein Gericht auf Erden vollstreckt; und Gott teilt ihnen diesen nicht mit. Hiob ist bestürzt über Gottes derzeitige scheinbare Untätigkeit. Die zweite Erkenntnis ist, dass Hiob und seine Freunde allzu leicht vergessen, dass Gott nach dem Tod der Menschen Gericht halten wird.
In Hiob 24,18–25 hat Hiob von seinen Freunden die Erkenntnis übernommen, dass die Gottlosen letztendlich vernichtet werden wie Meerschaum oder schmelzender Schnee. Zumindest in Bezug auf die Gottlosen im Allgemeinen sind sich Hiob und seine drei Freunde hierüber einig.
F: Handelt es sich bei Hiob 24,18–25 um einen Teil von Hiobs Rede oder um Bildads nächste Rede?
A: Die Anordnung im Buch Hiob in den heutigen jüdischen und christlichen Bibeln entspricht derjenigen in den Qumran-Rollen am Toten Meer. Einige sind jedoch der Ansicht, dass bestimmte Verse im Buch Hiob in der Reihenfolge durcheinander geraten sind, und dass dies möglicherweise Teil der nächsten Rede Bildads ist. Wie dem auch sei, in diesem Punkt sind sich alle einig.
F: Was ist Bildads Kernaussage in Hiob 25,1–6?
A: Bildad hält hier die kürzeste Rede im gesamten Buch. Dies ist das letzte Mal, dass entweder Bildad oder die beiden anderen Freunde das Wort ergreifen. Vielleicht liegt es daran, dass sie erkennen, dass ihnen nichts mehr zu sagen bleibt. Zusammenfassend lässt sich sagen: Gott ist so erhaben, und wir sind so gering, und die Kluft ist so gewaltig – wer könnte da etwas über Gottes Wege wissen? Bildad leugnet hier Gottes Immanenz. Bildad fasst kurz zusammen:
1) Gott ist allmächtig
2) Daher ist der Mensch vor Gott nicht rein
3) Wenn selbst der Mond und die Sterne vor Gott nicht rein sind, dann kann es der Mensch natürlich auch nicht sein.
Bildad hat hier Recht, abgesehen davon, dass der Teil über die Unreinheit der Sterne nicht biblisch ist und der Mensch nicht gänzlich böse ist. Die Art und Weise jedoch, wie Bildad diese Aussagen nebeneinanderstellt, zeugt von einem Missverständnis. Die Tatsache, dass Gott allmächtig ist, beweist keineswegs, dass Hiobs Leiden gerechtfertigt ist. Die Tatsache, dass Gott heilig und gerecht ist, würde für sich genommen keine Gerechtigkeit für willkürlichen, ungerechten Schaden beweisen.
Bildad versteht, dass es Gerechtigkeit gibt und dass es Barmherzigkeit geben kann. In all seinen Reden deutet Bildad – anders als Elifas – niemals an, dass er erkennt, dass Gerechtigkeit für die Gottlosen nicht immer unmittelbar erfolgt. Die drei Freunde verstehen gemeinsam nie, dass auch die Gerechten eine Zeit lang ungerecht leiden können.
F: Ist der Mensch in Hiob 25,4–6 lediglich ein Maden (Fliegenlarve)?
A: Bildad erinnert Hiob an den Tod. Sowohl der Maden als auch der Wurm haben eine kurze Lebensdauer und sind zudem in Gräbern zu finden. Das ist es, was Bildad sagte, nicht was Gott sagte. Die Metapher ist teilweise zutreffend, vermittelt jedoch kein vollständiges Bild.
Unsere Lebensspanne gleicht in Gottes Augen dem Gras (Jakobus 1,10–11; Jesaja 40,6–8; Psalm 90,3–6). Um beim Motiv des Bodens zu bleiben: Im Vergleich zu Gott ist unser Leben wie Staub (Jesaja 40,15). Gott thront über den Menschen wie über Heuschrecken (Jesaja 40,22). Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit.
Trotz alledem sind wir wunderbar und einzigartig geschaffen (Psalm 139,14) und nach Gottes Ebenbild geformt (1. Mose 1,27). Er hat Freude an Seinen Kindern (Zephanja 3,17).
Wir mögen nur einen Augenblick auf der Erde leben, doch Gott liebt uns und schätzt uns (Psalm 8,4–8).
F: Wann, wenn überhaupt, sollten Sie in Hiob 26,1–4 versuchen, mit jemandem zu streiten oder zu diskutieren, der sich gerade in tiefer Trauer befindet?
A: Wenn diese Person kein Interesse an einer Diskussion hat und nicht einmal bereit ist, sich ein vernünftiges Argument anzuhören, ist das der beste Zeitpunkt, um das, was Sie sagen wollten, auf später zu verschieben. Es gibt eine Zeit, in der Sie Ihre Anteilnahme zeigen und Mitgefühl für diese Person bekunden sollten. Vielleicht ist später, wenn sie nicht mehr so emotional ist, ein besserer Zeitpunkt, um mit ihr zu argumentieren.
F: In Hiob 26,1–4 enthielten die Reden der drei Freunde Hiobs zwar abstrakt betrachtet viele kluge Gedanken, doch sie gingen nicht auf Hiobs tatsächliche Situation ein. Was müssen wir tun, wenn wir jemanden beraten, um sicherzustellen, dass wir auf die tatsächliche Situation der Person eingehen?
A: Der erste Schritt besteht darin, ihm zuzuhören. Sie können einer anderen Person auf mindestens vier Ebenen zuhören.
Erstens: Nutzen Sie Ihr Schweigen. Hören Sie auf, so viel zu reden, wenn der andere Schwierigkeiten hat, zu Wort zu kommen, ohne Sie zu unterbrechen.
Zweitens: Stellen Sie Fragen, nicht nur, um zu zeigen, dass Sie zuhören, sondern um Dinge zu klären, die möglicherweise mehrdeutig sind und Ihnen nicht klar sind.
Drittens: Vergewissern Sie sich, dass Sie zugehört haben, und behalten Sie die Worte Ihres Gegenübers im Gedächtnis. Am Ende könnten Sie ihn fragen, ob Sie das Gesagte für ihn zusammenfassen dürfen, um sicherzustellen, dass Sie es richtig verstanden haben.
Viertens: Versuchen Sie, sich in den anderen hineinzuversetzen und zu verstehen, welche Einstellungen, Vorannahmen, Wahrheiten, Unwahrheiten, Bedürfnisse, Gefühle – ob sündhaft oder nicht – Ihr Gegenüber möglicherweise hat, um die Dinge so zu sagen, wie er sie gesagt hat.
F: Wie lässt sich Hiobs Antwort in Hiob 26,1–30,31 zusammenfassen?
A: Dies ist Hiobs längste Rede. Einige Kommentatoren sind der Ansicht, dass Hiob die Verse Hiob 26,1–6 sprach, Bildad (oder vielleicht Zophar) ihn unterbrach und die Verse Hiob 26,7–14 sprach, woraufhin Hiob den Rest vortrug. Da Hiob jedoch in der Regel ausführlicher als seine Freunde über Gottes Transzendenz spricht, ist es wahrscheinlich, dass diese Worte von Hiob stammen. Hiob hat genug von seinen Freunden, und:
(26,1–4) Hiob sagt sarkastisch: „Ihr wart mir eine große Hilfe!“ Tatsächlich wirft Hiob ihnen vor, überhaupt keine Hilfe zu sein, da sie versuchen, jemandem zu sagen, er solle auf die Weisheit hören, die sie kennen, und dennoch behaupten, Hiob habe überhaupt keine Weisheit.
(26:5–14) Ich weiß, dass Gottes Souveränität und Macht über den Tod, den Himmel und die Gewässer nur der Anfang von Gottes Macht ist.
(27) Auch wenn Gott mir gegenüber ungerecht ist: Solange ich, Hiob, lebe, werde ich nichts Böses sagen oder leugnen, dass ich gerecht gewesen bin. Der Reiche mag Wohlstand genießen, doch Gott wird ihn, seine Nachkommen und seine Familie heimsuchen.
(28) Die Menschen durchforsten alle tiefen, dunklen Winkel der Erde nach Metallerz, doch wo können wir nach wahrer Weisheit suchen? Nur Gott besitzt sie, und wir können sie nur erlangen, indem wir den Herrn fürchten und vom Bösen ablassen.
(29) Ich war gesegnet. Oh, wie sehr sehne ich mich nach den Tagen, als Gottes gütiger Rat über mir leuchtete und meine Kinder noch am Leben waren. Ich wurde geehrt, und die Menschen respektierten mich. Ich war gütig zu anderen. Ich half den Bedürftigen und Unterdrückten und kleidete mich in Gerechtigkeit. Ich fühlte mich sicher – bis zu dem Tag, an dem ich sterben würde, so dachte ich –, und die Menschen hörten auf meinen Rat.
(30) Doch nun habe ich keine Ehre mehr. Junge Männer verspotten mich, verhöhnen mich. Ich habe keinen Segen mehr. Selbst mein eigener Körper quält mich, denn Gott bedrängt mich. Niemand ist gütig zu mir. Gott schweigt, obwohl ich doch den Schrei der Armen gehört hatte.
(31) Ich habe einen Bund geschlossen und 14 Eide geleistet. Meine Augen, meine Füße, mein Herz und meine Hände sind rein. Sollte ich in Falschheit gewandelt sein, vom Weg abgewichen sein, mich von einer Frau verführen lassen, den Knechten das Recht verweigert haben, die Armen im Stich gelassen haben, Brot gehortet haben, den Nackten nicht geholfen haben, die Waisen ausgebeutet haben, auf Gold vertraut haben, mich am Reichtum erfreut haben, den Himmel angebetet haben, mich an Rache erfreut haben, nicht großzügig gewesen sein oder meine Sünde verheimlicht haben, dann möge das Unheil über mich kommen. Wenn Gott mich wegen dieser Dinge anklagen kann, gut, aber wenn nicht …
F: Sollte in Hiob 26,7 „Zaphon“ oder „Norden“ übersetzt werden?
A: Zaphon oder „Sapon“ war ein hoher Berg in Syrien. Während das hebräische Wort „Norden“ bedeutet, wird das damit verbundene Verb „noteh“ („ausbreiten“) ausschließlich im Zusammenhang mit dem Himmel verwendet. Manche vermuten, dass sich dies auf die Sternbilder beziehen könnte, die scheinbar um den Nordpol kreisen.
F: Was bedeutet es in Hiob 26,7, dass die Erde an nichts hängt?
A: Das hebräische Wort für „leerer Raum“ ist hier dasselbe Wort, das in Genesis 1,2 für „formlos“ verwendet wird.
Viele antike Kulturen hatten die Vorstellung, dass die Erde vom Rücken eines Tieres, eines Titanen oder vom Körper einer Göttin getragen werde. Im Gegensatz dazu hatte Gott Hiob irgendwie gelehrt, dass die Erde im Raum schwebt, an nichts.
F: Was sind in Hiob 26,11 die Säulen des Himmels?
A: Es gibt drei Möglichkeiten für die Säulen bzw. Fundamente des Himmels.
Der Himmel selbst könnte einfach beben, wenn Gott züchtigt. Die folgenden beiden Alternativen sind jedoch wahrscheinlicher.
Berge werden sowohl als Säulen des Himmels als auch als Säulen der Erde bezeichnet. Das Beben der Säulen könnte sich auf Vulkane und Erdbeben beziehen.
Der Horizont wurde in der verwandten akkadischen Sprache der Babylonier als „Fundament des Himmels“ bezeichnet.
F: Was möchte Hiob in Hiob 27,4–6 hier zum Ausdruck bringen?
A: So schlimm die Lage für Hiob auch war – gesundheitlich, finanziell und emotional –, so ist Hiob hier dennoch wie ein Fels und erklärt, dass er keine Bosheit aussprechen und seine Rechtschaffenheit nicht aufgeben werde. Hiob hält nicht an seiner Rechtschaffenheit fest, um seinen Ruf zu wahren; Hiob sagt in Hiob 30,1.9–10, dass sein Ruf in den Augen vieler bereits ruiniert sei.
F: Wie würde sich in Hiob 27,4–6 ein Christ, der seine Integrität höher schätzt als Wohlstand, anders verhalten als ein Christ, dem sein Wohlstand wichtiger ist?
A: Man kann jemandem – ob Christ oder nicht – niemals wirklich vertrauen, der Wohlstand oder Geld höher schätzt als seine Integrität. Wann immer diese Person Ihnen ein Versprechen gibt oder eine Vereinbarung mit Ihnen trifft – woher wissen Sie, dass sie ihr Wort nicht bricht, sobald sich eine bessere Gelegenheit bietet, insbesondere wenn Sie sie nicht im Auge behalten? Wenn manche Menschen Dinge nur dann richtig machen, wenn Sie sie beobachten, und es viel Mühe kostet, sie zu überwachen, kann es zu einem Punkt kommen, an dem Sie so viel Zeit und Mühe darauf verwenden, sie zu beobachten, dass es überhaupt keinen Vorteil mehr bringt, sie diese Aufgabe überhaupt ausführen zu lassen. Doch selbst ein Nichtchrist sollte einen Christen beschäftigen wollen, denn er weiß, dass dieser sein Wort hält und sein Bestes gibt, auch wenn niemand zusieht, wie Epheser 6,6–7 und Kolosser 3,22 zeigen.
F: Was ist in Hiob 27,21 so schlimm am Ostwind?
A: Der Wind kam normalerweise aus dem Westen, und wenn er aus dem Westen oder Süden wehte, war er sanft. Doch wenn der Wind aus dem Osten kam – was vergleichsweise seltener vorkam –, war er sehr stark und trocken – man denke an einen Sandsturm. Er kann die Ernte auf dem Feld verdorren lassen. Wenn man versuchte, den Weizen von der Spreu zu trennen, und dabei Ostwind wehte, würden sowohl der Weizen als auch die Spreu weggeweht werden. Zwar sind Stürme bei Ostwind nicht üblich, doch kommt es zu Wirbelstürmen, wenn der Wind von West nach Ost dreht. Ein arabischer Slangausdruck bezeichnet ihn als „giftigen Wind“. Es ging den Menschen weniger darum, dass der Ostwind Menschen töten könnte, als vielmehr darum, dass er die Ernte eines Bauern schädigen würde.
F: Ist es in der Kirche in Hiob 27,23; Hiob 34,37; Nah 3,19; Hes 25,6 und 2 Kön 11,12 besser, „Amen“ oder „Gelobt sei der Herr“ zu sagen, anstatt in die Hände zu klatschen?
A: Nein, das ist falsch. Henry M. Morris vom Institute for Creation Research hat dies in der Andacht „Days of Praise“ vom 12. Juni 2004 vorgeschlagen. Es gibt vier verschiedene hebräische Wörter für „klatschen“ bzw. „schlagen“, und er behauptet, keines davon habe eine positive Konnotation. In Nahum 3,19 heißt es beispielsweise, dass andere klatschen werden, wenn sie von der Zerstörung Ninives hören. In 2. Könige 11,12 klatschten die gottesfürchtigen Israeliten in die Hände, als Joas gekrönt wurde, doch Morris sagt, dass „damit ihre Absicht zum Ausdruck gebracht wurde, die gottlose Königin Athalja zu schlagen und zu vernichten“.
Hier sind Verse aus dem Alten Testament zum Thema „Klatschen“:
caphaq (Strong’s 5606) [ausgesprochen: saw-FAK] Hiob 27,23; Hiob 34,37; Klagelieder 2,15
teqa (Strong-Nr. 8628) [ausgesprochen: taw-KAH] Psalm 47,1; Nahum 3,19
mecha’ (Strong 4222) [ausgesprochen: maw-KHAW] Ps 98,8; Jes 55,12; Hesekiel 25,6
nakah (Strong 5221) [ausgesprochen: naw-KAH] 2. Könige 11,12
Morris hat hinsichtlich der fünf nicht unterstrichenen Verse Recht, doch in Bezug auf das Klatschen im Allgemeinen liegt er falsch.
Wichtige Verse, die diesen Standpunkt widerlegen:
Jesaja 55,12 spricht vom Klatschen, ohne dass dabei irgendein Zusammenhang mit Triumph besteht, abgesehen davon, dass der Gottlose seine Gedanken aufgibt.
In Psalm 47,1 heißt es: „Klatscht in die Hände, alle Völker; jubelt Gott mit triumphierender Stimme zu.“ Psalm 47,3 erwähnt zwar die Unterwerfung von Völkern, doch 47,1 beschränkt sich nicht darauf.
Sekundäre, unterstützende Verse:
Psalm 98,8 erwähnt, dass Gott kommt, um zu richten, und dass Gott den Sieg davonträgt. Es handelt sich nicht um den „Ausdruck starker Missbilligung gegenüber gottlosen Menschen“, da das Klatschen „für Gott“ und nicht „gegen die Menschen“ gerichtet ist.
In 2. Könige 11,12 wird berichtet, dass das Volk klatschte und rief: „Es lebe der König!“ Morris sagt, das Klatschen sei „ein Ausdruck ihrer Absicht gewesen, die gottlose Königin Athalja zu schlagen und zu vernichten“, worauf in 2. Könige 11,13–16 eingegangen wird. Das Klatschen diente jedoch der Feier der Krönung des jungen Königs Joas und war kein Ausdruck von Feindseligkeit gegenüber Athalja.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Klatschen nicht nur als Zeichen der Missbilligung dient, denn Jesaja 55,12, Psalm 47,1 und wohl auch Psalm 98,8 sowie 2. Könige 11,12 zeigen Klatschen als Zeichen der Zustimmung. Selbst für diejenigen, die der Meinung sind, dass Klatschen nur dazu dient, Triumph zu zeigen, sollten wir in der Kirche für den Triumph klatschen, den Jesus am Kreuz errungen hat, und für Seinen Sieg in unserem Leben.
F: Was ist der Kernpunkt des Kapitels Hiob 28,1–28?
A: Dieses Kapitel wird durch zwei Fragen in drei unterschiedliche Teile gegliedert: „Wo findet man Weisheit?“ in Hiob 28,12 und „Woher kommt dann die Weisheit?“ in Hiob 28,20.
Die Entdeckung eines Schatzes: Die Menschen sind sehr geschickt darin, die Erde abzubauen
Weisheit als Schatz: Dennoch erkennen sie den offensichtlichen Wert der Weisheit nicht.
Die Quelle der Weisheit: Weisheit kommt allein vom Herrn. Die Furcht vor dem Herrn ist der Anfang der Weisheit (Psalm 111,10 und Sprüche 1,7)
Frage: Was erfahren wir in Hiob 28,1–28 über den Bergbau jener Zeit?
A: Wir verfügen nicht über viele Informationen, wissen jedoch, dass in der Araba (im Süden Israels und in Teilen Saudi-Arabiens) bereits lange vor Abraham Kupfer abgebaut wurde, auch wenn die Schächte erst später unter den Römern angelegt wurden. Schon vor der Zeit Hiskias wussten die Menschen, wie man Schächte bis an die Oberfläche gräbt, um Sonnenlicht hereinzulassen. Im ersten Jahrhundert v. Chr. wurden in Nubien Grubenlampen verwendet.
F: Wie erlangen wir in Hiob 28,1–28 Weisheit, und inwiefern ähnelt dies dem Bergbau?
A: Auch wenn es verschiedene Arten des Bergbaus gibt, setzen wir doch unsere Bergbauhelme auf, schalten unsere Grubenlampen ein und betrachten wir die Metapher des Bergbaus im Allgemeinen. Dazu gehören die Erkundung, die Prospektion, der Bau des Bergwerks, die Gewinnung des Erzes, die Aufbereitung des Erzes und die Instandhaltung des Bergwerks.
Erkundung: Die erste Regel beim Abbau von Gold, Silber oder anderen Metallen lautet: „Stellen Sie sicher, dass Sie zum richtigen Berg gehen.“ Selbst der beste Bergmann der Welt wird kein Gold aus einem Berg gewinnen, wenn dort gar kein Gold vorhanden ist! Bei der Ölsuche müssen Sie eine geologische Formation finden, die ein guter Kandidat dafür sein könnte, Öl zu enthalten. Bei Metallen sollten Sie einen Berg finden, an dem bereits jemand in der näheren Umgebung oder in einem Bach etwas von dem Metall entdeckt hat, nach dem Sie suchen. Suchen Sie Weisheit ebenfalls nicht am falschen Ort. Suchen Sie sie in Gottes Wort sowie in den Schriften und Ratschlägen gottesfürchtiger, weiser Menschen. Zwar können Sie in anderen Schriften und anderen Religionen Bruchstücke von Weisheit finden, doch es lohnt sich nicht, diese zu extrahieren, ohne dabei auch die giftigen Nebenprodukte mitzunehmen.
Erkundung: Das Goldwaschen im Fluss oder das Bohren eines Probebohrlochs kann wirtschaftlichen Nutzen bringen, ist aber möglicherweise noch wertvoller, weil es Ihnen zeigt, wo Sie suchen und wo Sie die Suche einstellen sollten. Manche Dinge haben den Anschein von Weisheit – doch handelt es sich dabei nur um „Halbwahrheiten“, oder sind es Juwelen, die Sie auf Ihr Leben anwenden können und die Sie näher zu Gott führen?
Den Stollen bauen: Sobald Sie glauben zu wissen, wo sich die „Hauptader“ befindet oder wie groß das Ölfeld ist, bauen Sie den Stollen so, dass er von der Oberfläche zum Erz führt – und zwar so effizient und sicher wie möglich. Bauen Sie den Stollen solide, damit er nicht einstürzt oder zu unzugänglich ist, um den ganzen Tag darin zu arbeiten. Sie müssen Geld ausgeben, um stabile Balken und gutes Werkzeug zu kaufen, in dem Wissen, dass Ihre Investition an Zeit und Geld im Vergleich zu den Erträgen, die Sie erwarten, verschwindend gering sein wird. Ebenso kann das Erlernen von Weisheit eine Arbeit sein, die Zeit in Anspruch nimmt, in der Sie stattdessen fernsehen oder anderen Tätigkeiten nachgehen könnten. Doch die Zeitopfer, die Sie bringen, um Weisheit zu erlangen, werden sich lohnen. Manchmal muss man tief in ein dunkles Bergwerk hinabsteigen, um die brillantesten Juwelen zu finden.
Das Erz gewinnen: Entwickeln Sie eine konsequente Methode, mit der Sie die Weisheit erlernen und im Gedächtnis behalten. Manche Menschen nutzen ein Notizbuch, um das Gelernte festzuhalten. Andere verwenden einen Computer oder machen sich Notizen am Rand ihrer Bibel. Wenn Sie das Gelernte mit anderen teilen, hilft dies nicht nur ihnen, sondern festigt es auch in Ihrem eigenen Gedächtnis. Natürlich können Sie auch noch mehr Weisheit erlangen, wenn andere Ihnen mitteilen, was sie gelernt haben.
Das Erz reinigen: Nicht jedes Detail, das Sie lesen, ist gleich wichtig. Fassen Sie in regelmäßigen Abständen die praktische Anwendung des Gelesenen zusammen, ergreifen Sie dann Maßnahmen und setzen Sie das Gelernte in die Tat um. Wenn Sie es nicht tun, könnten Sie es leicht wieder vergessen. Wenn Sie zudem wissen, was das Richtige ist, und es dennoch nicht tun, ist das Sünde, wie es in Jakobus 4,17 heißt.
Die Mine instand halten: Je tiefer Sie in die Mine vordringen, desto eher können die Stollen einstürzen, wenn Sie keine zusätzlichen Verstärkungen anbringen. In gewisser Weise muss der Schritt des „Minenbaus“ auch dann fortgesetzt werden, wenn Sie bereits auf die Goldader gestoßen sind. Sie mögen anfangs viel Elan zeigen, doch Sie benötigen auch Ausdauer, damit Sie nicht nachlassen. Es ist besser, für den Rest Ihres Lebens täglich 10 Minuten in der Bibel zu verbringen, als im ersten Monat täglich 3 Stunden und dann aufzuhören. Schließlich ist unser Gedächtnis nicht perfekt; wir vergessen Dinge. Sie müssen zu dem zurückkehren, was Sie bereits gelernt haben, und es erneut lesen, damit Sie es nicht vergessen.
Hiob bemerkt in Hiob 28,13, dass die Menschen so einfallsreich darin sind, Metalle und Edelsteine abzubauen – doch warum sind sie nicht ebenso geschickt darin, nach Weisheit zu schürfen?
Schließlich ist ein einfacher, großartiger Weg, Weisheit zu erlangen, Gott zu fragen, wie Jakobus es uns in Jakobus 1,5 ans Herz legt. Tatsächlich können wir keine bleibende Weisheit erlangen, ohne dass Gott sie uns schenkt. Oft gab es Fragen, die ich nicht beantworten konnte; dann betete ich über diese rätselhafte Sache, fragte Gott und wartete geduldig. Manchmal dauerte es vielleicht einen Monat, aber ich erhielt immer eine Antwort auf meine Frage. Doch bis dahin hatte ich in der Regel schon eine neue Frage. Betrachten Sie Ihre Fragen zur Bibel, zum Christentum und zum Leben nicht als „Schwierigkeiten“, sondern als Dinge, die Ihr Interesse wecken und die Gott nutzen kann, um Sie zu lehren.
F: In Hiob 28,28 heißt es, dass die Furcht vor dem Herrn der Anfang der Weisheit ist. Inwiefern ist das so?
A: Lassen Sie uns zunächst erörtern, was Weisheit ist, und dann die Frage beantworten.
Weisheit lässt sich als angewandtes Wissen für das Leben definieren. Es kann sich um nicht ganz so alltäglichen gesunden Menschenverstand handeln, wie er im Buch der Sprüche beschrieben wird, um menschliche Klugheit beim Erreichen von Zielen, beim Ergründen der Rätsel des Lebens oder auch um die Fähigkeit, mit Herausforderungen umzugehen. Das Wort „hokmah“ wird im Buch der Sprüche 45 Mal verwendet. Es kann mit „Weisheit“ oder auch mit „Geschick“ übersetzt werden, wie etwa das Geschick des Tuchmachers an der Stiftshütte in 2. Mose 35,26, das eines Holz- oder Metallhandwerkers in 2. Mose 31,6, das Geschick der Seeleute in Psalm 107,27, eines Feldherrn in der Schlacht in Jesaja 10,13, das Können eines Verwalters in Deuteronomium 34,9 und 1. Könige 3,28 sowie den Rat eines weisen Beraters in 2. Samuel 20,22. Das Buch der Sprüche kann als ein Buch der Fähigkeiten für ein weises Leben betrachtet werden. Wir wünschen uns, dass mehr Menschen diese Fähigkeiten erlernen möchten.
Gott ist die Quelle der Weisheit, und jede menschliche Weisheit, die Gottes Weisheit leugnet, ist nicht wirklich weise. Zu ergründen, wie Gott die Dinge sieht und wie wir entsprechend leben sollten, um Ihm zu gefallen, bedeutet, unsere Prioritäten richtig zu setzen. Alles andere bedeutet, „das Unwesentliche in den Vordergrund zu stellen und das Wesentliche zu vernachlässigen“. Wenn Gott beispielsweise sagt, man solle keine ethischen Abkürzungen nehmen, können Menschen versuchen zu rationalisieren, warum dies zwar für andere, nicht aber für sie selbst gelte, oder warum es in dieser Situation keine Rolle spiele, weil wir etwas so sehr begehren. Oder wir können Gott einfach sagen: „In Ordnung. Im Vergleich dazu, Dir zu gefallen, war diese andere Sache, die ich ohnehin nicht so dringend brauchte oder wollte, nebensächlich.“ Diese einfache Einstellung kann Sie vor vielen Betrügereien, Herzschmerz sowie dem Verlust von Freundschaften und Geld bewahren.
Es ist bemerkenswert, dass nicht Nationen, sondern nur Einzelpersonen als weise gelten. Die Ehrfurcht vor Gott und der Gehorsam ihm gegenüber sind der Ausgangspunkt wahrer Weisheit. In Sprüche 8,13 heißt es, dass die Furcht vor dem Herrn bedeutet, das Böse zu hassen, und dass Gott Stolz, Arroganz, böses Verhalten und boshafte Reden hasst.
F: Was ist in Hiob 29,1–25 interessant an der Struktur von Hiobs Gedicht über die nostalgischen „guten alten Zeiten“, von denen er hoffte, dass sie wiederkommen würden?
A: Hiob 29–30 bilden Hiobs abschließende Zusammenfassung. In Hiob 29 wechselt der Ton schlagartig in den „Optativ“, d. h. er drückt einen Wunsch oder ein Verlangen aus. Hiob schwelgte in Erinnerungen an frühere Zeiten, als seine Kinder um ihn herum waren, er wohlhabend und hoch angesehen war, die Zukunft vielversprechend aussah und er keine Ahnung hatte, wie er geprüft werden würde. Diese Verse bilden eine symmetrische Beziehung.
Segen (29,2–6)
— Ehre (29,7–11)
— — Hiobs Güte (29:12–17)
Segen (29:18–20)
— Ehre (29,21–25)
F: In Hiob 29,3–5 gehorchte Hiob Gott, bemühte sich, Gottes Willen zu tun, und hielt sich von dem fern, was Gott missfiel, doch Hiob fand auch Freude an Gott. Wie würde ein Christ heute aussehen, wenn er keine Freude an Gott fände?
A: Der Christ mag fromm, fleißig, gehorsam und arbeitsam erscheinen, doch wenn er die Dinge aus eigener Kraft tut, könnte man sich fragen, ob dies wirklich ein Leben lang Bestand haben wird. Manchmal hat ein Christ vielleicht einfach zu viele Dinge zu tun (oder glaubt zumindest fälschlicherweise, dass dies der Fall ist), um Zeit mit Gott zu verbringen.
Stellen Sie sich vor, Sie hätten einen treuen Ehepartner, der hart für die Familie arbeitet, sich gut an all die Dinge erinnert, die erledigt werden müssen, und Ihnen die Neuigkeiten und Aufgaben mitteilt, die Sie wissen müssen – der aber einfach zu beschäftigt ist, um Zeit mit Ihnen zu verbringen. Oder vielleicht war er gar nicht so beschäftigt; er wollte einfach nicht wirklich mit Ihnen zusammen sein. Selbst wenn das nicht der Fall wäre, hätte es für ihn keine Priorität gehabt, „gemeinsame Zeit“ mit Ihnen zu verbringen. Würden Sie sagen, dass dies eine gute Ehe wäre?
Wir sind Teil der Braut Christi. Es ist jedoch möglich, dass manche Christen Gott auf dieselbe Weise behandeln.
F: Warum wurde Hiob in Hiob 29,7–17 früher so sehr geachtet, und wie lange hielt diese Achtung an?
A: Hiob wurde nicht deshalb geachtet, weil er reich und mächtig war. Vielmehr genoss dieser reiche und mächtige Mann großes Ansehen, weil er seinen Reichtum und seine Macht für das Gute einsetzte. Hiob half den Bedürftigen, den Witwen, den Mittellosen und den Waisen. Hiob selbst mag überrascht gewesen sein, wie schnell die Achtung, die manche ihm entgegenbrachten, verflog, als er nicht mehr die Mittel hatte, anderen zu helfen, und den Anschein erweckte, als würde er von Gott bestraft. Am Ende des Buches Hiob, als er seinen Reichtum wiedererlangte und weitere Kinder bekam, frage ich mich, wie sehr Hiob sich um die neu gewonnene Achtung derer kümmerte, die ihn zuvor verspottet hatten.
F: Was würden Sie einem Christen sagen, der in der Vergangenheit lebt und sich nach „den guten alten Zeiten“ sehnt (Hiob 29,1–25)?
A: Lassen wir einmal außer Acht, dass Erinnerungen manchmal selektiv sind und dass es in verschiedenen Lebensphasen unterschiedliche Herausforderungen gibt. Sie können ihm sagen: „Halten Sie sich nicht damit auf; Ihre besten Tage liegen noch vor Ihnen!“ In 1. Petrus 1,3–4 heißt es: „Gepriesen sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus! Durch seine große Barmherzigkeit hat er uns durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten zu einer lebendigen Hoffnung wiedergeboren, 4 und zu einem Erbe, das unvergänglich, unbefleckt und unverwelkbar ist und im Himmel für Sie aufbewahrt wird“ (BSB)
Frage: Warum „treten manche Menschen andere, wenn sie am Boden liegen“, so wie diese Spötter in Hiob 30,1, die Hiob früher Respekt entgegenbrachten?
A: Manche Menschen fühlen sich besser, wenn sie jemanden herabsetzen können, insbesondere wenn sie keine negativen Konsequenzen daraus erkennen. Andere glauben, dass sich ihr soziales Ansehen in Kreisen, die ihnen wichtig sind, verbessert, wenn sie sich gegen Personen äußern, gegen die sich alle anderen ebenfalls aussprechen. Heute kann man die „Cancel-Kultur“ beobachten, die diejenigen zum Schweigen bringen will, die nicht ihrer Meinung sind. Ein Grund für ihren Erfolg ist das zerbrechliche Ego, das manche Menschen haben, wenn andere sie herabsetzen.
F: Glauben Sie, dass Hiob in Hiob 30,1 hier selbst einen Anflug von Arroganz an den Tag legte?
A: Ja. Alle Menschen wurden nach dem Ebenbild Gottes geschaffen, doch Hiob hatte manche Menschen als weniger wertvoll als seine Wachhunde beurteilt. Einerseits waren die Hunde treu, und man konnte sich darauf verlassen, dass sie taten, was von ihnen erwartet wurde – was man von manchen Menschen vielleicht nicht behaupten konnte. Andererseits mochte Hiob es nicht, verachtet zu werden, hatte aber bestimmte andere selbst verachtet.
F: Was möchte Hiob in Hiob 30 hier zum Ausdruck bringen?
A: All die vergangenen guten Zeiten aus Hiob 29 standen in scharfem Kontrast zu dem erbärmlichen Zustand, den er nun in Hiob 30 beschreibt. In Hiob 30,1–8 bezeichnet Hiob andere Menschen als wertlose Narren, und in Hiob 30,9–31 beklagt er sich dann darüber, dass selbst diese Leute glauben, sie seien besser als Hiob. Das verletzt Hiobs Stolz. Als Christen sollten wir darauf bedacht sein, Gott zu gefallen, und – anders als Hiob – nicht über den Wert anderer urteilen oder dem, was andere denken, so viel Aufmerksamkeit schenken.
F: Wie gehen Sie in Hiob 31,1–40 damit um, wenn jemand darauf besteht, dass Sie sich für etwas rechtfertigen müssen, das Sie getan haben, obwohl Sie darin keine Notwendigkeit sehen?
A: Hiob erkennt, dass er sich vor seinen drei Freunden verteidigen muss, die angeblich gekommen waren, um ihn zu trösten, ihn aber letztendlich nur beschuldigten. Im Allgemeinen sollten Sie etwas sagen, beispielsweise die falsche Anschuldigung zurückweisen und zumindest kurz darlegen, warum. Je nach Situation könnten Sie sie fragen, welche Art von Beweisen nötig wären, um sie von Ihrer Sichtweise zu überzeugen. Manchmal sollten Sie jedoch überlegen, wie viel Zeit Sie damit verbringen möchten, mit jemandem zu sprechen, der Ihnen ohnehin nicht zuhört. Bevor Sie jedoch weggehen, sollten Sie vielleicht anmerken, dass Sie den Eindruck haben, die Person wolle „sich nicht durch Fakten verwirren lassen“, und dass sie erst zeigen müsse, dass sie bereit ist, Ihre Worte zu berücksichtigen, bevor Sie weitere Worte an sie verschwenden.
F: Was ist in Hiob 31,1–40 besonders bemerkenswert an den Parallelen, die Hiob hier zieht?
A: Hiob gewährt uns einen intimen Einblick in sein Herz, in seine Sichtweise der Dinge. Die Art und Weise, wie er verschiedene Sünden und Eigenschaften Gottes bzw. des Himmels miteinander in Verbindung bringt, ist ziemlich einzigartig und sehr interessant. Er gibt ein Versprechen und 14 Eide ab, die er geleistet hat, sowie die Gründe, warum er gerecht ist. Wir täten gut daran, uns diese als einige der Gründe zu vergegenwärtigen, warum wir in unserem eigenen Leben an der Gerechtigkeit festhalten sollten.
Er hat mit seinen Augen einen Bund geschlossen, keine Frau lüstern anzusehen – Gottes Augen wachen (Hiob 31,1–3)
Lüge und Betrug – Ich möchte dies nicht tun und vor Gottes Waage gerichtet werden – Sollte etwas von anderen in meine Hände gelangt sein, so möge ich keinen Gewinn aus dem ziehen, was meine Hände anbauen (Hiob 31,5–7).
Die Dinge anderer begehrt oder an sich genommen – ich möchte nicht, dass Gott zulässt, dass andere meine Dinge an sich nehmen (Hiob 31,8–9).
Von einer Frau verführt worden – ich möchte nicht, dass andere Männer mit meiner Frau schlafen oder mich finanziell ruinieren (Hiob 31,9–12)
Meinen Knechten und Arbeitern Gerechtigkeit vorenthalten – was würde ich tun, wenn Gott mich zur Rechenschaft zieht? Gott hat uns alle geschaffen. (Hiob 31,13–15)
Wenn ich es durch meine Hand versäumt hätte, den Armen und Witwen zu helfen (Hiob 31,16),
den Waisen keine Nahrung gegeben hätte (Hiob 31,17–18),
die Armen nicht bekleidet hätte (Hiob 31,19–20),
die Waisen vor Gericht unterdrückt hätte
So möge mir der Arm abfallen: – Ich möchte nicht, dass Gott mir körperlichen Schaden zufügt. – Ich würde diese Dinge nicht tun, aus Furcht vor Gottes Herrlichkeit (Hiob 31,21–23).
mein Vertrauen und meine Sicherheit auf Gold gesetzt (Hiob 31,24).
mich über meinen großen Reichtum gefreut (Hiob 31,25).
Der Sonne oder dem Mond Ehrerbietung erwiesen
Gott würde mich für diese Sünden oder meine Untreue gegenüber dem Gott in der Höhe richten (Hiob 31,26–28).
Mich über den Untergang meines Feindes gefreut und ihn verflucht (Hiob 31,29–30).
Ich war nicht großzügig gegenüber den Menschen in meinem Haushalt (Hiob 31,31).
Ich habe einem Fremden keine Gastfreundschaft erwiesen (Hiob 31,32).
Ich habe meine Sünde verheimlicht, wie es die Menschen tun, weil ich die öffentliche Meinung fürchtete (Hiob 31,23-24).
Geschwiegen
[wo wir gerade davon sprechen: Ich wünschte, „jemand“ würde mich gerade jetzt hören!] (Hiob 31,35–37).
Ich habe seine Pächter unterdrückt – ich möchte nicht, dass Gott Dornen anstelle von Getreide wachsen lässt (Hiob 31,38–40).
F: Gehört es in Hiob 31,1 nicht zur Moral des Neuen Testaments oder zur Moral des Alten Testaments, eine Frau nicht lüstern anzusehen?
A: Zu jeder Zeit ist es Gott wohlgefällig, reine Augen zu haben. Auch wenn Gott dies im alttestamentlichen Gesetz nicht ausdrücklich geboten hat, waren Gottes gehorsame Diener wie Hiob nicht darauf bedacht, alles auszunutzen, womit sie durchkommen konnten, sondern vielmehr darauf, Gott in all ihren Wegen zu gefallen. Hiob brauchte das alttestamentliche Gesetz nicht, um dies zu wissen, da er höchstwahrscheinlich vor dem mosaischen Gesetz lebte.
Nebenbei bemerkt: Manche Menschen glauben, dies beziehe sich auf die Fruchtbarkeitsgöttin des Nahen Ostens. Auch wenn Hiob nicht daran dachte, irgendwelche Götzen oder Göttinnen zu verehren, bezieht sich dies eher auf Frauen im Allgemeinen und nicht nur auf ein bestimmtes Bild einer Göttin.
F: Was sagt Hiob in Hiob 31,7 über die Reinheit seiner Hände?
A: Die orientalische Kethiv-Schreibweise zeigt, dass dies „anhaftend“ bedeutet. Somit heißt es hier: „Wenn irgendetwas an meinen Händen haften geblieben ist“. Mit anderen Worten: „Wenn Hiob lange Finger hat und etwas gestohlen hat.“
F: Was sagt Hiob in Hiob 31,13 über den Umgang mit den Ihnen unterstellten Menschen?
A: Hier ist ein Beispiel. Stellen Sie sich vor, Sie müssen in einer Angelegenheit zwischen zwei Personen entscheiden. Die erste Person ist sehr wichtig, und Sie möchten sich ihre Gunst sichern, um mit ihr auf gutem Fuß zu bleiben. Die zweite Person erscheint Ihnen unbedeutend; es spielt Ihnen nicht im Geringsten eine Rolle, was sie von Ihnen hält. Doch in dieser Angelegenheit liegt die erste Person im Unrecht. Entscheiden Sie sich zugunsten der ersten Person, weil Ihnen die Beziehung zu ihr wichtig ist, oder entscheiden Sie gerecht? Hiob tat Letzteres.
Im Keil-Delitzsch-Kommentar zum Alten Testament, Band 4, Teil 2, S. 183, findet sich ein Beispiel, in dem auch Rabbiner dies anerkannten. „Im Midrasch in ‚Giuseppe Levis Parabola, Legenden und Gedichte aus Talmud und Midrasch‘, S. 141 (deutsche Übersetzung 1863): Die Frau von R. [Rabbi] Jose geriet mit ihrer Magd in Streit. Ihr Mann kam hinzu und fragte nach dem Grund; als er sah, dass seine Frau im Unrecht war, wies er sie in Anwesenheit der Magd darauf hin. Die Frau sagte wütend: „Du sagst, ich sei im Unrecht, und das in Anwesenheit meiner Magd?“ Der Rabbi antwortete: „Ich tue, was Hiob tat.“
Frage: Was sagt Hiob 31,13 über die Sklaverei?
A: Sklaverei war in der antiken Welt allgegenwärtig. Das durch Mose gegebene Gesetz erlaubte israelitische Sklaven, beispielsweise bei Nichtbegleichung von Schulden, doch die israelitischen Sklaven mussten alle sieben Jahre freigelassen werden. Die einzige Ausnahme bestand darin, dass der Sklave seinen Herrn liebte und den Wunsch hegte, sein Leben lang Sklave zu bleiben.
Hiob 31,13 muss für Sklavenhalter in der griechischen und römischen Welt ein Schock gewesen sein. Hiobs Sklaven und Diener durften nicht nur Beschwerden gegen ihre Herren hegen, sondern diese auch offen äußern und erwarten, dass ihre Beschwerden gerecht behandelt wurden.
F: Welche Bedeutung hat der letzte Satz in Hiob 31,25?
A: Wenn Menschen reich werden, neigen sie oft dazu zu glauben, dies sei allein ihrer Klugheit, ihrer harten Arbeit oder anderen Fähigkeiten zu verdanken. Häufig spielen sie die Tatsache herunter, dass sie vielleicht einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren. Wenn Menschen meinen Reichtum betonen, den meine Hände erworben haben, sind sie Gott nicht dankbar für das, was Gott ihnen gewährt hat.
F: Was bedeutet es in Hiob 31,27, wenn ein Mund eine Hand küsst?
A: Es ähnelt sehr dem heutigen Brauch, einen Kuss zuzuwerfen. Wenn Ihnen jemand, der sich in einiger Entfernung von Ihnen befindet, am Herzen liegt, könnten Sie Ihre Hand küssen und sie dann in Richtung dieser Person ausstrecken.
F: Welche Bedeutung hat diese Untreue in Hiob 31,26–28?
A: Hiob sagt, dass er sich einer Sünde gegen Gott schuldig machen würde, wenn er die Sonne oder den Mond respektieren, sich vor ihnen verneigen, sie verehren oder anbeten (usw.) würde. Hiob nennt Ihn „Gott in der Höhe“, um die Sinnlosigkeit der Anbetung von Wesen und Dingen hervorzuheben, von denen man weiß, dass sie nicht der Höchste Gott sind.
Wenn Sie mit Hindus oder Mahayana-Buddhisten sprechen, die viele Götzen verehren, fragen Sie sie, warum sie nicht den Allerhöchsten Gott anstelle ihrer kleinen Götter verehren. Wenn Sie mit Mormonen sprechen, die glauben, dass der „Gott dieser Welt“ einen Gott und Vater hatte, der größer war als er selbst, der wiederum einen Gott und Vater hatte, der größer war als er selbst, fragen Sie die Mormonen, warum sie nicht den Allerhöchsten verehren.
F: Deutet Hiob 31,33 darauf hin, dass Adam seine Übertretung [eine vorzeitige eheliche Beziehung mit Eva] dadurch verschleierte, dass er den Geschlechtsteil seines Körpers bedeckte, wie es der Ketzer Rev. Moon im „Göttlichen Prinzip“, 5. Auflage (1977), S. 72, lehrt?
A: Keineswegs. Adam und Eva taten vier Dinge, nachdem sie gesündigt hatten:
1. Sie nähten Feigenblätter zu Kleidern zusammen (Genesis 3,7)
2. Sie versteckten sich vor Gott (Genesis 3,8)
3. Adam hatte Angst (Genesis 3,10)
4. Adam gab Eva die Schuld, und Eva gab der Schlange die Schuld (Genesis 3,12–13)
Hiob 31,33 bezieht sich darauf, dass Adam seine Sünde verbarg. Dies könnte sich darauf beziehen, dass Adam sich versteckte oder Eva die Schuld gab, ebenso wie – oder zusätzlich dazu –, dass er Kleidung anfertigte. Selbst wenn es sich auf die Bekleidung Adams und Evas beziehen würde, wäre dies noch kein Beweis für eine sexuelle Sünde.
F: Was würde Hiob in Hiob 31,36–37 wie eine Krone tragen?
A: Hiob sagt, dass er, wenn alle Anklagen gegen ihn niedergeschrieben würden, so überzeugt von seiner Gerechtigkeit wäre, dass er das Buch wie eine Krone tragen würde! Hiob drückt aus, dass er sich wünscht, er könnte sich Gott nähern, so wie ein Prinz sich einem König nähert, um all dies zu erklären und die Angelegenheit zu klären.
Gibt es gottgefällige Eigenschaften Ihres Charakters, in die Sie Stolz eindringen und die er infizieren ließen haben? Gibt es Dinge, auf die Sie vor Gott stolz wären? Wenn ja, denken Sie noch einmal darüber nach, bevor die Zeit kommt, in der Sie sich dem Heiligen wirklich nähern. Gott liebt uns nicht wegen irgendetwas, das wir unabhängig von Ihm getan haben. Gott hat uns für sich selbst geschaffen, und wir sollten uns freuen – nicht stolz sein – über das, was Er durch uns wirkt.
F: Warum heißt es in Hiob 31,40: „So enden die Worte Hiobs“?
A: Wahrscheinlich, damit wir keine weiteren Reden von Hiob erwarten. Tatsächlich spricht Hiob später noch (vielleicht ist „murmeln“ hier das passendere Wort) in Hiob 40,3–5 und Hiob 42,1–6.
Wir sollten uns durch das Unerklärliche nicht gekränkt fühlen. Es ist in Ordnung, verstehen zu wollen, aber wir sollten nicht verlangen, zu verstehen.
F: Warum hatte Elihu in Hiob 32,1–37,24 Recht und die anderen vier Männer Unrecht?
A: Hiob behauptete, sein Leiden sei darauf zurückzuführen, dass Gott ungerecht sei. Hiobs Freunde behaupteten, Hiobs Leiden seien auf seine eigene Sünde zurückzuführen. Sie befanden sich in einer Pattsituation. Elihu sagte, beide lägen falsch, und Elihu war zornig über die Worte dieser ansonsten weisen Männer. Gott hatte nicht gesagt, warum Hiob litt, und es war anmaßend, darüber zu spekulieren. Wir können jedoch erkennen, dass Gott Gerechtigkeit walten lässt, doch oft müssen wir auf Seine Gerechtigkeit warten, da sie nicht immer noch in diesem irdischen Leben eintritt.
Elihus Argumente waren zutreffend. Elihu stellte sich den vier Männern sowie etwaigen Zuhörern vor und begründete in Hiob 32 sein Recht zu sprechen. Doch aufgrund seiner ausführlichen Erläuterungen zum Wert seiner Worte sind manche der Meinung, er habe möglicherweise die Grenze zur Überheblichkeit überschritten. Natürlich heißt es in Hiob 32,2–3, dass Elihu zornig über die Äußerungen dieser Gläubigen war, als er sprach.
F: Was ist Elihus Argument in Hiob 32,1–37,24?
A: (32) Elihu ist der Ansicht, dass alle vier Unrecht haben.
(33) Hiob, Sie sagten, Sie seien aufrichtig und Gott sei Ihnen gegenüber ungerecht. Sie sind nicht gerecht, da Sie mit Gott streiten, der uns keine Erklärungen schuldig ist. Gott spricht zu uns und tritt für uns ein, und Gott kann uns vor dem Untergang bewahren.
(34) Ihr drei Weisen irrt, weil ihr Hiob nicht zurechtweist. Ihr drei und Hiob habt im Grunde dasselbe Problem: Ihr glaubt, den Grund für Hiobs Leiden ergründen zu können, und dass Gott verpflichtet sei, es euch mitzuteilen. Ihr glaubt, es liege an einer geheimen Sünde, oder aber Gott sei ungerecht. Die einzig richtige Antwort darauf, warum Hiob leidet, lautet: „GOTT HAT ES UNS NOCH NICHT MITGETEILT.“
(35) Hiob, Sie irren sich, wenn Sie sagen, meine Gerechtigkeit sei größer als die Gottes. Elifas irrt sich (in Hiob 22,2), wenn er sagt, es nütze nichts, ob wir gerecht oder gottlos seien. Gott hat Gefallen an der Frömmigkeit. Gott ist nicht ungerecht. Wenn Sie nicht bereit sind, auf Seine Gerechtigkeit zu warten, häufen Sie nur Worte ohne Erkenntnis an …
(36–37) Über Gottes Gerechtigkeit können wir jedoch Folgendes sagen: Gott verachtet niemanden. Er wendet sich gegen die Gottlosen und verschafft den Unterdrückten Gerechtigkeit. Wir können nicht die ganze Größe Gottes erfassen, doch ich werde mich freuen, die Stimme Gottes zu hören. Hiob, Gottes Werke sind so wunderbar, und Er ist vollkommen in Seiner Erkenntnis. Wenn Sie mit Gott streiten wollen, dann lehren Sie uns doch, was wir einfachen Sterblichen zu Ihm sagen können?
F: Wo befand sich „Buz“ in Hiob 32,2?
A: Buz war der Sohn von Nahor und Milka und somit Abrahams Neffe (1. Mose 22,20–21). Es gab auch einen Uz, einen Sohn Arams (1. Mose 10,23). Unabhängig davon lebten sie im heutigen Syrien. Auch in Jeremia 25,23 wird Buz erwähnt.
F: Wann sollten wir uns gemäß Hiob 32,6–7 anderen unterordnen und mit dem Reden warten?
A: Manchmal sollte man aus Respekt und Höflichkeit zurücktreten. In anderen Fällen sollte man mit dem Reden warten, bis andere einem besser zuhören können. Dies zeigt, dass Hiob und seine drei Freunde nicht die einzigen Anwesenden waren. Möglicherweise befand sich neben Elihu noch eine Menschenmenge vor Ort.
F: In Hiob 33,6; 36,2 sagte Elihu, er trete als Sprecher Gottes auf. War das richtig?
A: Ja, denn Gott tadelte Elihu nicht, wie Er es bei Hiob und seinen drei Freunden tat. Wir tun dies ständig, wenn wir das Evangelium weitergeben oder jemanden in der Nachfolge unterweisen. Es ist jedoch sehr wichtig, dass das, was man sagt, richtig ist. Außerdem sagte Elihu in Hiob 32,10.17 ausdrücklich, dass es sich um seine Meinung handelte, und er forderte Hiob und seine drei Freunde nicht auf, seine Worte unkritisch anzunehmen, sondern sie zu prüfen, so wie man Essen probiert (Hiob 34,3–4). Auch die drei Freunde Hiobs traten als Sprecher Gottes auf, doch sie sagten nicht das Richtige.
F: Was war in Hiob 33,9–36,23 das Gute an Elihus Rede?
A: Es gab eine Reihe von Punkten.
Wiederholung dessen, was Hiob gesagt hatte: Erstens zeigte Elihu, dass er Hiob respektierte, indem er ihm wirklich zuhörte. Elihu wiederholte Hiobs Worte an 16 Stellen: Hiob 33,9a, 33,9b, 33,9c, 33,10a, 33,10b, 33,11a, 33,11b, 34,5a, 34,5b, 34,6a, 34,6b, 34,6d, 34,9, 35,2, 35,3 und 36,23. Die drei Freunde wiederholten niemals, was Hiob gesagt hatte, während Elihu zeigte, dass er zuhörte.
Eingehung auf bestimmte Punkte: Elihu ging auf bestimmte Aussagen Hiobs ein.
Als Reaktion auf die allgemeine, zugrunde liegende Haltung: Elihu befasste sich mit den grundlegenden Beschwerden, wie sie sich in Hiobs Tonfall äußerten.
F: Wie lässt sich in Hiob 33,9–33 zusammenfassen, was Hiob hätte sagen sollen?
A: Auch wenn es schwierig ist, alles zusammenzufassen, was Hiob tatsächlich gesagt hat, folgt hier eine Zusammenfassung dessen, was Hiob hätte sagen sollen – dank Elihu.
1) Mir ist bewusst, dass ich nicht vollkommen bin und nicht gerechter als Gott (Hiob 33,9; 34,5; 35,2).
2) Bitte zeigen Sie mir daher, wo ich Unrecht getan habe, damit ich Buße tun kann (Hiob 34,32).
3) Ich werde nicht gegen Gott streiten, sondern ihm Gerechtigkeit zuschreiben (Hiob 33,13; 34,17; 36,3).
4) Ich weiß, dass Gott spricht (Hiob 33,14–22; 35,10–11; 37,22), zuhört (Hiob 34,28) und rettet sowie bestraft (Hiob 36,8–16).
5) Ich werde die Majestät Gottes preisen und verherrlichen (Hiob 36,24–26; 37,5.14).
6) Denn ich weiß, dass die Menschen Gottes Wege nicht verstehen (Hiob 36,22–23.29; 37,14–18).
F: Was sollen wir laut Hiob 33,9–33 tun, wenn wir mit einer Tragödie konfrontiert sind?
A: Wenn wir mit einer Tragödie konfrontiert sind, sollten wir weitgehend so handeln, wie Elihu es Hiob empfohlen hat:
1) Erkennen Sie, dass jeder Fehler begangen hat und andere Entscheidungen hätte treffen können.
2) Fragen Sie sich, ob es eine Sünde gibt, die Sie bisher ignoriert haben oder von der Sie nichts wissen, für die Sie um Vergebung bitten, Buße tun und die Sie nicht wieder begehen sollten.
3) Geben Sie Gott nicht die Schuld und zeigen Sie nicht mit dem Finger auf ihn.
4) Nähern Sie sich Gott auch in Zeiten der Trauer im Gebet.
5) Preisen Sie Gott in dieser Situation.
6) Machen Sie sich bewusst, dass wir nicht den Gesamtzusammenhang sehen, so wie Gott ihn sieht.
F: Was sagte Elihu in Hiob 34,5–37 gegen die drei Freunde Hiobs?
A: Ja, Hiob hatte Unrecht, als er sagte, er sei gerecht und Gott habe die Gerechtigkeit weggenommen (Hiob 34,5–7).
Aber Sie irren sich, wenn Sie glauben, Gott wäre ungerecht, wenn er nun auch den Frommen schwere Zeiten auferlegen würde (Hiob 34,16–19).
Hiobs Freunde dachten, dass Leid nur dazu diene, dass Gott bestrafe. Elihu weist darauf hin, dass Leid auch kommen kann, um zu lehren. Wie Simone Weil in „Schwerkraft und Gnade“ sagt: „Die extreme Größe des Christentums liegt in der Tatsache, dass es kein übernatürliches Heilmittel für das Leiden sucht, sondern einen übernatürlichen Nutzen dafür.“
F: Wann sollten Sie sich gemäß Hiob 34,8 von jemandem trennen, der einen schlechten Einfluss auf Sie hat?
A: Im Allgemeinen ist es gut, mit Nichtchristen zusammen zu sein und nichtchristliche Freunde zu haben. Sie können Ihr Zeugnis sehen und kommen vielleicht zum Herrn. Manche Menschen haben jedoch zum Ausdruck gebracht, dass sie keinerlei Absicht haben, jemals zu Gott zu kommen. Wenn Sie diese Menschen nicht „wärmer“ gegenüber Gott machen und sie Sie dazu bringen, kälter zu werden, dann müssen Sie sich andere Freunde suchen.
F: Was ist in Hiob 35,1–16 der Kernpunkt von Elihu?
A: In Hiob 35,1 tadelt Elihu nicht unbedingt einen bestimmten Satz, den Hiob gesagt hat, sondern dessen gesamte Haltung, in der er behauptet, gerechter als Gott zu sein, und dass es sich nicht lohne, gerecht zu sein. Als Christen müssen wir unseren Blick nach oben richten!
F: Wie antworten Sie in Hiob 35,3, wenn jemand fragt, warum er gerecht sein sollte, da Gott im Moment offenbar nichts tut?
A: Die Stärkung Ihres Charakters und Ihrer Beziehungen zu anderen bringt unmittelbare Vorteile mit sich. Manchmal gibt es unmittelbare Konsequenzen, wie zum Beispiel eine Gefängnisstrafe. Meistens jedoch sind diese kurzfristigen Auswirkungen nicht sichtbar. Für die Verlorenen gibt es langfristige, schwerwiegende Konsequenzen, während den Heiligen, die gerechte Werke für Gott vollbringen, Kronen und andere Belohnungen zuteilwerden.
F: Was ist in Hiob 35,5.10f; 36,24–37,24 der große Gegensatz zwischen Elihu und Hiob sowie zu Hiobs drei Freunden?
A: Elihu ist ein Mann des Lobes, sie hingegen nicht – oder zumindest schien Hiob an dieser Stelle nicht so zu sein. Elihu leugnet nicht, dass die Lage schwierig ist; doch er ermahnt Hiob, sich umzuschauen und Gottes Wunder zu betrachten und Gott dennoch zu preisen.
F: „Verletzt“ unsere Sünde in Hiob 35,6–8 Gott in irgendeiner Weise?
A: Die Antwort besteht aus zwei Teilen.
Nein, Hiob 35,6–7 zeigt, dass der allmächtige Gott, der Himmel und Erde erfüllt, durch die Handlungen von Menschen – oder auch von Engeln oder Dämonen – weder geschädigt noch begünstigt wird.
Aber wir können Gott verherrlichen (oder auch nicht). Unsere rechtschaffenen Taten, die aus aufrichtigem Herzen heraus vollbracht werden, verherrlichen Gott jedoch. Im Fall Hiobs zeigt Hiob 1,8–12, dass Hiobs Rechtschaffenheit für Gott von solcher Bedeutung war und Ihm Freude bereitete, dass Gott Satan davon berichtete. Hiobs anhaltende Integrität verherrlichte Gott und zeigte Satan zugleich, wie wenig Einfluss Satan auf Hiobs Rechtschaffenheit hatte.
Haben Sie schon einmal innegehalten und darüber nachgedacht, wie wunderbar seltsam es ist, dass uns winzigen Menschen die Fähigkeit gewährt wurde, uns dafür zu entscheiden, Gott zu verherrlichen?
F: In Hiob 35,10; Ps 77,6; 119,54–55; Jes 30,29 – wie schenkt Gott uns Lieder in der Nacht?
A: Gott schenkt uns freudige Lieder, selbst wenn wir in Zeiten der Not sind. Und natürlich können wir singen, wenn Gott uns aus unserer Not befreit.
Jemand sagte einmal: „Nach Mitternacht passiert nie etwas Gutes.“ Nun, streng genommen stimmt das nicht. Sie könnten wach sein und Gott preisen! Hoffentlich preisen Sie Gott jedoch still, wenn Sie mit Ihrem Ehepartner im Bett liegen.
F: Ist in Hiob 36,4f Gott oder Elihu das Subjekt, wenn Elihu sagt: „Einer, der vollkommen an Erkenntnis ist, ist bei dir“?
A: In diesem Vers allein ist es mehrdeutig. Wenn Elihu sich auf Gott bezieht, sagt er damit, dass man auf Gottes Wissen blicken und sich nicht in eigenen Augen für weise halten soll. Wenn Elihu sich jedoch auf sich selbst bezieht, würde das Elihu ebenfalls arrogant machen. Es ist ein Paradoxon, dass jemand, der ein wenig arrogant ist, am sensibelsten dafür sein kann, Arroganz bei anderen zu erkennen. In diesem Vers allein könnte es also in beide Richtungen gehen.
Allerdings verrät uns Elihu in Hiob 37,16, wen er meint: Es ist Gott, der vollkommen an Erkenntnis ist.
F: Wie konnte Elihu in Hiob 36,27–28 über Verdunstung Bescheid wissen, da die Griechen einer späteren Zeit die ersten waren, von denen wir wissen, dass sie darüber geschrieben haben?
A: Es ist zwar unklar, wie viel Elihu über Verdunstung wusste, doch scheint er hier die Grundidee zu verstehen. Die Griechen kannten zumindest bereits zur Zeit von Hesiod im 8. Jahrhundert v. Chr. den Nebel und nannten ihn „anathyamiasis“ (Theogonie 1928, 1958, S. 547–553). Thales von Milet war im Jahr 585 v. Chr. der Ansicht, dass Wasser das zentrale Element von allem sei, und lehrte über Verdunstung. Danach schrieben Anaximander von Milet, Aetius, Xenophanes von Kolophon (ca. 530), Diogenes Laertios, Aristoteles (ca. 350 v. Chr.) und andere über Verdunstung.
Wir gehen jedoch davon aus, dass das Buch Hiob nach der Zeit von Josef und seinen Brüdern und vor der Zeit von Mose verfasst wurde, also vor 1447 v. Chr., lange vor allen bekannten griechischen Schriftstellern.
Doch obwohl die Griechen die ersten waren, von denen wir wissen, dass sie darüber schrieben, waren sie nicht die ersten, die dies darstellten. Ein ägyptisches Wandgemälde zeigt einen Sklavenjungen, der Wasser aus dem Nil schöpft und es mit einem Fächer kühlt, um es für seine Herrin angenehmer zu machen. Dies geschah im Jahr 2.500 v. Chr., also etwa 500 Jahre vor Abraham. Ein weiterer Trick, den die findigen Ägypter anwandten, bestand darin, eine Decke in Wasser zu tränken und sich dann beim Schlafengehen darauf zu legen. Sie hatten also zweifellos die Erkenntnis, dass Wasser bei Hitze verdunsten und dadurch für Abkühlung sorgen kann. Weitere Informationen finden Sie unter https://quilohome.com/evaporative-cooling-ancient-world/ und https://sleepbetter.org/sleep-like-an-egyptian/.
F: Was Neues sagt Elihu hier in Hiob 36,13–32?
A: Elihu äußert sich nicht dazu, ob Hiob all dies verdient habe oder nicht. Was Elihu jedoch sagt, ist: Hätte Hiob Gott gefolgt und wäre er weiterhin gehorsam gewesen, hätte Gott ihn bereits aus dieser Lage befreit.
Manchmal, wenn wir in eine Situation geraten, aus der wir lernen können, hält Gott uns in dieser Situation für eine Zeit lang fest, die uns extrem lang erscheint. Vielleicht hält Gott uns in dieser Situation, bis wir gelernt haben, was wir lernen sollen. Bitten Sie Gott also, Ihnen beizubringen, was Er Ihnen verständlich machen möchte.
Frage: Wie spricht Gott in Hiob 36,15 zu den Menschen in ihrer Not?
A: Menschen mögen vielleicht schwerhörig sein, wenn alles gut läuft, sind aber eher bereit, zuzuhören und Neues in Betracht zu ziehen, wenn sie in Not sind. Darüber hinaus kann Gott uns jedoch im Leiden – selbst im ungerechten Leiden – Dinge lehren, die wir auf keine andere Weise lernen könnten. Gott kann Leiden in einem Bereich auch dazu nutzen, ein Problem oder eine Sünde in einem anderen Bereich zu beseitigen.
F: Was sagt Elihu in Hiob 37,14–23 hier anders?
A: Elihu sagt: Hören Sie auf, so viel zu reden. Hören Sie zu und denken Sie über die Wunder Gottes nach.
F: In Hiob 37,18: Inwiefern gibt es eine feste Kuppel über der Erde?
A: Dies ist ein Gleichnis, das den Himmel mit einem klaren Spiegel vergleicht. Damals wurden Spiegel aus hochglanzpoliertem Metall hergestellt, da es noch keine Glasspiegel gab.
F: Warum hat Gott in Hiob 38,1 Hiob nicht schon früher geantwortet?
A: Die Heilige Schrift gibt zwar keine Antwort darauf, doch es könnte mindestens vier Gründe geben.
Erstens würde die Tatsache, dass Elihu vor Gott sprach, zeigen, dass Gott sich nicht verpflichtet fühlte, direkt auf Hiobs Anschuldigungen zu antworten.
Zweitens betete Hiob nicht so sehr zu Gott, als dass er Anschuldigungen gegen Gott vorbrachte.
Drittens schien niemand in diesem Buch eine Stimme des Lobes zu haben und geduldig auf Gott zu warten, bis Elihu das Wort ergriff.
Viertens stellte Gott Hiob auf die Probe (wie in Daniel 3,16–18), während Er zugleich Seine uneingeschränkte und vollständige Macht über Satan demonstrierte (Johannes 12,31; Jakobus 4,7).
Im Gegensatz zu den drei Freunden Hiobs sollten wir Gott bitten, uns in unseren Gedanken und Gesprächen Erleuchtung zu schenken. Wir müssen um Weisheit und Erleuchtung beten, wie es in Epheser 1,15–23 heißt.
F: Warum ist es in Hiob 38,1 angemessen, dass Gott aus einem Sturm heraus spricht?
A: Das Buch Hiob begann mit einem Sturm, den Satan nutzte, um Hiobs Kinder zu töten. Nun endet es also mit der Kraft eines Sturms, in dem Gott erscheint und direkt zu ihm spricht. Der Weg des HERRN liegt im Wirbelwind und im Sturm (Nahum 1,3).
F: Warum fragt Gott in Hiob 38,2 zunächst, wer ohne Erkenntnis Gottes Ratschluss verdunkelt?
A: Als Hiob sagte, Gott sei sein Feind geworden, hätte er damit andere Menschen nur verwirrt. Hiob hatte Gott um seinen Tag vor Gericht gebeten. Nun, da er ihn bekommen hat, ist Hiob entsetzt. Hiob beginnt gerade erst zu erkennen, dass er gegenüber Gott arrogant war, und er weiß, dass dies keine gute Lage ist.
Die Bibel warnt uns vor Stolz in Psalm 75,4–5; Sprüche 13,10; 29,23 und 30,13. Wir sollen uns nicht in unseren eigenen Augen für weise halten (Sprüche 3,7; 26,12; 28,11; Römer 12,16).
Doch Hiob würde sich schließlich darüber freuen, dass Gott zu ihm sprach. Nun weiß Hiob, dass er nicht allein ist; Gott steht ihm zur Seite. Auch in Jesaja 41,10; Psalm 73,23 sowie Johannes 14,18 und 16,32–33 heißt es, dass Gott mit uns ist.
F: Warum hat Gott in Hiob 38,3–39,30 nicht darauf gewartet, dass Hiob jede Frage beantwortete, und warum hat Gott Hiob nicht einfach gesagt, was an dessen Aussagen falsch war?
A: Gott antwortete auf Hiobs Vorwürfe. Doch anstatt Erklärungen zu geben, antwortete Gott Hiob, indem Er selbst achtzig rhetorische Fragen stellte, die von Hiobs Identität bis zu seinen Fähigkeiten reichten. Stellen Sie sich einmal kurz vor, Sie würden eine Abschlussprüfung für ein Studium ablegen, die gesamte Prüfung bestünde nur aus diesen 80 Fragen, und Sie wüssten auf keine einzige davon die Antwort! Wie würden Sie sich fühlen? Wahrscheinlich ein wenig wie Hiob in dieser Situation. Hiob verdunkelte ohne es zu wissen Gottes Ratschluss, und Gott zeigte Hiob, wie dessen begrenztes Verständnis Gottes Ratschluss verdunkelte, bevor Er ihn erleuchtete.
Es ging nicht darum, dass Hiob die Fragen beantwortete, oder darum, dass Gott Hiobs Fragen beantwortete, die jeweils auf Unwissenheit beruhten. Es ging darum, dass Hiob erkennen sollte, dass er keine einzige von Gottes Fragen beantworten konnte. Wenn Hiob den Skeptiker spielen wollte, dann konnte Gott seinerseits skeptisch gegenüber dem sein, was Hiob wusste, indem er zeigte, dass Hiob, obwohl er gerecht war, nach seinem eigenen Verständnis wenig oder gar nichts wusste. Gott erklärte Hiob seine Wege nach wie vor nicht; vielmehr zeigte Gott seine Wege ohne eine Erklärung, zu der er nicht verpflichtet war. Soweit wir wissen, offenbarte Gott Hiob in Hiob Kapitel 1 niemals die Situation mit Satan.
F: In Hiob 38,2: Inwiefern hat Hiob Gottes Ratschluss verschleiert?
A: Dies bedeutet NICHT, dass Hiob irgendetwas an Gottes eigenem Ratschluss im Himmel verschleierte oder behinderte. Vielmehr „trübte Hiob das Wasser“ hinsichtlich der Weisheit, die Gott anderen offenbart hatte. Im Allgemeinen gilt: Wenn jemand, der als Christ gilt, Dinge über Gott sagt, die Gott nie gelehrt hat, weil sie nicht wahr sind, dann verdunkelt auch dieser ohne es zu wissen Gottes Ratschluss und trübt das Wasser für sich selbst und andere.
Hiob hatte falsche Dinge über Gott gelehrt. Hiob hatte gesagt, dass er zwar gerecht sei, Gott jedoch ungerecht; dass er zwar gottesfürchtig sei, Gott aber sein Feind sei. Hiob hatte voreilige Schlüsse gezogen und anmaßend gesprochen, obwohl er nicht alle Fakten darüber kannte, was hinter seinem Leiden vor sich ging.
Allgemeiner gesagt: Manche Menschen verschleiern Gottes Ratschluss, wenn sie vergessen, dass wir nach Gottes Ebenbild geschaffen sind, und versuchen, Gott nach ihrem eigenen Ebenbild zu gestalten. Hiob verschleierte Gottes Ratschluss jedoch noch auf eine zweite Weise: Hiob sagte Dinge über Gott, um sein Leiden zu rechtfertigen, sich selbst zu rechtfertigen und Gott als ungerecht zu bezeichnen.
Gott sprach nicht nur zu Hiob, sondern auch zu seinen drei Freunden. Und in gewisser Weise spricht Gott hier auch zu den Menschen von heute, denn dies geschieht ständig. Wenn Menschen Dinge als gut bezeichnen, die Gott als böse bezeichnet, oder Dinge als böse, die Gott als gut bezeichnet, verschleiern sie Gottes Ratschluss. Wenn sie Gottes Wesen oder Güte in Frage stellen und stattdessen versuchen, ihren eigenen Maßstab durchzusetzen, versuchen sie bewusst, Gottes Ratschluss zu verschleiern. In Jakobus 3,7–10 werden wir ermahnt, sehr auf unsere Zunge zu achten.
Seien Sie also nicht zu streng mit Hiob und seinen Freunden, denn sie sind kein Einzelfall. Der Durchschnittsmensch von heute weiß wahrscheinlich noch viel weniger über Gottes Ratschluss als Hiobs Freunde. Dieser Zustand der Unwissenheit zieht seine eigenen Konsequenzen nach sich, wie Paulus in Römer 1,18–23 schreibt.
F: Wie sieht der Ablauf bzw. die Gliederung der Kapitel in Hiob 38,2–39,30 aus?
A: Diese Verse sind in der Reihenfolge angeordnet, in der Gott als Herr der Natur dargestellt wird.
Hiob 38,4–15: Gott ist der Schöpfer
- - - der Erde (4–7),
- - - des Meeres (8–11) und
- - - von Tag und Nacht (12–15)
Hiob 38,16–38 Gott herrscht über die unbelebten Dinge.
- - - über die Tiefen des Meeres und die Weiten des Himmels (16–18),
- - - Licht und Finsternis (19–21)
- - - das Wetter, Schnee, Hagel, Wind, Regen, Donner und Frost (22–30)
- - - die Sterne in ihren Sternbildern (31–33) und
- - - Starke Regenfälle und Überschwemmungen (34–38).
Hiob 38,39–39,30 Gott herrscht über das Leben
- - - Nahrung für Tiere wie den Löwen und den Raben (38:39–41),
- - - Fortpflanzung, etwa bei den wilden Bergziegen und Rehen (39:1–4),
- - - Wilde Freiheit, wie beim wilden Esel im Vergleich zum zahmen Esel (5–8),
- - - Große Kraft, wie etwa beim wilden Ochsen im Vergleich zum zahmen Ochsen (9–12),
- - - Schnelle Tiere wie der Strauß und das Kriegspferd (13–25) sowie
- - - Schnell fliegende Raubtiere wie die Falken und Adler (oder Gänsegeier) (26–30)
Auch Elifas spielte in Hiob 15,7–9 auf den ersten Teil an, als er Hiob fragte, ob er der erste geborene Mensch sei, älter als die Berge, oder ob er den Ratschluss Gottes kenne.
F: Was wollte Gott in Hiob 38,2–41,34 damit zum Ausdruck bringen?
A: Hier ist eine kurze Zusammenfassung der 80 Fragen, die Gott an Hiob richtet.
(38–39) Hiob, warum verdunkelst du meinen Rat mit Worten ohne Erkenntnis? Wo warst du, als ich die Erde, das Meer, die Morgenröte, den Tod, das Licht, den Schnee, die Blitze, die Sterne, die Wolken und die Tiere schuf? Willst du mit Gott streiten und ihn zurechtweisen?
(40:1–5) Hiob sagt, er habe keine Antwort für Gott.
(40:6–41:34) Dann antworten Sie mir doch auf Folgendes: Wenn Sie Gottes Urteil aufheben, um sich selbst zu rechtfertigen, möchten Sie dann die Aufgabe übernehmen, Richter zu sein (und Ihre Urteile durchzusetzen)? Können Sie den Behemoth (das Nilpferd) erschaffen oder den Leviathan (das Krokodil) hervorholen? Können Sie mit ihm spielen wie mit einem Vogel oder ihn an die Leine nehmen?
F: Stützt Hiob 38,31–32 die Astrologie?
A: Nein. Astrologie ist eine Sünde, bei der man törichterweise versucht, anhand der Sterne, die Millionen Meilen entfernt sind, die allgemeinen Eigenschaften und die „Zukunft“ von Menschen vorherzusagen.
Lesen Sie keine Horoskope in der Zeitung, im Internet oder anderswo.
Die Astronomie hingegen – das Betrachten der Sterne, um über ihren Schöpfer nachzudenken, und die Nutzung der Sterne zur Einteilung der Jahreszeiten – steht im Gegensatz zur Astrologie nicht im Widerspruch zur Bibel. Tatsächlich war es in Ägypten von großer Bedeutung, anhand der Sterne zu bestimmen, wann der Nil über die Ufer treten würde und wann die Aussaat erfolgen sollte. Das Feststellen des Beginns einer Jahreszeit ist kein Versuch, das eigene Leben vorherzusagen. Vielmehr ist die Anzeige der Jahreszeiten durch die Sterne eine Art und Weise, wie Gott durch Seine Eigenschaften für uns sorgt – vorausgesetzt, wir erkennen Seine Schöpfung an und nutzen sie in angemessener Weise.
F: Welche Bedeutung haben die Plejaden in Hiob 38,31?
A: Die Plejaden sind ein dichter Sternhaufen. Es ist erstaunlich, dass sich so viele Sterne auf einem Raum befinden können, der von der Erde aus betrachtet so klein erscheint. Warum dehnen sie sich nicht aus, sodass sie wie andere Sterne aussehen? Wie verhindern sie, dass sie ineinander kollabieren? Zudem markierte der heliakische Aufgang der Plejaden zu jener Zeit den Beginn des Frühlings.
Der jüdische Philosoph Philo (15/20 v. Chr. – 50 n. Chr.) erwähnt jedoch den Untergang der sieben Sterne der Plejaden als Zeitpunkt der Aussaat und den Aufgang der Plejaden als Erntezeit. In: „On the Creation“ 38:115, S. 17.
Nebenbei bemerkt: Der japanische Automobilhersteller Subaru hat seinen Namen von den Plejaden in der japanischen Sprache.
F: Was bedeutet „Mazzaroth/Mazzaloth“ in Hiob 38,32 und 2. Könige 23,5?
A: Es wird angenommen, dass es sich hierbei um dasselbe wie „Mazzaloth“ (mit „l“ statt „r“) in 2. Könige 23,5 handelt. Während einige wenige der Ansicht sind, dies könnte sich auf die Planeten beziehen, ist damit höchstwahrscheinlich die Abfolge der Sternbilder gemeint, die Gott zu ihrer jeweiligen Jahreszeit erscheinen lässt. Die Sterne sind Gottes Werk, wie Psalm 147,4, Nehemia 9,6, Jesaja 40,26 und 45,12 zeigen.
F: Verlassen/verlassen die Strauße in Hiob 39,14 hier ihre Eier oder legen sie ihre Eier hier ab?
A: In einigen Übersetzungen von Hiob 39,14 heißt es, der Strauß „legt seine Eier“. Ein Homonym des hebräischen Wortes für „legen“ ist jedoch „verlassen“. Eine gute Übersetzung, die beide Bedeutungen erfasst, lautet „lässt seine Eier zurück“, wie es die BSB wiedergibt.
F: Was ist in Hiob 39,13–15 das Besondere am Strauß?
A: Strauße sind seltsam aussehende Vögel. Es sind große Vögel, sieben oder acht Fuß hoch, mit großen Flügeln, die ihnen beim Fliegen nicht helfen. Es kann vorkommen, dass mehrere Strauße ihre Eier in dasselbe Nest legen. Ist kein Platz vorhanden, legen sie ihre Eier auf den Sand außerhalb des Nestes. Oft treten Straußenmütter, die bis zu 300 Pfund wiegen, auf ihre eigenen Eier. Manchmal brütet eine Straußenmutter andere Eier aus und vergisst dabei, welche ihre eigenen sind. Die Straußenmutter „geht hart mit ihren Jungen um“, indem sie ihre einjährigen Strauße vertreibt, wenn die Paarungszeit beginnt. Dennoch überleben Strauße. Sie können 40 Meilen pro Stunde laufen, was schneller ist als ein Pferd. Wie würde Hiob es wohl finden, ein solches Tier überhaupt zu erschaffen?
Ein Strauß ist ein Paradoxon, denn er offenbart das schöpferische Genie Gottes, verfügt jedoch selbst über keine Weisheit.
F: In Hiob 39,1–30 hätte Gott etwa sagen können: „Hiob, lass mich dir alles erklären. Satan hat deine Integrität in Frage gestellt, und dein Leiden hat mich verherrlicht, indem es Satan bloßgestellt hat.“ Doch Gott tat dies nicht. Warum?
A: Gott lag offenbar weniger daran, dass Hiob die Gründe für sein Leiden erfuhr, als vielmehr daran, zwei falsche Einstellungen von Hiob zu korrigieren. Erstens, dass Hiob annahm, er könne die Antwort auf alles anhand seines eigenen begrenzten oder fehlerhaften Verständnisses ergründen. Zweitens, dass Hiob es verdient hätte, eine Antwort zu erhalten. Stattdessen reicht es aus, die Majestät und Herrlichkeit Gottes zu sehen und zu erkennen, selbst wenn wir keine Antwort haben.
Hiob war ein gottesfürchtiger Mann, doch selbst ein gottesfürchtiger Mensch kann Korrektur benötigen.
Falls Gott Hiob oder seinen Freunden vor ihrem Tod jemals von seinem Gespräch mit Satan berichtet haben sollte, schweigt das Buch Hiob darüber. Höchstwahrscheinlich starben sie, ohne davon zu wissen. Glauben Sie, dass Gott und Satan oder ein anderer Dämon jemals ein Gespräch über Sie geführt haben?
F: Welche Gemeinsamkeiten gibt es zwischen Hiob 38,1–39,30 und 1. Mose 3,8–13.21?
A: In beiden Fällen wurden schlechte Ratschläge von denen gegeben, die Gottes Wege kannten: Hiob und seine drei Freunde im Buch Hiob sowie Satan in Genesis 3 – ebenso wie die Folgen von Satans „Wette“ mit Gott in Hiob 1,6–12. Hier sind weitere Gemeinsamkeiten:
a) Beide Geschichten beginnen für die menschlichen Figuren in einer Art Paradiesgarten, den Gott geschaffen hat.
b) Das Böse in Gestalt Satans ist in beiden Geschichten der Antagonist.
c) Eva und wahrscheinlich auch Adam versuchen nicht, Gott aus ihrem Leben zu entfernen, sondern vielmehr, in begrenztem Maße Gottes Platz einzunehmen, indem sie Gut und Böse erkennen. Hiob und seine drei Freunde glaubten, sie könnten aus einer Perspektive wie der Gottes alles sehen und verstehen, und maßen sich zudem an, über Hiobs Lage zu urteilen und ihm die Schuld zu geben – in gewisser Weise ähnlich wie die Schuldzuweisungen von Adam und Eva.
d) In beiden Fällen berücksichtigen und schätzen die Hauptakteure unter den Menschen ihre selbst zugeschriebene Erlangung von Gottes Wissen oder deren Fehlen (im Fall von Hiob und Eva), anstatt auf Gott und Seine Weisheit zu vertrauen.
e) In beiden Fällen ist dies sündhaft und beruht in hohem Maße auf menschlichem Stolz.
f) In beiden Fällen spielt der Tod eine wesentliche Rolle: in Genesis 3 als Folge und im Buch Hiob als vorangegangenes Ereignis und als Wunsch.
g) In beiden Fällen beginnt Gott zunächst mit einer Frage: „Wer ist dieser, der meinen Rat durch Worte ohne Erkenntnis verschleiert?“ in Hiob und an Adam: „Wo bist du?“ in Genesis 3,9. Selbstverständlich waren Gott die Antworten auf diese Fragen bereits im Voraus bekannt. Gottes „Kreuzverhör“ jedes Zeugen erforderte Selbstprüfung und Buße von Adam, Eva und Hiob, von denen jeder die Konsequenzen für seine jeweilige Verfinsterung von Gottes Rat zu tragen hatte, bedingt durch ihr Gefühl der Selbstgenügsamkeit, ihres Anspruchsdenkens und der daraus resultierenden Sündhaftigkeit.
h) Gott gebot Hiob, wegen der sündigen Worte seiner drei Freunde (nicht Elihus) ein Opfer für sich selbst und diese drei Freunde darzubringen. In Genesis 3,21 fertigte Gott für Adam und Eva Gewänder aus Tierhäuten an. Woher kamen diese Tierhäute? Tiere mussten sterben. Wir bringen Gott Opfer dar, weil Er uns zuerst nach Seinem Ebenbild geschaffen hat, was unter anderem Seine Bereitschaft bedeutet, durch Seinen Sohn ein Opfer für uns zu bringen.
In ähnlicher Weise stellt Gott uns vielleicht jeden Tag dieselbe Frage: Wo seid ihr? Wir sollten uns täglich selbst prüfen (2. Korinther 13,5), wo wir auf unserem Weg mit dem Herrn stehen. Bleiben wir zurück – aufgrund von Gleichgültigkeit, Ablenkung durch andere Interessen oder der Knechtschaft der Sünde? Laufen wir „voraus“ (2. Johannes 9), indem wir entweder versuchen, über Wissen zu spekulieren, das Gott nicht offenbart hat, oder aber hart daran arbeiten, Gottes Werk zu erkennen und zu tun, ohne die Kraft des Herrn? Sind wir den Worten und dem Geist von Sprüche 3,5–6 treu? Doch anstatt „unser Werk für Ihn“ auf unsere ganz eigene Art und Weise zu tun, wie wir es gerne tun möchten, sollten wir „Sein Werk“ so tun, wie Er es von uns erwartet.
F: Was ist in Hiob 40,1–41,34 die Botschaft Gottes in diesen Versen?
A: Gott fragt Hiob, wie er mit dem Bösen umgehen würde. Was Hiob mit Barmherzigkeit und Gericht tun würde, ist nicht das Hauptthema; vielmehr geht es darum, was Hiob überhaupt tun kann. Haben Sie jemals zugelassen, dass das Böse ungehindert weiterwirkt, weil Sie wussten, dass ein Eingreifen Gefahr oder Verlust für Sie selbst oder Ihre Familie bedeuten könnte? Doch anstatt dass Hiob versucht, sich gegen Gott zu stellen, warum sollte Hiob nicht gegen etwas anderes antreten, das im Vergleich dazu relativ unbedeutend ist – etwa gegen den Behemoth oder den Leviathan?
F: Wer ist in Hiob 40,2 „der Nörgler“?
A: Im unmittelbaren Kontext ist dies offensichtlich Hiob selbst, insbesondere nachdem Hiob Gott in Hiob 10,2 und 23,6 vorgeworfen hatte, mit ihm zu streiten. Im weiteren Sinne kann dies jedoch auf jeden verallgemeinert werden, der Gott hinterfragen und mit ihm streiten möchte.
F: Warum sprach Hiob in Hiob 40,3–5 nicht mehr, so wie er es zuvor im Buch so oft getan hatte?
A: Hiob sagte in Hiob 40,5 bewusst, dass er nicht mehr sprechen wolle. Vielleicht erkannte Hiob, dass er sich umso tiefer in eine Sackgasse manövrierte, je mehr er redete. Seine bisherigen Äußerungen konzentrierten sich darauf, sich selbst zu rechtfertigen und Gott der Ungerechtigkeit zu bezichtigen. Nun sah er ein, dass ihn diese Reden nicht weiterbringen würden. Hiob erkennt nun, dass er – indem er darauf bestand, alles Geschehene verstehen zu müssen – versuchte, eine Aufgabe zu übernehmen, die nicht ihm, sondern Gott zustand.
Es kann Zeiten geben, in denen wir töricht sind oder den Kontext völlig missverstehen, und dann ist es vielleicht das Beste für uns, einfach zu schweigen.
F: Wie würden Sie in Hiob 40,3–5 erkennen, ob Sie mit Ihrem Protest „zu weit gegangen“ sind?
A: Schauen Sie sich zunächst einmal um und betrachten Sie die anderen. Seien Sie nicht wie derjenige, der sich bei Gott darüber beschwert, dass er kein süßes Dessert hat, während jemand anderes gar nichts zu essen hat.
F: Könnte ein Mensch in Hiob 40,4–5 gottesfürchtig sein und gleichzeitig hochmütig?
A: Ja, aber das ist kein schönes Bild; es kann sowohl für Nichtgläubige als auch für Gläubige ein echter Abturner sein. Hiob war ein gottesfürchtiger Mann, der anderen die Wahrheit über Gott lehrte. Doch wenn man das Buch Revue passieren lässt, war Hiob nicht in einer einzigen Hinsicht arrogant, sondern in vielerlei Hinsicht. Hiob war arrogant in der Annahme, er habe alles, was er brauchte, um alles zu verstehen, was mit ihm geschah. Wenn die Dinge auf der Grundlage der ihm zur Verfügung stehenden Informationen keinen Sinn ergaben, warf Hiob Gott die Schuld zu. Offenbar kam es Hiob – und übrigens auch seinen drei Freunden – nie in den Sinn, dass es wichtige Informationen geben könnte, die sie nicht kannten. Wie Sie im Buch Hiob sehen können, können die Funken sprühen, wenn ein arroganter Mensch mit einem anderen spricht.
Noch eine Anmerkung: Es besteht ein Unterschied zwischen jemandem, der durch und durch arrogant ist, und jemandem, der zwar im Allgemeinen kein arroganter Mensch ist, sich in einigen Bereichen jedoch dennoch arrogant verhält. Jemand, der generell arrogant ist, versucht möglicherweise, sein Selbstwertgefühl ausschließlich daraus zu beziehen, dass er besser ist als andere. Ein Mensch kann jedoch bescheiden sein, indem er erkennt, dass Gott das Wichtigste ist, und andere für wichtiger hält als sich selbst (Philipper 2,3). Es ist in Ordnung, zu erzählen, was Sie erreicht haben. Doch wenn Sie das nächste Mal den wirklich, wirklich starken Drang verspüren, jemandem zu erzählen, wie großartig Sie in einer bestimmten Sache sind (oder waren), halten Sie einen Moment inne und fragen Sie sich, was diesen starken Drang antreibt. Könnte es Arroganz in einem bestimmten Bereich sein? Wenn ja, warum hören Sie dann nicht auf, über sich selbst zu sprechen, und fragen stattdessen nach dem anderen?
Seien Sie nicht wie der alleinstehende Mann aus einem Witz, der sich mit einer Frau verabredete und die erste Hälfte des Dates damit verbrachte, ausschließlich über sich selbst zu sprechen. Dann sagte er: „Nun, genug davon, dass ich über mich selbst rede. Warum erzählen Sie mir jetzt nicht etwas über mich?“
Wenn Sie einen gottesfürchtigen Menschen sehen, der arrogant ist, versuchen Sie nicht, seine Gottesfurcht zu leugnen, wie es Hiobs Freunde taten. Dennoch müssen Sie seine Arroganz ansprechen, wie es Elihu und später der Herr taten.
F: Was meinte Hiob in Hiob 40,4–5 damit, als er sagte, er habe einmal, ja sogar zweimal gesprochen und werde nicht mehr sprechen?
A: Dies sind in semitischen Sprachen übliche Redewendungen. Das bedeutet nicht, dass Hiob sagte, er würde nie wieder sprechen. Doch Hiob erkannte, was jemand zu Beginn des 20. Jahrhunderts sagte: Ihre Arme sind zu kurz, um mit Gott zu boxen.
F: Wie verurteilen manche Menschen heute in Hiob 40,8 Gott, um sich selbst zu rechtfertigen?
A: Dies kann auf verschiedene Weisen geschehen. Erstens kann die Schilderung der eigenen Situation durch einen Menschen irgendwann sündhaft werden, da damit behauptet wird, Gott sei ungerecht. Es ist in Ordnung, die eigene Integrität zu verteidigen, aber nicht, Gottes Gerechtigkeit in Verruf zu bringen.
Zweitens – und das ist noch schlimmer – verurteilen manche Gott als böse, um ihr eigenes böses Verhalten zu entschuldigen.
F: Was ist in Hiob 40,15, 21–22 ein „Behemoth“?
A: Das Wort bedeutet „Tier“, und die Endung deutet auf ein mächtiges Tier hin. Hiob beschreibt es als ein riesiges, pflanzenfressendes Landtier, das im Schilf lebt. Das Nilpferd ist das zweitgrößte heute lebende Landtier, und da Nilpferde in Ägypten leben, könnte es sich um ein Nilpferd handeln. Manche könnten vermuten, es handele sich um einen Elefanten, und den „Schwanz“ als Rüssel interpretieren. Es handelt sich jedoch um ein Nilpferd, da es im Schilf eines Sumpfes verborgen ist und Elefanten nicht wie Nilpferde unter Wasser bleiben. Eine andere Ansicht besagt, dass es sich um einen Dinosaurier handeln könnte, und die Menschen damals wie auch heute haben Dinosaurierknochen gesehen. Große Dinosaurier wie der Brachiosaurus lebten in den Sümpfen, da sie Wasser benötigten, um ihr enormes Gewicht zu tragen, und die Menschen der Antike konnten Dinosaurierknochen finden.
F: Was ist der Leviathan in Hiob 41,1?
A: Leviathan ist ein großes Meerestier, wahrscheinlich ein Krokodil. Im übertragenen Sinne galt Leviathan als großes Seeungeheuer. In Jesaja 27,1 war Leviathan ein kanaanitisches Symbol für gottlose Nationen wie Ägypten. Die Bibel und heidnische Quellen unterschieden sich darin, dass heidnische Quellen an die tatsächliche Existenz mythologischer Wesen glaubten, während die biblischen Autoren die Begriffe in einem rein bildlichen und metaphorischen Sinn verwendeten. Die englische Literatur des 17. Jahrhunderts und früher verwendete mythologische Anspielungen häufig auf ähnliche Weise.
F: Was könnten die Lichtblitze in Hiob 41,18 hier bedeuten?
A: Wenn ein Krokodil, das etwa fünf Minuten unter Wasser bleiben kann, auftaucht und das Wasser aus seiner Nase ausstößt, kann dies im Sonnenlicht wie Lichtblitze aussehen. Die Augen des Krokodils schimmern, ähnlich wie bei Katzen und vielen Reptilien. Die funkelnden Augen hinter dem „Rauch“, der aus seinen Nasenlöchern austritt, können diesen Eindruck erwecken. Nebenbei bemerkt: In Ägypten harpunierte ein neuer Pharao bei seiner Krönung ein Nilpferd und manchmal auch ein Krokodil (mit Hilfe anderer). Dies symbolisierte die angebliche Kontrolle des Pharaos über das Chaos.
F: Waren in Hiob 42,1–17 die Leiden Hiobs – sowohl in familiärer als auch in gesundheitlicher Hinsicht – eine Versuchung oder eine Prüfung zur Charakterbildung?
A: Betrachten wir zunächst die Versuchungen, bevor wir die Frage beantworten. Es gibt viele verschiedene Arten von Versuchungen; manche sind von kurzer Dauer, manche lang, manche sind mild, und manche sind schwerwiegend. In jeder Prüfung liegt die Versuchung, aufzugeben, wie Hiobs Frau ihn dazu drängte, einfach „Gott zu verfluchen und zu sterben“.
Eine Prüfung kann charakterbildend sein, muss es aber nicht. Dieselbe Prüfung kann für verschiedene Menschen charakterbildend oder charakterzerstörend sein, je nachdem, wie sie darauf reagieren. Doch anstatt auf seine Frau zu hören, vertraute Hiob weiterhin auf Gott – wenn auch nicht vollkommen –, und Hiobs Prüfung war charakterbildend.
Womit kämpfen Sie heute? Es kann charakterbildend oder charakterzerstörend sein – „alles hängt von Ihrer Abhängigkeit ab“. Verlassen Sie sich in dieser Prüfung auf Gott, oder versuchen Sie, den Weg allein, ohne Gott, zu gehen?
F: Warum war Hiobs Reaktion in Hiob 42,1–6 angemessen?
A: Hiob lernte, sich Gott nicht mehr als „majestätischer Fürst“ zu nähern, wie er es in Hiob 31,37 getan hatte. In Hiob 42,1–6 räumte Hiob ein, dass es anmaßend von ihm gewesen war, Gott zu beschuldigen, und es tat ihm aufrichtig leid, was er gesagt hatte. Gott sagt nicht, dass jedes einzelne Wort Hiobs im Buch Hiob angemessen war (das war es in der Tat nicht), sondern dass Hiobs abschließende Reaktion angemessen war.
F: Wie konnte Hiob in Hiob 42,5 Gott sehen und am Leben bleiben, da in 2. Mose 33,20 steht, dass niemand Gott sehen und am Leben bleiben kann?
A: Hiob sagt nicht, dass er Gott physisch in einer bestimmten Gestalt gesehen habe. Vielmehr erlebte Hiob Gott auf eine Weise, die ihm näher war als zuvor. Die Erfahrung, die Hiob hier machte, unterschied sich grundlegend von den früheren philosophischen Überlegungen Hiobs und seiner drei Freunde. Der Christ Blaise Pascal sprach vom Unterschied zwischen „dem Gott der Philosophen und dem Glauben an den lebendigen Gott, der sich selbst offenbart“.
F: Was genau verachtete Hiob in Hiob 42,6?
A: Das Wort „mich selbst“ kommt im Hebräischen nicht vor. Hiob könnte damit sagen, dass er seine früheren Worte verachtet, oder aber, dass er sich selbst dafür verachtet, diese Worte gesagt zu haben. Es könnte auch bedeuten: „Ich lehne ab, was ich gesagt habe“.
F: In Hiob 42,7–8 entbrannte Gottes Zorn gegen die drei Freunde Hiobs wegen dessen, was sie gesagt hatten, um Gott zu verteidigen. Auf welche Weise könnten Menschen heute versuchen, Gott zu verteidigen, und dabei mehr Schaden als Nutzen anrichten?
A: Mit diesem Vers wechselt das Buch von der Poesie zur Prosa. Hiobs drei Freunde hatten Hiob vorgeworfen, vor Gott gottlos zu sein. Sie glaubten, Gott zu dienen und einem ungerechten Mann zu helfen. Doch in einer überraschenden Wendung weist Gott Hiob an, für ihre Sünden Opfer darzubringen. Zur Betonung nennt Gott Hiob in Hiob 42,7–8 viermal „mein Knecht Hiob“.
F: Wann sollten wir in Hiob 42,8–10 darum beten, dass Gott anderen vergibt?
A: Seltsamerweise gibt es, während Hiobs Freunde ihm ununterbrochen ins Ohr redeten, keinen Hinweis darauf, dass sie jemals für ihn gebetet hätten. Doch Gott forderte Hiob hier auf, für seine Freunde zu beten. Fünf Punkte, die bei der Antwort zu berücksichtigen sind.
1. Gott hat das Recht, zu vergeben oder nicht zu vergeben, Barmherzigkeit zu erweisen oder dies zu verweigern (Römer 9,11–18).
2. Die einzige Einschränkung ist die von Ihm selbst gesetzte Grenze Seiner Gerechtigkeit.
3. Gott beschließt, allen zu vergeben, die in Reue zu ihm kommen.
4. Allerdings benötigt ein Mensch Gottes Gnade, um überhaupt zu Ihm zu kommen. Gott entscheidet sich, einzugreifen, um manche zur Umkehr zu führen, bei anderen greift Er nicht ein.
5. In Apostelgeschichte 7 betete Stephanus darum, dass Gott denjenigen vergebe, die ihn getötet hatten, und auch wir sollten darum beten, dass Gott anderen gegenüber mit Seiner Barmherzigkeit eingreift.
F: Wie konnten in Hiob 42,10 Hiobs Segnungen verdoppelt werden, da er doch nur zehn Kinder hatte, um die zehn zu ersetzen, die er verloren hatte?
A: Gäbe es kein Leben nach dem Tod, wäre dies ein berechtigtes Problem. Doch dies verdeutlicht einen interessanten Punkt: Wären Hiobs erste zehn Kinder in Hiob 1,2 gläubig gewesen, hätte Hiob zwanzig Kinder im Himmel, und sein Segen wäre verdoppelt.
F: Trösteten sie Hiob in Hiob 42,11 wegen des Leids, das Satan über ihn gebracht hatte, oder wegen des Leids, das Gott über ihn gebracht hatte? Ist es zulässig zu sagen, dass Gott das Leid gebracht hat?
A: Auch wenn Satan die unmittelbarere Ursache für Hiobs Leid war, hat Gott es auf indirekte Weise „herbeigeführt“, indem Er es zuließ. Der entscheidende Punkt war nicht das Leid selbst, sondern Hiobs Reaktion darauf. Es ist nicht so, dass Hiob einfach gesagt hätte: „Ich will mein Hab und Gut zurück.“ Vielmehr wollte Hiob mit Gott sprechen, und Hiob gewann eine neue Sicht auf Gott. Und dann gab Gott ihm sein Hab und Gut zurück – und zwar doppelt so viel.
Nebenbei bemerkt: Offenbar hatten Hiobs Verwandte ihn als hoffnungslosen Fall abgeschrieben. Bis jetzt sind sie in dem Buch noch nirgendwo aufgetaucht.
F: Wie hat Gott in Hiob 42,11 das Böse über Hiob gebracht?
A: Gott brachte das Böse auf zwei Arten über Hiob.
Hiob wurde von körperlichem Unglück heimgesucht, und das Wort „Böses“ bedeutet im Hebräischen sowohl körperliches Unglück als auch moralisches Böses.
Gott gestattete einem moralisch bösen Wesen, dem Satan, Hiob zu bedrängen. Satan tat Böses, doch er musste Gott um Erlaubnis bitten, und Gott erteilte ihm diese Erlaubnis. Gott selbst beging kein moralisches Übel, sondern er gestattete dem Satan, Hiob auf die Probe zu stellen.
F: Wie lässt sich in Hiob 42,11–17 zusammenfassen, was mit Hiob geschah?
A: Hiobs Freunde waren der Ansicht, dass Leiden stets der Züchtigung diene, während Hiob glaubte, es diene der Vernichtung. Elihu meinte, es könne der Wegweisung dienen. Doch Gott nutzte es für ganz andere Zwecke: als Demonstration gegen Satan und zur Vertiefung von Hiobs Beziehung zu Ihm.
Betrachten Sie Hiobs Situation. Er ist sprachlos, nachdem er Gottes Majestät gesehen hat, und er bereut die unüberlegten Worte, die er zuvor gesprochen hatte. Hiob leidet immer noch unter körperlichen Beschwerden, er hat nach wie vor seinen gesamten Reichtum verloren, doch Hiob ist nun zufrieden, dass Gott zu ihm spricht. Nachdem er um Vergebung für seine drei Freunde und sich selbst gebetet hatte, begann Gott tatsächlich zu handeln: Er verdoppelte seinen Reichtum, schenkte ihm dieselbe Anzahl an Kindern und gewährte ihm noch viele weitere Lebensjahre, da er danach noch 140 Jahre lebte – womit sich möglicherweise auch seine Lebensspanne verdoppelte. Nachdem Hiob mehr von Gott gesehen hatte, konnte niemand mehr leugnen, dass Hiob reich gesegnet war.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Gott Hiob durch die Not eine neue Sicht auf sich selbst schenkte. Auch wir sollten uns eine neue Sicht auf Gott wünschen. Wie es in Hiob 13,15a heißt: „Auch wenn er mich tötet, werde ich auf ihn hoffen.“ (BSB)
F: Welche Bedeutung hat es in Hiob 42,15, dass seine Töchter so schön waren?
A: Gott segnete nicht nur Hiob wegen seiner Treue, sondern auch seine Familie wegen seiner Treue. Außerdem zeigt dieser Vers, dass körperliche Schönheit in Ordnung ist.
F: Welche der frühesten Handschriften des Buches Hiob sind heute noch erhalten?
Die Schriftrollen vom Toten Meer: (ca. 1 v. Chr.) Vier separate Abschriften gemäß „Dead Sea Scrolls Today“, S. 30, und dem „Wycliffe Bible Dictionary“, S. 436–438. Dabei handelt es sich um 2Q15, 4Q99, 4Q100 und 4Q101.
Insgesamt sind in den Schriftrollen vom Toten Meer die folgenden 292 Verse von insgesamt 1.071 Versen des Buches Hiob erhalten geblieben (27,3 %)
Hiob 3,5–6; 4,16–21; 5,1–4; 8,15–17; 9,27; 13,4, 19–20, 24–27; 14,4–6, 13–17; 17,14–16; 18,1–4; 19:11–19,20; 20:1–6; 21:2–10,20–27; 22:3–9,16–22; 23:1–8; 24:12–17,24–25; 25:1–6; 26:1–2, 10–14; 27:1–4, 11–20; 28:4–13, 20–28; 29:7–16, 24–25; 30:1–4, 13–20, x, 27–31; 31:1, 8–16, 26–32, 4–; 31:14–19; 31:20–21; 32:1–3, 10–17; 32:3–4; 33:6–16, 24–32; 33:10–11, 24–26, 28–30; 33:28–30; 34:6–17,24–34; 34:28–31; 35:5–15,16; 36:7–16,23–33; 37:1–5,10–19; 38:3–13,23–33; 39:1–11,20–29; 40:4–14,23–31; 41:15–26; 42:1–2,4–6,9–12. Weitere Einzelheiten finden Sie in „Die Bedeutung der Schriftrollen vom Toten Meer“.
Unter den Schriftrollen vom Toten Meer in Höhle 4 wurden aramäische Übersetzungen des Buches Hiob gefunden, die als Targume bezeichnet werden. „The Dead Sea Scrolls Today“, S. 32–33, und „The Dead Sea Scrolls Translated: The Qumran Texts in English“, 2. Auflage. Der Targum zu Hiob enthält kleine Fragmente aus Hiob 17,14–42,11, wobei laut „The Wandering Aramean“, S. 164, lediglich 37,10–42,11 vollständig erhalten sind. Außerdem sind laut „The Wandering Aramean“, S. 165, in einem weiteren Targum zu Hiob die Verse Hiob 3,4 sowie Hiob 4,16–5,4 erhalten geblieben. Die Schriftrolle 11QtgJob enthält die Verse 16,3; 18,23; 30,4 sowie weitere Verse.
Theodotion fertigte eine griechische Übersetzung des Alten Testaments an, die auch das Buch Hiob umfasst.
Symmachus und Aquila waren weitere Juden, die ebenfalls griechische Übersetzungen des Alten Testaments anfertigten, und sie nahmen das Buch Hiob mit auf.
Die christlichen Bibelhandschriften „Vaticanus“ (325–350 n. Chr.), „Sinaiticus“ (340–350 n. Chr.) und „Alexandrinus“ (um 450 n. Chr.) haben jeweils das gesamte Buch Hiob bewahrt.
Frage: Welche frühen Autoren bezogen sich auf Hiob?
Zu den vor-nicänischen Autoren, die auf Verse aus dem Buch Hiob Bezug nahmen oder darauf anspielten, gehören:
Philo der Jude aus Alexandria (15/20 v. Chr.–50 n. Chr.) zitiert Hiob 14,4 in „Über den Wandel der Namen“, Kap. 6 (47), S. 345.
Clemens von Rom (96–98 n. Chr.) zitiert Hiob 1,1 als „Von Hiob geschrieben“ in „1. Clemensbrief“, Kap. 17, S. 9.
Justin der Märtyrer (ca. 138–165 n. Chr.) erwähnt Hiob und Sacharja in „Dialog mit Trypho, dem Juden“, Kap. 103, S. 251.
Melito/Meleto von Sardes (170–177/180 n. Chr.): „Wie in Hiob, wo vom Teufel die Rede ist: ‚Er ist der Anfang der Wege des Herrn.‘“ (Hiob 40,19) Aus der „Rede über das Leiden unseres Herrn“, Fragment 8, S. 761
Theophilus von Antiochia (168–181/188 n. Chr.) zitiert Hiob 9,9 in „Theophilus an Autolycus“, Buch 1, Kap. 6, S. 91. An keiner anderen Stelle bezieht er sich auf Hiob.
Clemens von Alexandria (193–202 n. Chr.) zitiert Hiob 1,21 als ein Zitat aus dem Buch Hiob. „Stromata“, Buch 4, Kap. 25, S. 439
Tertullian (197–220 n. Chr.) erörtert die Leiden Hiobs und erwähnt Hiob namentlich. In „Über die Geduld“, Kapitel 14, S. 716
Tertullian (207/208 n. Chr.) spielt auf Hiob 1,12 an. „Fünf Bücher gegen Marcion“, Buch 5, Kap. 13, S. 456
Hippolyt (222–235/6 n. Chr.) zitiert Hiob 31,1 als aus dem Buch Hiob stammend in seinem „Kommentar zu den Sprüchen“, S. 173
Origenes (225–254 n. Chr.): „Auch im letzten (Kapitel) des Buches Hiob, in dem der Herr inmitten von Sturm und Wolken zu Hiob spricht, was in dem Buch festgehalten ist, das seinen Namen trägt“, Origenes, „Gegen Celsus“, Buch 6, Kap. 43, S. 593.
Cyprian, Bischof von Karthago (ca. 246–258 n. Chr.), zitiert aus Hiob als von Hiob stammend in den „Abhandlungen des Cyprian“, Abhandlung 12, drittes Buch, 1,14.
Cyprian von Karthago (ca. 246–258 n. Chr.) erörtert ausführlich Hiob 2,10 und 1,8 in den „Abhandlungen des Cyprian“, Abhandlung 7, Kap. 10, S. 471
Firmilian von Caesarea an Cyprian (256 n. Chr.) „Denn die Gnade Gottes ist mächtig genug, selbst jene Dinge, die durch eine beträchtliche Entfernung auf Erden getrennt zu sein scheinen, im Band der Nächstenliebe und der Einheit zu verbinden und zu vereinen – so wie die göttliche Kraft schon in alter Zeit Hesekiel und Daniel, obwohl sie jünger waren und durch einen langen Zeitraum von ihnen getrennt waren, im Band der Einmütigkeit mit Hiob und Noah verband, die zu den Ersten gehörten; sodass sie, obwohl sie durch lange Zeiträume voneinander getrennt waren, doch durch göttliche Eingebung dieselben Wahrheiten empfanden.“ Briefe des Cyprian, Brief 74.3, S. 390
Pontius (nach 258 n. Chr.) „Wenn Hiob, der durch Gottes Zeugnis verherrlicht wurde, als wahrer Anbeter Gottes bezeichnet wurde und als jemand, dem auf Erden niemand gleichkam, lehrte er, dass wir alles tun sollten, was Hiob zuvor getan hatte … Er, der den Verlust seines Vermögens verachtete, erlangte durch seine auf diese Weise auf die Probe gestellte Tugend einen solchen Vorteil, dass er die weltlichen Verluste nicht einmal in seinem Herzen wahrnahm. Weder Armut noch Schmerz konnten ihn brechen; die Überredungskünste seiner Frau hatten keinen Einfluss auf ihn; das schreckliche Leiden seines eigenen Körpers erschütterte seine Standhaftigkeit nicht.“ Das Leben und Leiden des Cyprian, Kap. 3, S. 268
Gregor Thaumaturgos (240–265 n. Chr.) spielt in „Eine Metaphrase des Buches Kohelet“, Kap. 5, S. 12–13, auf Hiob 20,20 und 1,21 an
Dionysius von Alexandria (246–256 n. Chr.) zitiert einen Teil von Hiob 14,1 als Schriftstelle. Aus den „Büchern über die Natur“, Fragment 3, S. 86.
Methodius von Olympus und Patara (270–311/312 n. Chr.) zitiert Hiob 38,14 (Septuaginta) und Hiob 10,8 als Worte Hiobs in „Das Festmahl der zehn Jungfrauen“, Rede 2, Kap. 2, S. 314
Nach dem Konzil von Nicäa
Aphrahat der Syrer (337–345 n. Chr.) zitiert Hiob 16,19 „wie Hiob sagte“. Ausgewählte Beweise, Kap. 22.10, S. 405
Athanasius (367, 325–373 n. Chr.): „Es gibt also im Alten Testament zweiundzwanzig Bücher; denn, wie ich gehört habe, wird überliefert, dass dies die Anzahl der Buchstaben bei den Hebräern ist; ihre jeweilige Reihenfolge und ihre Namen lauten wie folgt: Das erste ist Genesis, dann Exodus, als nächstes Levitikus, danach Numeri und schließlich Deuteronomium. Darauf folgen Josua, der Sohn Nuns, dann die Richter, dann Ruth. Und weiter folgen die vier Bücher der Könige, wobei das erste und zweite als ein Buch gezählt werden, ebenso das dritte und vierte als ein Buch. Auch das erste und zweite Buch der Chroniken werden als ein Buch gezählt. Ebenso bilden das erste und das zweite Buch Esra ein einziges Buch. Danach folgt das Buch der Psalmen, dann die Sprüche, anschließend das Buch Kohelet und das Hohelied. Es folgt das Buch Hiob, dann die Propheten, wobei die zwölf Propheten als ein einziges Buch gezählt werden. Dann Jesaja, ein Buch, dann Jeremia mit Baruch, die Klagelieder und der Brief, ein Buch, danach Hesekiel und Daniel, jeweils ein Buch. Dies alles bildet das Alte Testament.“ Athanasius, Osterbrief 39, Kap. 4, S. 552.
Pacian von Barcelona (342–379/392 n. Chr.) spielt auf Hiob 42,10 an. Brief 3, Kap. 24.1, S. 66
Ephraim (350–378 n. Chr.)
Basilius von Kappadokien (357–378/379 n. Chr.)
Cyrill von Jerusalem (ca. 349–386 n. Chr.)
Ambrosius von Mailand (370–390 n. Chr.)
Gregor von Nazianz (330–391 n. Chr.) erwähnt Hiob in seinem Gedicht über die Heilige Schrift. Gregors Gedicht ist (auf Griechisch) in Band 37 der „Patrologia Graeca“ von Migne, Spalten 471–474, zu finden (Carmina Dogmatica, Buch 1, Abschnitt 1, Carmen XII). Weitere Informationen finden Sie unter http://www.bible-researcher.com/gregory.html.
Der donatistische Ketzer Tyconius (nach 390 n. Chr.)
Gregor von Nazianz (330–391 n. Chr.)
Pacian (342–379/82 n. Chr.)
Gregor von Nyssa (ca. 356–397 n. Chr.)
Didymus der Blinde (398 n. Chr.) paraphrasiert Hiob 1,7–12; 2,2–6 als „das Buch Hiob“ – Kommentar zu Sacharja 3, S. 68–69
Syrisches Buch der Stufen (350–400 n. Chr.)
Rufinus (374–406 n. Chr.)
Hieronymus (373–420 n. Chr.) erörtert die Bücher des Alten Testaments. Er geht insbesondere auf Genesis, Exodus, Levitikus, Numeri, Deuteronomium, den Pentateuch, Hiob, Jesus, den Sohn Naves [Josua], Richter, Ruth, Samuel und die Könige (2 Bücher), die zwölf Propheten, Hosea, Joel, Amos, Obadja, Jona, Micha, Nahum, Habakuk, Zephanja, Haggai, Sacharja, Maleachi, Jesaja, Jeremia, Hesekiel, Daniel, Ester, Esra, Nehemia, Brief 53, Kap. 7–8, S. 99–101.
Konzil von Karthago (218 Bischöfe) (393–419 n. Chr.)
Epiphanius von Salamis (360–403 n. Chr.) war von der Zahl 22 geradezu besessen. Er listet die 22 (!) Bücher des Alten Testaments in folgender Reihenfolge auf: Pentateuch (5), Josua, Hiob, Richter, Ruth, Psalmen, Chronik (2), Könige (4), Sprüche, Prediger, Hohelied [Lied Salomos], Zwölf Propheten, Jesaja, Jeremia, Hesekiel, Daniel, Esra (2), Ester. Das Buch der Klagelieder passte nicht in sein konstruiertes System, daher stellte er die Klagelieder an das Ende. Dies sind die 39 Bücher, die wir heute haben.
Johannes Chrysostomos (-407 n. Chr.) bezieht sich auf Hiob 2,9 in „Hiob, Band 9: Über die Statuen“, Predigt 4.5, S. 366, und 4.10, S. 369
Orosius/Hosius von Braga (414–418 n. Chr.) bezieht sich auf Hiob 1,7 in: Hiob, „Verteidigung gegen die Pelagianer“, Kap. 20, S. 143
Der pelagianische Ketzer Theodor von Mopsuestia (392–423/429 n. Chr.)
Augustinus von Hippo (338–430 n. Chr.) bezeichnet Hiob 34,30 als „im Buch Hiob geschrieben“. Über das Wesen des Guten, Gegen die Manichäer, Kap. 32, Bd. 4, S. 358
Johannes Cassian (419–430 n. Chr.)
Frage: Inwieweit unterscheidet sich der masoretische Text im Buch Hiob von den aramäischen Targumen aus den Schriftrollen vom Toten Meer?
Sie sind einander sehr ähnlich. Hier ist ein Targum (eine Paraphrase) zu Hiob 42,9–12 aus Spalte 38 von 11Q10. Die Übersetzung stammt aus der „Dead Sea Scrolls Study Edition“, Band 2, S. 1201. „[der Schuhiter und Zophar, der Naamathiter] und sie taten [wie es ihnen von] Gott befohlen worden war; und G[o]tt erhörte Hiobs Stimme und vergab ihnen um seinetwillen ihre Sünden. Und Gott wandte sich in Barmherzigkeit [an Hiob] und gab ihm doppelt so viel von allem, was er besessen hatte. Da kamen alle seine Freunde und alle seine Brüder und alle seine Bekannten zu Hiob, und sie aßen mit ihm in seinem Haus und trösteten ihn wegen all des Unheils, das Gott über ihn gebracht hatte. Und jeder gab ihm ein Mutterschaf und jeder einen Goldring. Leer. Und Gott segnete H[io]b am Ende[…]“
Beachten Sie, dass im masoretischen Text anstelle eines Mutterschafs ein Stück Silber steht.
Frage: Welche Übersetzungsunterschiede gibt es im Buch Hiob zwischen dem hebräischen Text und der griechischen Septuaginta?
Insgesamt scheint die griechische Fassung dem Hebräischen sehr nahe zu kommen. Die wichtigste Ausnahme besteht darin, dass die älteste Abschrift des Hiob-Buches in der Septuaginta um ein Sechstel kürzer ist. Hier sind einige Übersetzungsunterschiede aus Kapitel 1. Der erste Satz ist die hebräische Übersetzung, der zweite die Wiedergabe in der Septuaginta.
Hiob 1,3: „größer als alle Söhne des Ostens“ vs. „Adlige des Ostens“
Hiob 1,6: „Söhne Gottes“ vs. „Engel“
Hiob 1,6.7.12: „Satan“ gegenüber „der Teufel“ (viermal)
Hiob 1,10: „und sein Besitz hat sich im Land vermehrt“ vs. „sein Vieh hat sich im Land vermehrt“
Hiob 1,11: „nicht verfluchen“ vs. „segnen“
Hiob 1,13 „essen und trinken“ vs. „trinken“
Hiob 1,15 „Sabäer“ vs. „Räuber“
Hiob 1,16: „Das Feuer Gottes ist gefallen“ vs. „Feuer ist vom Himmel gefallen“ (in beiden Fällen ist damit ein Blitz gemeint)
Hiob 1,16: „junge Männer“ vs. „Hirten“
Hiob 1,17 „Chaldäer“ vs. „Reiter“
Hiob 1,18 „Wein trinken“ vs. „trinken“
Hiob 1,19 „aus der Ferne der Wüste“ vs. „aus der Wüste“
Hiob 1,19: „junge Männer“ vs. „Ihre Kinder“
Hiob 1,22 „Unrecht vorwerfen“ vs. „Torheit anlasten“
Hiob 2,11 „Elifas, der König der Temaniter, Bildad, der Herrscher der Suchiter, Zophar, der König der Minaeer“
Hiob 3,4 „Tag“ (Hebräisch und Alexandrinus) vs. „Nacht“ (Septuaginta)
Hiob 3,6 „sich freuen“ vs. „sich anschließen“ (Septuaginta, Syrisch, Targume, Vulgata)
Hiob 5,5: „Selbst aus den Dornen wird es ihnen entrissen, und eine Schlinge entreißt ihnen ihren Besitz.“ (Masoretische Fassung) vs. „Sie werden den bösen Menschen nicht entrissen werden. Die Macht wird sie wegziehen.“ (Septuaginta) vs. „Und der Bewaffnete wird ihn mit Gewalt ergreifen. Und die Durstigen werden ihren Reichtum austrinken.“ (Aquila, Symmachus, Syrisch, Vulgata)
Hiob 7,20 „Ich bin mir selbst eine Last.“ (Masoretischer Text, Targume, Vulgata) vs. „Bin ich Ihnen eine Last?“ (In diesem Fall bewahrt die Septuaginta höchstwahrscheinlich die früheste Lesart, und der masoretische Text wurde geändert, um das zu entfernen, was als blasphemisch angesehen wurde. Wir wissen dies aufgrund einer von den Schriftgelehrten hinterlegten Anmerkung, dem sogenannten Tiqqune sopherim.)
Hiob 8,14a: „Worauf er vertraut, ist vergänglich“ (MT) vs. „Denn sein Haus wird unbewohnt sein“ (Septuaginta) vs. „Dessen Zuversicht wird zunichte gemacht werden“ (Syrisch)
Hiob 9,19 „mich“ vs. „ihn“ (Septuaginta, Syrisch, Vulgata)
Hiob 10,8 „rundum alle zusammen; doch du vernichtest mich“ vs. „danach hast du dich gewandelt und mich geschlagen“ (Septuaginta, Syrisch)
Hiob 10,20 „Sind meine Tage nicht wenige? Dann höre auf und“ im Vergleich zu „Sind die Tage meines Lebens nicht wenige?“ (Septuaginta, Syrisch)
Hiob 13,14 (Frage) im Vergleich zu (Aussage)
Hiob 14,3 „Sie werden ihn bringen.“ vs. „Werden Sie ihn bringen?“ (Septuaginta, Vulgata, Syrisch)
Hiob 14,10 „Wo ist er?“ vs. „Er ist nicht mehr“
Hiob 14,16 „Zahl“ vs. „gezählt“ (Septuaginta) vs. „nicht gezählt“ (Syrisch)
Hiob 15,23a „Futter für die Geier“ (‘ayyay) (MT) vs. „Wo (‘ayyeh) ist es?“ (Septuaginta) vs. „Er flieht wegen der drohenden Strafe“ (Syrisch)
Hiob 16,3 „Sollen leere Worte ein Ende haben? Oder was reizt Sie, dass Sie antworten?“ vs. „Was! Gibt es einen Grund für leere Worte? Oder was hindert Sie daran, zu antworten?“
Hiob 17,10 „sie alle“ (viele masoretische Handschriften, Targume) vs. „ihr alle“ (einige masoretische Handschriften, Septuaginta, Syrisch, Vulgata)
Hiob 18,3: „Wie lange wollt ihr noch Verfälschungen anstelle von Worten setzen?“ vs. „Wie lange wollt ihr noch so weitermachen?“
Hiob 19,20 „in mir“ (die meisten masoretischen Texte) vs. „in ihm“ (viele masoretische Texte, Septuaginta und Vulgata)
Hiob 19,28 „in mir“ (viele masoretische Texte) vs. „in ihm“ (einige masoretische Texte, Septuaginta, Theodotion, Vulgata)
Hiob 21,24 „Eimer“ vs. „Eingeweide“ (Septuaginta, Vulgata) vs. „Seiten“ (Syrisch) vs. „Brüste“ (Targume) (Anscheinend sind moderne Gelehrte nicht die Einzigen, die Schwierigkeiten mit diesem Wort hatten!)
Hiob 21,28 „das Zelt, die Wohnstätte“ (masoretisch) vs. „die Bedeckung der Wohnzelte“ (Septuaginta) vs. „die Wohnstätte“ (Vulgata)
Hiob 22,8 (fehlt) vs. „Und du sagst“ (Targum von Hiob aus den Schriftrollen vom Toten Meer)
Hiob 22,8 „so dunkel“ vs. „hell“
Hiob 22,9 „wurden zermalmt“ vs. „ihr habt zermalmt“ (Septuaginta, Syrisch, Targume, Vulgata)
Hiob 22,17 „ihnen“ im Gegensatz zu „uns“ (Septuaginta, Syrisch, Targum der Schriftrollen vom Toten Meer)
Hiob 22,30 „einer, der nicht unschuldig ist“ vs. „die Unschuldigen“
Hiob 23,2 „aufmüpfig“ (masoretische Fassung) vs. „außerhalb meiner Reichweite“ (Septuaginta) vs. „bitter“ (Syrisch, Targume, Vulgata)
Hiob 23,2 „die Hand gegen mich“ (masoretische Fassung, Targume, Vulgata) vs. „seine Hand“ (Septuaginta und Syrisch)
Hiob 23,9 „er wendet sich“ vs. „ich wende mich“ (Septuaginta, Syrisch)
Hiob 23,12 „aus … gehütet“ vs. „in … gehütet“ (Septuaginta, Vulgata)
Hiob 24,2 „sie [die Gottlosen]“ im Vergleich zu „die Gottlosen“
Hiob 24,21 „Er misshandelt“ vs. „er hat … nicht gut behandelt“
Hiob 24,24 „wie alle anderen“ vs. „wie Malve“
Hiob 25,3 „sein Licht“ vs. „seine Schlinge/sein Hinterhalt“ (Möglicherweise haben die Übersetzer der Septuaginta das hebräische Wort „orebo“ anstelle des Wortes „orehu“ gelesen.)
Hiob 26,5 „verfliegende Geister“ vs. „Riesen“
Hiob 27,19 „Er ist nicht mehr“ (masoretische Textfassung, Targume) vs. „Aber er soll nichts hinzufügen“ (Septuaginta, Syrisch) vs. „Aber er soll nichts wegnehmen“ (Vulgata)
Hiob 28,11 „staut auf/bindet“ vs. „erforscht/erprobt“ (Septuaginta, Aquila und Vulgata)
Hiob 28,13 „seinen Preis“ vs. „den Weg dorthin“
Hiob 29,6 „Zorn“ vs. „der Felsen“ (einige masoretische Texte)
Hiob 30,11 „meine Bogensehne“ (masoretischer Text, Syrisch, Targum) gegenüber „Seine Bogensehne“ (Septuaginta, Vulgata)
Hiob 30,18 „Mein Gewand ist entstellt“ (masoretischer Text, wörtliche Übersetzung nach Green) vs. „wird mir wie Kleidung“ (masoretischer Text), vs. „hat mein Gewand ergriffen / ergreift meine Kleidung“ (Septuaginta)
Hiob 31,32 „auf den Weg“ (masoretisch) vs. „dem Reisenden“ (Septuaginta, Syrisch, Targum, Vulgata)
Hiob 32,1: „in seinen eigenen Augen“ im Vergleich zu „in ihren Augen“ (Septuaginta, Symmachus und Syrisch)
Hiob 32,3: „verurteilte ihn“ vs. „verurteilte Hiob und hatte damit Gott verurteilt“ (eine alte hebräische Schrifttradition)
Hiob 32,9: „viele“ im Gegensatz zu „alte“ (Septuaginta, Syrisch, Vulgata)
Hiob 33,30 „erleuchtet zu werden durch das Licht des Lebens/der Lebenden“ im Gegensatz zu „damit mein Leben ihn im Licht preise“ (Septuaginta, übersetzt von Lancelot) im Gegensatz zu „damit sie das Licht des Lebens sehen“ (Septuaginta)
Hiob 34,6 „Ich werde als Lügner angesehen“ vs. „Er [Gott] lügt“
Hiob 39,13: „Strauß“ vs. „der Erfreuten (= Pfau)“ (In der Septuaginta steht an allen anderen Stellen im Buch Hiob „Strauß“.)
Hiob 39,19: „mit einer Mähne“ vs. „mit Schrecken“
Hiob 39,21 „sie graben“ vs. „es scharrt“ (Septuaginta, Syrisch, Vulgata)
Hiob 41,6 „Kaufleute“ vs. „Phönizier“
Hiob 41:7 „Könnt ihr seine Haut mit Stacheleisen [Harpunen] füllen oder seinen Kopf mit Fischspeeren?“ vs. „Und alle Schiffe, die zusammenkommen, wären nicht in der Lage, auch nur die Haut seines Schwanzes zu tragen; noch würden sie seinen Kopf in Fischereifahrzeugen befördern“
Hiob 41,9: „Einer wird niedergeschlagen / überwältigt“ im Vergleich zu „die Götter überwältigten“ (Symmachus, syrisch)
Hiob 41,9: „Jede Hoffnung, ihn zu bezwingen“ vs. „Ihre Hoffnung“ (ein masoretischer Text)
Hiob 41,11 „dass ich vergelten werde“ vs. „und in Sicherheit sein werde“
Hiob 41,22 „Schwäche oder Bestürzung“ (die Gelehrten sind sich über das hebräische Wort unsicher) vs. „Zerstörung“
Hiob 42,11: „ein Stück Silber“ (masoretische Texte und Symmachus) vs. „ein Lamm“ (Septuaginta) (Lancelots Übersetzung der Septuaginta enthält eine Fußnote, wonach es sich um eine Münze handeln könnte, auf der ein Lamm geprägt ist.) (Rabbi Akiba und Qimchi sagen, dies beziehe sich auf Geld.)
Hiob 42,16 „140 Jahre“ (masoretisch) vs. „240 Jahre“ (Septuaginta) vs. „248 Jahre“ (Alexandrinus)
Hiob 42,17 „voll der Tage“ (masoretische Fassung und die Übersetzung des Aquila (126 n. Chr.)) gegenüber „voll der Tage: und es steht geschrieben, dass er mit denen, die der Herr auferweckt, wieder auferstehen wird.“ (Septuaginta und Theodotion)
Hiob 42,17+ (fehlt) vs. „Dieser Mann wird im syrischen Buch so beschrieben, dass er im Land Ausis lebte, an der Grenze zwischen Idumäa und Arabien; und sein Name war zuvor Jobab; und nachdem er eine arabische Frau geheiratet hatte, zeugte er einen Sohn, dessen Name Ennon war. Und er selbst war der Sohn seines Vaters Zare, eines der Söhne Esaus, und seiner Mutter Bosorrha, sodass er der Fünfte in der Linie von Abraham war. Und dies waren die Könige, die in Edom regierten, über dessen Land auch er herrschte: zuerst Balak, der Sohn Beors (Semphor im Alexandrinus), und der Name seiner Stadt war Dennaba; nach Balak folgte Jobab, der auch Job genannt wird; nach ihm Asom, der Statthalter aus dem Land Thaeman; und nach ihm Adad, der Sohn Barads, der Madiam in der Ebene von Moab vernichtete; und der Name seiner Stadt war Gethaim. Und seine Freunde, die zu ihm kamen, waren Elifas von den Kindern Esaus, König der Thaemaniter, Baldad, Herrscher der Sauchäer, und Zophar, König der Minaeer.“
Literaturverzeichnis zu dieser Frage: Die hebräische Übersetzung stammt aus Jay P. Greens „Literal Translation“, und die Wiedergabe der Septuaginta stammt aus Sir Lancelot C. L. Brentons Übersetzung von „The Septuagint: Greek and English“. Außerdem wurden der „Expositor’s Bible Commentary“ sowie die Fußnoten in den Bibelausgaben NASB 1995, NIV 1985, NKJV und NRSV herangezogen.